Fischer angeln sich Jugendarbeiter

NACHWUCHSARBEIT ⋅ Die Sportfischer werden immer jünger. Matthias Muther (37) aus Rothenburg wird neu dafür sorgen, dass Einsteiger entsprechend ausgebildet werden – und nicht nur den dicksten Fang vor Augen haben.
16. April 2018, 00:00

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Der Witz ist flach wie eine Flunder: Ein Passant beobachtet einen Fischer. Nach einer Weile fragt er ihn: «Was gibt es langweiligeres als Fischen?» Der Fischer antwortet: «Dabei zuzusehen.»

Wer hobbymässig angelt, der braucht Geduld. Das gilt auch für den schönen Freitagmorgen auf dem Alpnachersee, dem Stammgebiet des frisch gekürten Luzerner Jungfischerobmanns Matthias Muther. Weshalb das Hobby aber deswegen nicht langweilig sein muss, dazu später.

Der 37-jährige Rothenburger Muther soll in der neu geschaffenen Funktion als ehrenamtlicher Jungfischerobmann helfen, die Nachwuchsarbeit beim Luzerner Fischereiverband und den Vereinen professioneller zu gestalten. «Ich sehe immer mehr Junge an den Ufern fischen. Ich will ihnen See und Gewässer als Naherholungsgebiet vor der Haustüre näher bringen – und den Respekt vor der Natur», sagt er. Der gelernte Sozialpädagoge ist in der Jugendarbeit tätig und daher den Umgang mit der Zielgruppe gewohnt. Diese frönt immer öfter dem Sportfischen: Pro Jahr absolvieren laut Kursleiter Peter Schürmann 350 bis 400 Jungfischer aus dem Kanton Luzern den Sachkundenachweis. Doch damit sei deren Ausbildung nicht abgeschlossen, gibt er zu bedenken.

Gesetze sind strenger geworden

Der anhaltende Boom bei den Jungen war Anlass für den Luzerner Fischereiverband, die Jugendarbeit besser zu koordinieren. «Er ist ein Glücksfall für uns», sagt Verbandspräsident Markus Fischer über Matthias Muther. Dieser stiess per Zufall auf das Jobinserat im Internet, als er sich über die unübersichtliche Patentfischerei im Kanton schlaumachen wollte. In Luzern sind 126 Pachtreviere eingetragen – neben den Patentstrecken an der kleinen Emme und der unteren Reuss sowie dem Seepatent für Sempachersee und Vierwaldstättersee.

«Hier zeigt sich ein zentraler Punkt: Man kann nicht einfach drauflos fischen», betont Muther, während er seinen Kutter Richtung Hergiswil steuert. In den letzten zehn Jahren seien die Gesetze strenger geworden. Fischen mit Widerhaken und lebenden Ködern ist verboten. Zudem gelten je nach Kanton und Gewässer verschiedene Schongrössen- und fristen. «Dann sollten die Jungen die Fischarten ja auch noch kennen.» Auch bei Ausübung des Freiangelrechts, das ohne Patent das Angeln mit einer Zapfenrute und Naturköder erlaubt. Er will auch Werte vermitteln. «Beim Angeln werden Tiere getötet. Das gehört dazu. Ein Fisch muss rasch eingeholt, betäubt und getötet werden.» In diesem Akt stecke Lernpotenzial: «Ich finde es besser, wenn junge Menschen erfahren, woher unsere Nahrung kommt und was es dazu braucht, bis sie auf dem Teller ist. Bei einem vakuumierten Lachsfilet ist der Bezug kaum vorhanden.»

Ziel: Kontakt zu Gleichgesinnten vermitteln

Nicht in allen Vereinen ist die Jugendarbeit gleich gut institutionalisiert. «Meine Aufgabe ist es, gemeinsam mit den Vereinen Konzepte zu entwickeln und gestandene Fischer auszubilden, die das Hobby vermitteln», sagt Muther. Auch junge Menschen ohne See vor der Haustüre sollen mit Gleichgesinnten die Angel auswerfen können. «Nicht alle haben einen Onkel, wie ich einen hatte, der sie in die Geheimnisse der Fischerei einführt.»

Dazu gehört auch, den Erfolg nicht nur am Fischfang zu messen. Am Freitag ging Muther ohne Forelle nach Hause, auch wenn er zögerliche Bisse gespürt haben will. «Wichtiger ist das Soziale: Zeit mit Freunden zu verbringen und abzuschalten.» Aus seinem Beruf weiss er: «Viele Jugendliche fühlen sich gestresst.» Fischen könne Abhilfe schaffen. «Man ist konzentriert und schaut nicht immer aufs Handy. Zudem lernt man, die Natur zu beobachten.»

Wer es selbst einmal ausprobieren wolle, dem empfiehlt der Jungfischerobmann, nicht gleich eine Anglerausrüstung anzuschaffen. Die koste rasch 500Franken. «Viele Fischer haben ungebrauchte Ruten im Keller, die sie gerne Kindern und Jugendlichen ausleihen oder günstig abgeben.» Auch die Vereine würden weiterhelfen. Mit dem Jungfischerobmann gibt es nun auch einen zentralen Dreh- und Angelpunkt für alle, die sich Forelle, Egli und Zander nicht aus dem Supermarkt holen, sondern selbst angeln wollen – statt nur dabei zuzusehen.

Hinweis www.fischereiverband-luzern.ch

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Wie gut kennen Sie die einheimischen Fischarten? Der Test unter: luzernerzeitung.ch/quiz

Jungfischerobmann


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