«Genauso schön wie das Original»

MARBACH ⋅ Kraft, Erholung, Trost – die idyllische Lourdesgrotte im hintersten Entlebuch dient den Menschen als Wallfahrtsort. Zum 100-Jahr-Jubiläum ist sie von der Kirchgemeinde fein herausgeputzt worden.
12. August 2017, 00:00

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Sie liegt 15 Gehminuten von der Dorfkirche entfernt in einem Waldstück am Steiglenbach, an einem idyllischen Platz inmitten der Natur und damit genau richtig. Die Rede ist von der Lourdesgrotte in Marbach, die heute auf den Tag genau vor 100 Jahren eingeweiht worden ist. Seither hat sie sich als Wallfahrtsort etabliert. «Täglich kommen Besucher aus der Region und der ganzen Schweiz hierher. Sie beten oder suchen Ruhe, um vom Alltag abzuschalten. Generell ist feststellbar, dass immer mehr Menschen solche Rückzugsmöglichkeiten nutzen», erklärt der Marbacher Kirchgemeindepräsident Kurt Zihlmann.

Errichtet worden ist die Grotte nach dem Vorbild ihres Originals in Lourdes im Südwesten Frankreichs, wo Maria im Jahr 1858 der heiligen Bernadette Soubirous erschienen sein soll. «Damals war es für viele Menschen unmöglich, so weit zu pilgern. Deshalb entstand auf Initiative von Rosina Studer-Koch, der Tochter des damaligen «Kreuz»-Wirts, bei uns eine Lourdesgrotte, die für die Marbacher erreichbar war», erzählt Zihlmann.

Lourdesgrotten gibt es im Kanton auch noch anderswo

Nicht nur in der hintersten Ecke des Entlebuchs, sondern weltweit kam es zu solchen Nachbauten. Allein in der Schweiz sind 220 registriert, 12 davon im Kanton Luzern (Ebikon, Grossdietwil, Hitzkirch, Meierskappel, Richenthal, Römerswil, Schüpfheim, Triengen, Wilihof, Willisau, Wolhusen).

In Marbach ist die Grotte aus einem Nagelfluhfelsen herausgearbeitet worden. Darin stehen die Figuren der Muttergottes und der knienden heiligen Bernadette. Davor finden rund 200 Menschen auf Holzbänken Platz. Auch ein kleiner gedeckter Platz, die sogenannte Gebetshalle, steht den Gläubigen zur Verfügung. In einem Fürbittenbuch können dabei die persönlichen Wünsche und Gedanken notiert werden. Alles in allem sehe sie dem Original ziemlich ähnlich, berichtete eine Gruppe von Marbachern, als sie im Mai aus Lourdes zurückkehrten – unter der Leitung von Pfarrer Theodor Zimmermann hatten sie den Wallfahrtsort anlässlich des eigenen Jubiläums besucht. «Sie meinten, dass unsere Grotte genauso schön sei», erzählt Zihlmann. Das französische Lourdes ist mittlerweile einer der grössten Wallfahrtsorte der Welt und ist zu einem Magneten für den Massentourismus avanciert.

Zu Ehren des 100-jährigen Bestehens hat die Katholische Kirchgemeinde Marbach ihre Lourdesgrotte renoviert. Neben Reinigungs- und Auffrischungsarbeiten wurden die Holzbänke ersetzt, ein Materialraum geschaffen, ein windgeschützter Kerzenständer installiert und neue Rosenkranzbilder aufgehängt. Das Budget von rund 140000 Franken ist dabei nicht ganz ausgeschöpft worden. Die Kirchgemeinde Marbach, die laut Zihlmann finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, trug nur wenig an Eigenmitteln bei, vornehmlich sicherten Spendengelder die Finanzierung. Darüber hinaus seien Arbeiten im Frondienst geleistet worden.

Marbacher Grotte wird am Dienstag neu gesegnet

Am kommenden Dienstag wird die renovierte Lourdesgrotte von Marbach im Rahmen einer Festmesse neu gesegnet (ab 9 Uhr in der Dorfkirche). Von Marien­erscheinungen im Marbacher Wald weiss Kirchgemeindepräsident Kurt Zihlmann zwar nicht zu berichten, dafür aber von eindrücklichen Begegnungen mit Pilgern, die unabhängig von ihrer Konfession zur Andacht an den Steiglenbach fanden. «Menschen, die einen Unfall erlitten haben oder an schweren Krankheiten leiden, kommen vorbei, um Kraft zu tanken.»

«Immer mehr Menschen suchen solche Rückzugsmöglichkeiten.»

Kurt Zihlmann

Kirchgemeindepräsident


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