Die Badi steht vor einem Neubeginn

Reiden Von Schliessung und Rückbau bis Weiterbestand: Der Verwaltungsrat der Badi Reiden AG hat drei Szenarien geprüft – und bevorzugt nun die weitaus teuerste.
06. Dezember 2017, 00:00

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

In den vergangenen Monaten war es medial ruhig geworden um die überschuldete Reider Badi. An der Gemeindeversammlung vom Montagabend kam dieses Thema nun wieder auf den Tisch. Rechtsanwalt Pius Schumacher und Ingenieur Steffen Kujaht präsentierten ein umfangreiches Konzept, wie es mit dem Freizeitvergnügen weitergehen könnte. Zusammen mit Gemeinderat und Ressort­leiter Finanzen Bruno Aecherli (Präsident) bilden sie den dreiköpfigen Verwaltungsrat der Badi Reiden AG. Im Mai hatte die Gemeindeversammlung die Neugründung der Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 100000 Franken beschlossen. Seit 1. Juli ist sie operativ tätig.

Geprüft wurden diverse Szenarien mit folgenden gegebenen Rahmenbedingungen: Der jährliche Beitrag der Gemeinde von einem Steuerzehntel (750000 Franken) darf genauso wenig überschritten werden wie die vom Stimmbürger bereits gesprochene Liquiditätsüberbrückung inklusive Planungskredit von 1,25 Millionen. Als wichtige Erkenntnisse erwähnte Schumacher, dass die von der Gemeinde eingeschossenen Gelder «voraussichtlich nicht in vollem Umfang benötigt werden». Der maximale Steuerzehntel sei ebenfalls zu hoch gegriffen. «Vielmehr ist es das Ziel, dass der Gemeindebeitrag mit dem neuen Projekt nicht höher ausfällt als in den vergangenen Jahren.» Auch eine wichtige Erkenntnis war: Der Verwaltungsrat geht davon aus, dass die Schwimmbadgenossenschaft im nächsten Jahr ordentlich liquidiert werden kann. Es kommt also zu keinem Konkurs.

Konkret zeigte Pius Schumacher drei Szenarien für die Badi Reiden auf. Und zwar: Schliessung und Rückbau der gesamten Anlage, Weiterführung des Hallenbades und Weiterbetrieb von Hallen- und Freibad, dies verbunden mit der Aktivierung von Nebenstandbeinen.

Teuerste Variante wird favorisiert

Aus finanzieller Sicht dürften sich die Aufwendungen bei der Version Schliessung und Rückbau auf 2,5 bis 3 Millionen Franken belaufen. Kostentreiber und Risiko sieht Schumacher «im asbesthaltigen Baumaterial in Plattenbelägen und im Isolations­material». Bei der Schliessung Freibad und Weiterführung Hallenbad beziffert der Verwaltungsrat den Betrag ungleich höher. Rund 7 Million Franken ist die Schätzung für die Sanierung des Hallenbades. Dies, weil die Schwimmbadtechnik erneuert werden muss. Das Szenario ­Weiterführung Frei- und Hallenbad mit Nebenstandbeinen ist schliesslich die teuerste Variante. Zur Sanierung des Hallenbades kommt eine Überholung des Freibades dazu. Insgesamt dürften sich die Kosten bei rund 9,5 Millionen Franken bewegen.

Mittels umfassender Analyse haben sich die Verantwortlichen der Badi Reiden AG mit Stärken, Chancen, Schwächen und Risiken befasst. Dies führte den Verwaltungsrat zum Schluss, dass die Vorteile beim Szenario drei – also der Weiterführung von beiden Bädern sowie dem Betrieb von Zusatzstandbeinen – überwiegen. In diesem Zusammenhang wurde das Zurverfügungstellen von Stellplätzen für Wohnwagen und Wohnmobilen für Durchreisende, ein Erlebnisspielplatz für Kinder und Familien oder ein Pétanqueplatz in Gemeinschaftsnutzung mit örtlichen Vereinen erwähnt. Mit den Zusatzstandbeinen soll die Auslastung über das ganze Jahr hinweg erhöht und die Ertragsbasis im Vergleich zum heutigen Modell gestärkt werden.

Und obwohl bei diesem Szenario mit den deutlich höchsten Kosten zu rechnen ist: Mit einem jährlichen Gemeindebeitrag von rund 450000 Franken sei die Tragbarkeit gemäss Finanzplan einer Beratungsgesellschaft gewährleistet, so Schumacher. Zum Fazit des Verwaltungsrates gehörte auch, dass diese Summe insgesamt tiefer sein werde als bisher. Zudem sei die favorisierte Variante mit seinen wasserfremden ­Attraktionen für die Reider Bevölkerung ein Gewinn.

Doch wie werden die rund 9,5 Millionen finanziert? Gemäss Plan des Verwaltungsrats soll das Aktienkapital von 100000 Franken auf 1,5 Millionen aufgestockt werden. Weiter erhofft man sich von Reiden nochmals einen «Zustupf» von 2,45 Millionen Franken in Form eines rückzahlbaren Darlehens. Die restlichen rund 5,6 Millionen sollen Banken oder umliegende Gemeinden beisteuern. Im 1. Quartal 2018 möchte der Verwaltungsrat das Szenario drei verabschieden und die Wiggertaler Gemeinden informieren. Bis Mitte Jahr will man die Projekt-Detailerarbeitung mit Mittelbeschaffung abschliessen. Geplant ist, dass im September das Volk darüber entscheidet. Bei einem Ja kann im Frühling 2019 die erste und im Herbst die zweite Umbauphase gestartet werden.


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