Nachgefragt

«Ein gesunder Ehrgeiz, gute Musik zu machen»

12. Januar 2018, 00:00

Seit 130 Jahren gibt es die Kirchenmusik Escholzmatt. Am 13. und 20. Januar läutet das 50-köpfige Ensemble das Jubiläumsjahr in der Pfarrmatte ein. Es wird das erste Jahreskonzert sein, bei dem Werner Horber den Dirigentenstab schwingt. Der Bündner lebt mit seiner vierköpfigen Familie in St.Gallen. Der 58-Jährige erzählt, wie er zu seiner Aufgabe im Entlebuch gekommen ist und wie er die gut eingespielte Truppe musikalisch herausfordern möchte.

Werner Horber, wie sind Sie zur Kirchenmusik Escholzmatt gekommen?

Bis im Juni 2017 war ich Chef des Rekrutenspiels der Schweizer Armee. Für die Zeit meines «vorzeitigen Unruhestandes» suchte ich nach einer neuen Herausforderung. Denn meine Leidenschaft und mein Beruf ist und bleibt das Dirigieren. Ich bin dann im Entlebuch fündig geworden – da spielte auch die Distanz, die ich von meinem Wohnort im st.gallischen Berschis zurücklegen muss, keine Rolle.

Was zeichnet die Kirchen­musik Ihrer Meinung nach besonders aus?

Die Blasmusik im Kanton Luzern hat einen hohen Stellenwert, das merkt man auch bei der Kirchenmusik Escholzmatt. Es ist ein gesunder Ehrgeiz vorhanden, gute Musik zu machen. So konnten wir bei meinem Einstand am Musiktag in Schüpfheim überraschend einen Erfolg erspielen– vor allem in der Marschmusik.

Wohin möchten Sie sich mit den Musikern entwickeln?

Zunächst ist es das erklärte Ziel des Vereins, die 1. Klasse zu halten. Gleichzeitig bleibt die Erhaltung der Tradition – Auftritte für das Dorfleben – sehr wichtig. Ich möchte aber auch neue Elemente einbringen, insbesondere anspruchsvolle Stücke aus der Unterhaltung stilecht interpretieren und entsprechend aufspielen. Das ist ein langfristiges Projekt, denn die bisherige Stärke der Musik liegt heute eher im konventionellen Bereich.

Wird davon beim Jahreskonzert schon etwas zu hören sein?

Selbstverständlich. Im Stück «Swiss-TV-Melodies» habe ich aus alter Schweizer Filmmusik Klassiker wie etwa die Kummerbuben, den Polizist Wäckerli oder Pfarrer Iseli möglichst originalgetreu arrangiert. Das Werk stellt neben den Ausschnitten aus der «Seville Suite» von Bill Whelan einen der Höhepunkte des Konzertes dar.

Auf welchen Auftritt freuen Sie sich 2018 besonders?

Auf die Auftritte mit der Entlebucher Rock-’n’Roll-Tanzgruppe Take it Easy im Juni 2018. Auch hier geht es darum, etwas Neues, etwas Spezielles zu kreieren, das über die Tradition hinausgeht. Ich möchte noch anfügen: Ich freue mich zudem sehr dar­über, dass ich bei der Kirchenmusik nicht nur ein neue Aufgabe, sondern auch 50 neue Musikerfreunde gefunden habe. Das ist mir wirklich eine besondere Freude. (uus)

Zur Person

Werner Horber beendete sein musikalisches Studium mit Diplomen als Blasmusikdirigent, im Hauptfach Trompete, und als Volksmusiklehrer. Zudem schloss er ein Studium an der Militärischen Führungsschule der ETH Zürich ab.


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