Flosse sollen Schlossweiher retten

ETTISWIL ⋅ Der Schlossweiher kämpft auch diesen Sommer wieder mit einer Algenplage. Vierzig schwimmende Inseln sollen Abhilfe schaffen. Was wie ein Kunstprojekt aussieht, ist eine biologische Innovation.
11. Juli 2017, 00:00

René Meier

rene.meier@luzernerzeitung.ch

Frösche quaken im Teich beim Schloss Wyher in Ettiswil, Karpfen strecken ihre Mäuler aus dem Wasser und schnappen nach Futter. Der romantische Weiher verleiht diesem Ort einzigartigen Charme. Doch die Idylle trügt, denn der 1000 Quadratmeter grosse Schlossweiher ist in einem schlechten Zustand: Der Nährstoffgehalt ist zu hoch, die Wasserqualität ist bedenklich, und die Fische leiden an Sauerstoffmangel. Der Weiher gleicht in seiner Farbe immer mehr den benachbarten Wiesen. Grüne Algen bilden einen Teppich auf der Wasseroberfläche.

Damit das Ökosystem des Weihers nicht kippt, hat Raffael Känzig zwanzig schwimmende Inseln im Teich platziert, bald sol­len es vierzig sein. Känzig ist Geschäftsführer des Willisauer Jungunternehmens Phoster, das sich auf die Sanierung von Oberflächengewässer spezialisiert hat. Die Flosse sind rund 1 Meter lang, 50 Zentimeter breit und beste­hen mehrheitlich aus Naturmaterialien wie Holz und Kork für den Auftrieb und zur Stabilität der darauf wachsenden Pflanzen. Das Wachstum der Pflanzen sowie das Material sind im Tropenhaus Wolhusen ausgiebig getestet worden. «Unsere Schwimmplattformen ergänzen die wertvollen Zonen am Ufer. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Pflanzen auf Schwimmplattformen rund fünfmal effizienter Nährstoffe aus dem Wasser aufnehmen können als solche, die am Ufer wachsen», sagt Känzig. Die bepflanzten Holzkonstrukte, die fest im Teich verankert sind, haben eine Lebensdauer von zehn Jahren und sind nach ihrem Einsatz vollständig kompostierbar.

Schweizweit erste Installation

«Es ist die erste solche Installation in der Schweiz überhaupt», erzählt Känzig stolz. Auslöser für sein Engagement zu Gunsten der Natur sei ein Drohnenvideo gewesen, das die Algenplage rund um das Schloss Wyher eindrücklich aus der Luft zeigt.

Und wie funktionieren die Inseln genau? «Die mehrheitlich schmalblättrigen Rohrkolben ziehen bis zu 1,2 Meter lange Wurzeln ins Wasser. Zusammen mit weiteren einheimischen Pflanzen sind sie fähig, wie eine Lunge dem Wasser zu mehr Sauerstoff zu verhelfen», so Känzig. Das sei am Ufer wegen der Folie des Weihers nicht möglich. Das Wurzelsystem filtert zudem algenfördernde Nährstoffe aus dem Wasser. Einen weiteren Vorteil haben die Inseln für Fische und andere Kleinlebewesen: Sie spenden Schatten und bieten Unterschlupf. Sein System sei zwar nicht ganz so schnell wie eine mechanische Teichreinigung mit Trommelfiltern, dafür günstiger, umweltschonend und nachhaltig. «Eine echte Alternative eben.»

Känzig rechnet mit Kosten von 430 Franken pro Insel. Die Entwicklung des Produkts wird finanziell unterstützt mit Geldern in der Höhe von 50 000 Franken aus dem Topf der Neuen Regionalpolitik (NRP). Mit einem ebenso hohen Darlehen vom Innovationsfonds der Alternativen Bank Schweiz wird nun die Marktbearbeitung vorangetrieben. Die Stiftung Schloss Wyher beteiligt sich am Projekt in einer ersten Phase mit 12 000 Franken. Peter Obi, Mitglied des Stiftungsrats und dort zuständig für den Teich, unterstützt das Projekt des 35-Jährigen: «Wir waren von Anfang an begeistert, als Raffael Känzig vor drei Jahren mit seiner Idee auf uns zugekommen ist. Das Schloss ist attraktiv, der Teich bei warmen Temperaturen aber keine Augenweide.»

Schlechte Sicht wegen Algenplage

Die Schlossumgebung soll deshalb schöner gestaltet werden, damit die Besucher die Fische im Weiher wieder sehen können. Wegen der Algenplage reicht die Sicht in den Teich heute gerade mal einen halben Meter weit. «Primär soll das ökologische Gleichgewicht wiederhergestellt werden, sekundär sollen bessere Möglichkeiten für die eigene Fischhaltung geschaffen werden.» Den Schlosspächtern und der Fischergilde, die den Weiher pflegt, schwebt dereinst der Einsatz von qualitativ hochwertigen Speisefischen vor.

Känzig hofft, dass der Weiher bis in ein paar Jahren von Algen befreit ist. Als Nächstes will er vor allem Privatpersonen von seiner Innovation überzeugen. So sollen seine Inseln in Zukunft vermehrt auf Zierteichen bei Golfplätzen schwimmen. Sein ehrgeiziges Ziel: Bis in zehn Jahren soll es in jedem fünften Teich in der Schweiz bepflanzte Schwimminseln geben.

www. Ein Video vom Schloss Wyher und Tipps gegen die Algenplage finden Sie unter: luzernerzeitung.ch/bonus

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