Doppelte Freude bei den Napfringern

HERGISWIL ⋅ Die Ringerriege hat allen Grund zum Feiern. Pünktlich zu den Festivitäten zum 50-Jahr-Jubiläum geht für sie ebenfalls ein langersehnter Traum in Erfüllung.
02. Juni 2017, 00:00

Unter der Steinacherhalle, im kleinen, fensterlosen und von stickiger Luft geschwängerten Luftschutzraum trainieren mit viel Eifer Hergiswiler Nachwuchsringer – wohl eines der letzten Male. Für die eintrudelnden Aktiven bleibt bis zum Beginn ihrer Übungseinheit noch etwas Zeit. Diese nutzen sie, um die gesammelten Pokale zu zügeln. Getreu ihrem für das Projekt kreierten Motto «Raus aus dem Keller» kommen die Trophäen künftig in die Glasvitrine im zweiten Obergeschoss des soeben fertiggestellten Erweiterungsbaus zu stehen.

Es ist zwar kein neues Zeitalter, das für die Hergiswiler Ringer von nationalem Format anbricht. «Doch seit rund 15 Jahren haben wir auf den Moment, auf den neuen Trainingsraum gewartet», sagt ein mit sichtlicher Genugtuung und berechtigtem Stolz erfüllter Athletenbetreuer Flurin Burkhalter. Pünktlich zum 50-Jahr-Jubiläum geht für die Hergiswiler der langersehnte Traum endlich in Erfüllung.

Eigenleistungen und Geld vom Vereinsvermögen

Sie machten sich in den vergan­genen Jahren über einen neuen Trainingsstandort viele Gedanken. Doch der Durchbruch für die Napfringer kam mit der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 31. August 2015. Da genehmigte das Volk einen Sonderkredit von 2,4 Millionen Franken für den Erweiterungsbau Steinacherhalle. Dadurch wird es möglich, Bedürfnisse von Kommune (allgemeiner Raum), Schule (zwei neue Zimmer) und Ringerriege abzudecken. Die Gemeinde war Bauherrin. Sie stellt den Napfringern den neuen Trainingsraum unentgeltlich zur Verfügung. Die Ringer beteiligen sich jedoch mit 100000 Franken an den Baukosten. Davon wurden vom Swisslos-Sportfonds Kanton Luzern 60 000 Franken in Aussicht gestellt. Den Rest bezahlen die Ringer aus ihrem Vereinsvermögen. Zudem beteiligt sich die Riege mit Eigenleistungen (Montagen) und berappt die Einrichtung im Wert von 60 000 Franken. Dazu gehören die Ringermatte, eine Teeküche, Sauna oder Trainingsge­räte, beispielsweise für die Technikanalyse. Die Wände sind mit einem Prallschutz versehen.

«Der Rückhalt im Dorf ist ausserordentlich gross»

Der zweifache Schweizer Meister (2012 und 2013) – dazu kamen noch diverse Podestplätze – überliess beim Projekt «neuer Trainingsraum» nichts dem Zufall. Eine neunköpfige vereinsinterne Kommission unter dem Namen «Trainingsraum 17+» beschäftigte sich mit Planung und Gestaltung. Dazu gehörte auch die Finanzierung. Nebst dem Verkauf von Rubellosen setzt der Verein auf Crowdfunding – nach dem Prinzip: Viele beteiligen sich monetär an einer Projektidee. Die Ringer stellten ihre Vision aufs Internet. Dadurch hätten sie Unterstützer für den Kauf der neuen Ringermatte gefunden, sagt Burkhalter. Aber auch aus der Bevölkerung trafen einige schöne Spenden ein. «Der Rückhalt im Dorf ist für uns Ringer ausserordentlich gross», betont der Athletenbetreuer. Das lässt sich ebenfalls immer wieder feststellen, wenn die Hergiswiler um den nationalen Titel kämpfen. Dann steht die knapp 1900 Einwohner zählende Gemeinde jeweils kopf. Bei den brisanten Derbys gegen Nachbar Willisau kann es schon vorkommen, dass 700 bis 800 Zuschauer die Matten säumen. Aktuell zählt der Verein zirka 70 aktive Mitglieder, davon sind rund 40 Nachwuchsringer. Vor allem ihnen möchte man bessere Trainingsbedingungen bieten. Doch keine Frage: Auch die Cracks werden das neue Trainingslokal zu schätzen wissen.

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Morgen finden die Jubiläums­feierlichkeiten statt: Swisscup (ab 10 Uhr), Besichtigung des Erweiterungsbaus (ab 13.30 Uhr) und Jubiläumsfeier (Steinacherhalle; ab 20 Uhr).

www. Weitere Bilder finden Sie unter: luzernerzeitung.ch/bilder

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