Erste Heim-AG zieht Bilanz

HOCHDORF ⋅ Vor zehn Jahren wurden die Alters- und Pflegeheime Rosenhügel und Sonnmatt in eine AG ausgelagert, aber nicht isoliert. Im Gegenteil: Das Unternehmen ist besser vernetzt denn je.
13. Oktober 2017, 00:00

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Als ihre beiden Häuser Rosenhügel und Sonnmatt vor zehn Jahren in eine Aktiengesellschaft überführt wurden, betrat die damalige Alters- und Pflegeheim AG (APH) im Kanton absolutes Neuland. Mittlerweile haben sich aber weitere Kommunen wie Beromünster, die Stadt Luzern, Emmen oder kürzlich Kriens zu diesem Schritt entschieden. Heimaus­lagerungen sind momentan ein grosses Thema (wir berichteten).

Am 21. Oktober feiert das seit März 2016 neu unter der Dachmarke Residio AG auftretende Unternehmen nun mit der Bevölkerung das zehnjährige Beste­hen. Die Aktiengesellschaft befindet sich in öffentlicher Hand. Daran beteiligt sind die Gemeinden Hochdorf, Hildisrieden, Römerswil, Ballwil, Inwil sowie die Stiftung Sonnmatt.

Massiv investiert und Programm erweitert

Hatten die Verantwortlichen mit der Auslagerung die Zeichen der Zeit damals schon früh erkannt, entwickelte sich die Residio AG in den letzten Jahren kräftig weiter. So investierte sie rund 35 Millionen Franken in ihre beiden Standorte Rosenhügel (an der Peripherie von Hochdorf gelegen) und in die Sonnmatt im Dorfzentrum. Damit trug sie unter anderem mit der Auflösung von Doppelzimmern den heutigen Begebenheiten Rechnung. Aktuell verfügt die Residio AG über 169 Einzel- und 5 Doppelzimmer für Ehepaare. Für die Bewohner wurde zudem die Verpflegung mit Frühstücksbuffet und Menüauswahl am Mittag und am Abend ausgebaut.

Die Residio AG bietet auch ein spezialisiertes Angebot für an Demenz erkrankte Menschen in Form von Wohngemeinschaften, inklusive Tages- und Nachtentlastungsangebote an. Des Weiteren gibt es im Haus Sonnmatt seit rund zwei Jahren unter dem Namen «FitPlus» ein medizinisches Trainingscenter mit Physiotherapiepraxis. Diese Lokalitäten stehen auch der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Das medizinische, von Pieter Keulen (MTC), Emmen, geführte und von der Stiftung Sonnmatt finanzierte Trainingscenter «läuft sehr gut», sagt die Vorsitzende der Residio-Geschäftsleitung, Erika Stutz. Neu haben MTC und die Residio auch das Angebot Ortho-Reha konzipiert. Dieses bietet Seniorinnen und Senioren speziali­sierte, befristete stationäre Re­­- ­ha­bilitations- und Erholungsaufenthalte nach orthopädischen Ein­griffen an.

Zudem ist die öffentliche Drehscheibe «65plus» in Räumlichkeiten des Sonnmatt eingemietet. Hier geht es um ein regionales Pilotprojekt von Pro Senectute Kanton Luzern, zusammen mit elf Seetaler Gemeinden. Das Ziel liegt darin, mit dieser Anlaufstelle Menschen im AHV-Alter Informationen und Dienstleistungen einfacher und koordinierter zugänglich zu machen.

In Rain investiert die Gemeinde momentan 21 Millionen Franken in Pflegewohngruppen und Wohnungen mit Dienstleistung für ältere Menschen. In diesem Zusammenhang ist eine «gewisse Kooperation» mit der Genossenschaft Pflegewohngruppe Sonnenrain möglich, bestätigt Stutz. Diese könnte beispielsweise das Liefern von Hauptmahlzeiten betreffen und IT-Dienstleistungen beinhalten.

Dienstleistungen in gutem Preis-Leistungs-Verhältnis

Die Auslastung ist einer der wichtigsten unternehmerischen Erfolgsfaktoren einer Langzeitpflegesituation. Im Kanton Luzern sei diese von 2015 auf 2016 von 98 Prozent auf 97 Prozent gesunken, sagt die GL-Vorsitzende. «Bei der Residio hingegen lag sie 2016 bei 99 Prozent», so Stutz. Diese Quote gelte es zu halten. Dabei sei die Herausforderung allerdings stets, Dienstleistungen in einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten.

Ebenfalls wichtig ist für das Unternehmen die Kooperation mit der Baugenossenschaft Bellevue. Diese hat in unmittelbarer Nähe zum Sonnmatt 37 Wohnungen mit Dienstleistungen gebaut. Sie beinhalten beispielsweise Concierge-Dienste, Notruf oder ärztlich verordnete pflegerische Verrichtungen in Zusammenarbeit mit der Spitex Hochdorf und Umgebung. «Das ist ein tolles zusätzliches Angebot für Seniorinnen und Senioren von Hochdorf», sagt Stutz.

Doch obwohl alle Entscheidungsträger die Residio AG als Erfolgsgeschichte werteten, gebe es in diesem Zusammenhang auch kritische Faktoren, weiss die GL-Vorsitzende. Während die Ansprüche der Bewohner und deren Angehörigen zunehmen, fordern die fünf Gemeinden und die Stiftung Sonnmatt als Aktionäre kostenoptimierte Preise. «Die Residio setzt alles daran, diesen Spagat auch künftig optimal zu meistern», betont Erika Stutz. Nur so könnten die Aktionärinnen zufriedengestellt werden. Da die Einflussnahme der Kommunen durch die Auslagerung kleiner geworden sei, brauche es aber vor allem eine gute Basis. «Vertrauen und stete Gesprächsbereitschaft sind hier entscheidende Faktoren», betont die Vorsitzende der Residio-Geschäftsleitung.

Vorsitzende der Geschäftsleitung Residio AG


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