Landauf, landab

Feriensünden

11. August 2017, 00:00

Zu den diesjährigen Sommerferienverlierern zählt Thomas. Wir kennen uns von Mallorca. Als ich dich zum ersten Mal sah, hattest du einen Hut in Form eines Bierkruges auf. Ich beobachtete dich von einer Bar aus. Deine Freunde – auch sie trugen so lustige Kopfbedeckungen – stützten dich.

Wahrscheinlich lag es an der Hitze. Oder am Essen. Vielleicht am Heimweh oder doch am Sangría? Auf jeden Fall musstest du dich übergeben. Blöd nur, dass dir die Sandalen dieser – sagen wir mal – stämmigen Mallorquinerin in die Quere kamen. Als Folge gab es eine Ohrfeige, die dich zuerst aus dem Gleichgewicht und dann zum Fallen brachte. Am nächsten Morgen blitzte unter deinem Hut ein Verband hervor. Warum ich das erzähle? Aus zwei Gründen: Erstens habe ich mir überlegt, wo ich meine nächsten Ferien verbringen möchte. Ich ging nach dem Ausschlussverfahren vor: Jeder Ort, an den du hingehen könntest, fiel raus. Zweitens: War es wirklich nötig, dass du dein biergetränktes Souvenir «Made in China» auch auf dem Rückflug auf deinen Kopf stülpen musstest?

Anscheinend reicht es nicht, wenn sich Touristen nur im Ferienort zum Affen machen. Sie ziehen es bis zum bitteren Ende durch. Noch zu Hause am Flughafen wird der hässliche Kitsch – meist nicht einmal im Ferienland hergestellt – genüsslich präsentiert. Touristen steigen aus dem Flieger, spielen auf peruanischen Flöten, tragen Schottenmützen und Sombreros. Es gibt kein Land ohne Souvenirshop, selbst Nordkorea soll einen haben. Wer das Zeugs braucht? Niemand. Gekauft wird es trotzdem. Von allen – vom Ballermanntouristen bis zum Andenwanderer.

Um gar nicht in Versuchung zu kommen, bleibe ich diese Ferien zu Hause. Gartensafari. Wespen jagen, Mücken erschlagen. Wer mir einen lustigen Tropenhut ausleihen möchte, kann sich gerne melden.

Hinweis Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redak­toren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch


Leserkommentare

Anzeige: