Frauen zieht es an die Uni Luzern

BILDUNG ⋅ Beim Frauenanteil schwingt die Uni Luzern obenaus – im Gegensatz zur Hochschule. Vor allem beim Master hat sich der Anteil erhöht. Eine gegenteilige Entwicklung gibt es bei der Pädagogischen Hochschule.
14. Juli 2017, 00:00

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

253 Bachelordiplome hat die Uni Luzern im letzten Jahr verliehen. 68,8 Prozent der Absolventen waren Frauen. Somit hat die Uni Luzern bei den Bachelorabsolventen schweizweit den höchsten Frauenanteil. Im Durchschnitt liegt dieser bei knapp 53 Prozent. Auch von den 320 Masterdiplomen konnte mit knapp 63 Prozent die Mehrheit von Frauen entgegengenommen werden. Im Durchschnitt der Schweizer Unis beträgt der Frauenanteil rund 52 Prozent.

Während sich die Zahl der Absolventinnen beim Bachelor an der Uni Luzern in den letzten Jahren leicht erhöht hat, gab es auf Masterstufe einen noch deutlicheren Zuwachs.

Grosse Unterschiede je nach Fachrichtung

Lukas Portmann, Kommunikationsbeauftragter an der Uni Luzern, sagt auf Anfrage: «Die Frauenanteile variieren je nach Fachrichtung. Wenn eine Universität eine ‹frauenlastige› Fachrichtung anbietet, widerspiegelt sich dieser Umstand in einem hohen Frauenanteil der gesamten Universität.» Die beiden grössten Fakultäten der Uni sind die Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät (KSF) sowie die Rechtswissenschaftliche Fakultät. Schweizweit liegt der Frauenanteil bei den Geistes- und Sozialwissenschaften bei 71,7 Prozent. Beim Jus-Studium sind es 60,9 Prozent. «Die Universität Luzern liegt damit im Schweizer Durchschnitt. Der hohe Frauenanteil ist eine Folge der angebotenen Fächer», betont Portmann. Eine weitere Erklärung lasse sich auch darin finden, was die Uni Luzern eben gerade nicht anbietet – nämlich Naturwissenschaften. So ist die Uni Luzern nebst der Uni St. Gallen (HSG) die einzige Uni ohne naturwissenschaftliche Fächer.

Auf das Herbstsemester 2016 hat die Uni Luzern eine weitere Fakultät eröffnet. Seither kann man auch Wirtschaftswissenschaften studieren. Portmann geht davon aus, dass das neue Angebot «den Frauenanteil der gesamten Uni eher senken wird».

Der Geschlechteranteil der Studenten wird von der Uni Luzern beobachtet. «Falls der Frauenanteil ansteigen sollte, wären allenfalls Massnahmen denkbar», sagt Lukas Portmann, ohne konkrete Beispiele zu nennen.

Technik & Architektur drückt den Durchschnitt

Während die Uni Luzern bei den Bachelorabschlüssen den höchsten Frauenanteil hat, liegt dieser bei der Hochschule Luzern mit knapp 42,4 Prozent unter dem Durchschnitt der Schweizer Fachhochschulen (48,7 Prozent). Dasselbe gilt für die Masterabschlüsse (siehe Tabelle). René Hüsler, Leiter Ressort Ausbildung der Hochschule Luzern und Direktor des Departements Informatik, weist allerdings darauf hin, dass über alle aktuellen Studenten gesehen in «vier von sechs Departementen der Hochschule Luzern mehr Frauen als Männer studieren». Dies gilt für die Departemente Wirtschaft, Soziale Arbeit, Design & Kunst sowie Musik. Weiter führt Hüsler aus: «Der Schnitt wird von Technik & Architektur gedrückt, dem mit Abstand grössten Departement.» In diesem Departement liegt der Frauenanteil bei gerade mal einem Fünftel. 401 der 1894 Bachelor- und Masterstudenten bei Technik & Architektur sind weiblich. «Noch stärker ist das Ungleichgewicht im Departement Informatik. Dort beträgt der Frauenanteil 10 Prozent.»

Obwohl es Departemente mit weniger Studentinnen gibt, sagt René Hüsler: «Der Frauenanteil ist in den letzten fünf Jahren bei den Bachelor- und Masterstudiengängen kontinuierlich angestiegen – erfreulicherweise auch bei technischen Fächern, die traditionell männerdominiert sind.» Bei der Fachrichtung Technik und IT hat sich der Anteil in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt.

Die Hochschule rechnet damit, dass sich auch künftig immer mehr Frauen für ein Studium einschreiben werden. Die Hochschule Luzern hat dafür Massnahmen ergriffen. «Um den Anteil der Frauen in den technischen Studiengängen zu steigern, fördern wir das Interesse von Mädchen bereits in der Schule mit ganz unterschiedlichen Programmen», erzählt Hüsler. Mit «ITGirls» sollen Schülerinnen zwischen 14 und 16 Jahren während dreier Tage die verschiedenen Facetten der Informatik entdecken. Im eintägigen Workshop «TinkerTec-Girls» erhalten Schülerinnen im selben Alter einen Einblick in technische und gestalterische Berufe. So bauen sie etwa einen kleinen Synthesizer oder lernen den Umgang mit Lötkolben.

Pädagogische Hochschule will mehr Männer

An der Pädagogischen Hochschule Luzern (PH Luzern) schliessen beim Bachelor klar am meisten Frauen ab. Wenn der Anteil auch rückläufig ist. Er lag 2016 bei 85,9 Prozent und somit noch immer auf sehr hohem Niveau und über dem Schweizer Schnitt von 82,5 Prozent. Beim Master waren 65,3 Prozent der Absolventen weiblich (Schweiz: 73,6 Prozent) Kathrin Krammer, Prorektorin Ausbildung, vermutet vor allem strukturelle und gesellschaftliche Gründe im hohen Frauenanteil. «Den Lehrerberuf machen die gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie und weniger hohe Karriereorientierung und Karrieremöglichkeiten in anderen Berufsfeldern für Frauen besonders attraktiv.» Krammer betont, dass die Qualität und der Erfolg des Unterrichts nicht vom Geschlecht der Lehrpersonen abhänge. «Für die Schülerinnen und Schüler ist es wünschenswert, dass sowohl Männer als auch Frauen als Bezugspersonen und Identifikationsfiguren präsent sind.»

Die PH Luzern hat allerdings Massnahmen ergriffen, um mehr Männer für den Beruf zu begeistern. So organisiert sie jährlich ­einen Zukunftstag für Knaben. Interessierte können einen Nachmittag – begleitet von einem männlichen Dozenten – als Lehrer an einer Schule erleben. Auch Programme für Quereinsteiger hätten dazu geführt, dass sich der Anteil der männlichen Studenten leicht erhöht hat, so Krammer. Doch sie sagt: «Der Männeranteil ist nach wie vor tief, und es braucht zusätzliche Anstrengungen, um ihn zu erhöhen.»


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