Er pendelt zwischen Geuensee und Äthiopien

ENTWICKLUNGSARBEIT ⋅ Bruno Strebel engagiert sich seit über 40 Jahren für Äthiopien, wo er mehrere Jahre lebte. Für den ehemaligen Geuenseer Gemeindeammann ist dabei die Heimkehr manchmal schmerzhafter als der Abschied.
10. November 2017, 00:00

Anpassungsfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Bescheidenheit – drei Charakterzüge, die bei Bruno Strebel ausgeprägt sind. Sie waren wohl für seinen aussergewöhnlichen Lebensweg mitverantwortlich und dafür, dass der heute 68-Jährige erfolgreich war in dem, was er machte. Obwohl er selber sagt: «Ich bin da auch ein wenig hineingerutscht.»

Der Geograf widmete sein Leben der Entwicklungszusammenarbeit. So war er für die Caritas Schweiz und für die Organisation Helvetas tätig, bis er sich als Spezialist für Entwicklungsfragen selbstständig machte.

Karl May inspirierte ihn zum Abenteuer

Im Alter von 26 Jahren reiste Bruno Strebel für die Caritas nach Äthiopien, um dort zwei Jahre zu bleiben – ohne vorher je das Land besucht zu haben. Auf die Frage, was ihn dazu bewog, sagt er: «Die Romane von Karl May. Beim Lesen hat mich die Abenteuerlust gepackt.» Bei der Tätigkeit geblieben sei er aber wegen ihrer Sinnhaftigkeit. «Es ist schön, zu sehen, welchen Effekt die Arbeit hat.»

Während seiner Zeit in Äthiopien betreute Strebel diverse Bewässerungsprojekte, insbesondere im Irobland, einer 850 Qua­dratkilometer umfassenden Gegend im Norden Äthiopiens, direkt an der eritreischen Grenze. Das gebirgige Gebiet wird von der ethnischen Minderheit der Irob bewohnt, einem ehemaligen Nomadenvolk. Das Irobland ist so karg, dass die Menschen grösstenteils auf auswärtige Hilfe angewiesen sind. Strebels grösstes Projekt war der Assabol-Staudamm – dessen Bau er zwischen 1997 und 2008 betreute. Heute haben die Irob dank des Stausees genügend Wasser, um Früchte- und Gemüseplantagen zu bewässern. Welchen Wert Strebels Arbeit für sie hat, zeigt folgende Geste: Die Irob haben ein Lied gedichtet, in dem es sinngemäss heisst: «Wann kommt Bruno wieder zurück?»

Trotz der Sinnhaftigkeit – auch Entwicklungsarbeit hat ihre Grenzen. «Oft haben wir Europäer einen zu grossen Machbarkeitsglauben. Dabei werden die kulturellen Unterschiede unterschätzt», so Strebel. Die Projekte müssen von den Einheimischen getragen werden, führt er aus, damit sie nachhaltig sind.

Die Umstände seiner Arbeit waren auch für ihn persönlich nicht immer einfach. Der Kulturschock habe ihm oft zu schaffen gemacht: «Die Heimkehr war manchmal schmerzhafter als der Abschied», sagt er und verweist auf hiesige Luxusprobleme, die im Kontrast zu den einfachen Verhältnissen in den Entwicklungsländern stehen. «In Bezug auf die Familie bewegte ich mich manchmal an der Grenze», sagt Strebel, der seit 1980 mit seiner Frau Ursula verheiratet und Vater dreier Kinder ist. Die häufigen Auslandaufenthalte seien für alle emotional herausfordernd gewesen. Aus diesem Grund hat er immer wieder ein berufliches Standbein in der Schweiz gesucht. Unter anderem war er von 1992 bis 2008 Gemeindeammann von Geuensee.

Bungalow-Hotel direkt am Stausee

Die Entwicklungsarbeit führte Bruno Strebel in viele Länder. Doch immer blieb er mit seiner zweiten Heimat Äthiopien verbunden – bis heute: Gemeinsam mit einem äthiopischen Freund baut er am Ufer des Assabol-Stausees die Irob Lake Lodge, inmitten malerischer Landschaft, mit Aussicht auf einen Hügel, an dem sich Paviane tummeln. Die Gelder dafür sind noch nicht ganz beisammen, doch Strebel hofft, dass die Lodge mit Hilfe von Spenden in einem Jahr eröffnet werden kann. Das Bungalow-Hotel soll Reisefreudige in das touristisch noch kaum erschlossene Irobland locken. Für Bruno Strebel ist dies nicht unbedingt eine gewinnbringende Investition, aber die Abrundung eines Lebenswerks.

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch


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