Ein Ausflug, der vom schweren Alltag ablenkt

MURI ⋅ Breite Autos mit grossen Motoren üben eine besondere Anziehungskraft aus. Mit der Aktion «Sternenfahrten» werden deren Besitzer zu Chauffeuren für Kinder aus schwierigen Verhältnissen.
10. August 2017, 00:00

Einmal in einem amerikanischen Truck, einem Oldtimer oder gar einem «Muscle Car» mitfahren: Viele träumen davon. Das weiss auch Reto Frank aus Muri. Er ist selber begeisterter Anhänger der grossen Autos. Regelmässig trifft er sich mit weiteren Fans von V8-Motor-Sportwagen zu Ausfahrten – meist fährt aber jeder alleine in seinem Fahrzeug. Das wollte Reto Frank ändern und dabei das Nützliche mit dem Guten verbinden. Die Lösung: ein ehrenamtliches Engagement. So lud er gemeinsam mit weiteren Fahrern im letzten Jahr in Zusammenarbeit mit den karitativen Or­ganisationen Sternentaler und Sternschnuppe Familien ein, die durch eine schwere Krankheit oder den Tod eines Familienmitglieds betroffen sind.

Die Aktion wurde ein so grosser Erfolg, dass sie in diesem Jahr wiederholt wird. Reto Frank und sein Team nehmen zweimal während der Sommerferien Passagiere mit auf eine Ausfahrt. In diesem Jahr zudem Kinder aus Familien, die in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen leben. Dazu wurde eine Kooperation mit dem Verein Help for Family vereinbart.

Gemeinsam von Muri nach Morgarten

Am 16. Juli nun fand die erste Tour statt. 30 Passagiere waren dabei. Eingeladen ist immer die ganze Familie. «Denn alle sind täglich im Sturm, auch gesunde Geschwister», ergänzt Frank. Alle bräuchten ab und zu eine Auszeit aus dem beschwerlichen Alltag. «Wir hatten Glück mit dem Wetter. Die Ausfahrt war nicht nur für die Familien, sondern auch für die Fahrer ein einmaliges Erlebnis.» Die Kinder und ihre Familien werden zu Beginn an ihrem Wohnort abgeholt und zum Treffpunkt auf den Klosterhof in Muri gefahren.

Von dort bewegt sich der Konvoi gemeinsam weiter. Die Tour führte über Merenschwand, Mühlau und Maschwanden Richtung Ägerisee bis nach Morgarten. Dort wartete das Mittagessen. Anschliessend startete man die Motoren wie­der und fuhr über Sattel, das Mi­chaelskreuz bis ­Inwil. Von da aus wurden die Familien nach Hause kutschiert. Neben dem abwechslungsreichen Erlebnis durften die Kinder je ein T-Shirt und ein Modellauto als Andenken mit nach Hause nehmen. «Die Reaktionen sind zum Teil herzergreifend», sagt Frank. Da habe es etwa eine Mutter gegeben, die sich dafür bedankte, dass sie ihren Sohn endlich wieder einmal habe herzhaft lachen hören. Von den Kindern kämen eher nonverbale Feedbacks, so Frank: eine Zeichnung vom Erlebnis, eine Lego-Garage, die für das Modellauto gebaut wird, «und natürlich die glänzenden Augen».

Bald, am 20. August, findet die zweite Ausfahrt dieses Sommers statt. Im nächsten Jahr soll es weitergehen. «Ich hoffe, dass die Sternenfahrt zur festen Grösse im Veranstaltungskalender der beteiligten Vereine und der Gemeinde Muri wird», sagt Frank. Er selber ist topmotiviert weiterzumachen. «Ich habe ein privilegiertes Leben, verdiene gut, habe ein schönes Haus, gesunde Kinder, eine intakte Ehe», erklärt er. «Ich möchte ein wenig von meinem Lebensglück weitergeben.» Natürlich fühle er sich selber aber auch gut, wenn er am Abend nach Hause gehe und sich an die glücklichen Gesichter erinnere. «Dieses Feuer hat aber schon längst auf die Fahrer übergegriffen.» So engagieren sich viele im OK, erstellen Videos oder kreieren Flyer.

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

«Ich möchte ein wenig von meinem Lebensglück weitergeben.»

Reto Frank

Initiator aus Muri


Leserkommentare

Anzeige: