Landauf, landab

Der Staatsfeind

15. September 2017, 00:00

Kennen Sie den Actionthriller «Staatsfeind Nr. 1»? Will Smith spielt einen Anwalt, der in den Besitz einer heiklen Diskette kommt und deshalb ins Visier der NSA, der nationalen Sicherheitsbehörde, gerät. Ein spannender Freitagabend-Film nach einer strengen Woche.

Interessant ist, dass diese totale Überwachung im Film als Schreckensvision dargestellt wird. Horror, Apokalypse, das Ende der Freiheit. So dachte man 1998, als der Film in die Kinos kam. Inzwischen sind bald 20 Jahre übers Land gezogen. Längst ist real, was der Thriller noch als Fiktion zeigte: Wir können kaum noch einen Schritt machen, ohne dass wir dabei beobachtet werden.

Egal, ob in Luzern, Sursee, Kriens oder Emmen: An jeder Ecke lauert eine Kamera, die uns aufzeichnet. Das ist zwar den meisten Menschen egal. Unheimlich ist es trotzdem. Aber noch gibt es sie, die blinden Flecken. Orte, wo keiner hinsieht – weil es nichts gibt, was überwachenswert wäre: auf dem Land, in der Pampa.

Da lach ich mir doch ins Fäustchen mit unserem abgelegenen Domizil. Ich gehöre zur aussterbenden Spezies, die unbeobachtet leben kann. Der Outlaw vom Land, sozusagen. Aber so ist es nicht, wie ich kürzlich während eines Telefongesprächs mit einem kantonalen Amt feststellen musste. «Wo wohnen Sie?», so die unverfängliche Frage des Staatsangestellten. Kurz darauf die Bemerkung, dass das Aufstellen der Geissenzäune neben dem Haus bewilligungspflichtig sei. Natürlich: Die Satellitenbilder hatte ich vergessen. Der Herr in Luzern hatte den vollen Überblick.

Ich war sprachlos. Aus zwei Gründen: Dass ich nicht einmal ein Stück Holz in eine Wiese stecken darf, ohne dass ich um Erlaubnis fragen muss. Und wie konnte ich nur so naiv sein und denken, dass wir auf dem Land freier sind als die in der Stadt?

Hinweis Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redak­toren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

Robert Bossart,

Journalist, Altwis

kanton@luzernerzeitung.ch


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