Hinter die Kulissen der Kommunikation geschaut

UNI LUZERN ⋅ Fabian Zumbühl zählt zu 109 Absolventen des Studiums der Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften. Dabei kam der 35-Jährige aus der Gemeinde Geuensee zur Erkenntnis: Auch bei der Wissenschaft ist Wahrheit eine Illusion.
16. September 2017, 00:00

«Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften», so heisst das Studienfach, das Fabian Zumbühl soeben mit einem Masterabschluss absolviert hat. «Das Studium basiert auf sehr viel soziologischen Grundlagen», erklärt der Geuenseer. Die Medien beeinflussen die Gesellschaft und umgekehrt: «Seit der Matura arbeite ich als freier Journalist und seit einigen Jahren auch in der Kulturvermittlung. Mit 28 habe ich nach etwas Neuem gesucht und wollte mehr hinter die Kulissen der Kommunikation schauen», erzählt der heute 35-Jährige.

In seiner Masterarbeit hat Zumbühl die wissenschaftliche Grafik der Oberflächentemperatur der Erde, die sogenannte ­Hockeyschlägerkurve, mit einer massenmedialen Kurve im «Spiegel»-Magazin verglichen. «Das Thema Klimawandel ist spätestens seit den 80er-Jahren aktuell und bleibt es. In meiner Ausbildung habe ich mich verstärkt mit visueller Kommunikation, Globalisierungsfragen und Umweltthemen auseinandergesetzt.»

Je nach gewählter Skala verändert sich Aussage

Überrascht hat ihn dabei, dass auch bei der wissenschaftlichen Grafik darstellerische Entscheidungen getroffen wurden, die man hätte anders fällen können. «Der Wissenschaft wird automatisch Objektivität unterstellt», sagt Fabian Zumbühl. Mit bildanalytischen Methoden hat er gezeigt, wie sehr die gewählte Temperaturskala oder der gewählte Zeitraum die Grafik und deren Aussage verändert. Darum hinterfragt er heute noch mehr: «Wenn ein Journalist Informationen aufbereitet, ist dies immer eine Konstruktion und nie die totale Wahrheit, kein Abbild. Der Journalist braucht sein Werkzeug der Selektion.» Dies könne zwar frustrierend sein, aber man brauche ja eine gemeinsame Diskussionsgrundlage.

Neben seiner Tätigkeit als Journalist macht er Museumsführungen. Als drittes Standbein bestreitet Zumbühl die Kommunikation verschiedener KMU und der Gemeinde Geuensee.

Doch ob er in der nächsten Zeit oft dazu kommt, seine ­Hobbys zu pflegen, ist etwas un­gewiss. Denn nach seinem Abschluss sucht er nun eine Stelle: «Journalist ist man mit dem Herzen, das ist man immer. Doch jetzt würde es mich sehr reizen, in einer Kommunikationsabteilung zu arbeiten. Oder vielleicht auch in der Wissenschaft? In der Privatwirtschaft?»

Natalie Ehrenzweig

kanton@luzernerzeitung.ch


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