Im «gesetzten» Alter noch «flügge» geworden

HILDISRIEDEN ⋅ Das Leben von Felix von Däniken ist geprägt von viel Bewegung. Nach einer überwundenen Krankheit startet er nochmals mächtig durch – beispielsweise als Gleitschirmpilot.
14. Juli 2017, 00:00

Die Haare zu einem kleinen Schwanz gebunden, ein bunt farbenes T-Shirt, eine beige Sommerhose, Freizeitschuhe: Gelassen und entspannt geniesst Felix von Däniken den Moment auf dem Gartensitzplatz bei einem Glas Mineralwasser. Soeben hat er Arbeiten rund ums Haus beendet. Der 78-Jährige lächelt. Für ihn ist die Welt in Ordnung.

Das war allerdings nicht immer so. Vor rund 3 1/2 Jahren litt er noch an starker Arthrose. Zuerst machten sich die Schmerzen in beiden Daumen bemerkbar, später am rechten grossen Zeh. «Es war so schlimm, dass ich kein Glas mehr heben konnte», erinnert sich von Däniken. Das Gehen sei nur noch in Militärschuhen möglich gewesen. Diese Situation konnte der aktive Rentner kaum akzeptieren. Mehr noch: Für den Mann, der gerne wandert, Tennis spielt und auch auf hoher See segelt, brach eine Welt zusammen.

Heilkraft von Wildkräutern entdeckt

«Sein Arzt meinte, das sei Arthrose, da könne man nichts machen; und gab meinem Mann Schmerztabletten», sagt Ehefrau Carmen. In dieser Zeit habe sie aber von einem mit Naturprodukten arbeitenden Arzt und seinen Erfahrungen bei der Heilung von Krankheiten mit Wildkräutern gehört. So begann die 61-Jährige morgens durch den Garten zu streifen, um Unkräuter zu sammeln. Brennnesseln beispielsweise, gegen die sie jahrelang einen Stellungskrieg geführt hatte. Angereichert mit Zutaten wie Schwarzer Melisse, Bananen oder Datteln zum Süssen mixte sie daraus Smoothies.

Dieses Getränk hat noch heute seinen festen, allmorgendlichen Platz auf dem Speisezettel ihres Ehemanns. Zudem hat Felix von Däniken seine Ernährung umgestellt, vermeidet wenn immer möglich säurehaltige Produkte. Brot, Teigwaren, Reis oder Kaffee sind für ihn kulinarische Tabuthemen. Wobei er allerdings mit einem Schmunzeln auch hinzufügt: «Jede Woche nehmen wir uns einen Jokertag raus. Da liegt ebenfalls ein Glas Rotwein drin.»

Heute strotzt der 78-Jährige so sehr vor Energie, dass er nicht nur seine mit der Krankheit aufgekeimte Depression überwunden hat: von Däniken kann wieder seine Hobbys pflegen. Weil mittlerweile alle aufgehört hätten, spiele er zwar nicht mehr in der Gruppe ASS – was so viel wie «alte Säcke Sempach» heisse – Tennis. Doch der Rentner hat andere Partner und neue Lebenslust gefunden. Sie führte auch dazu, dass er vor zwei Jahren begann, Gleitschirm zu fliegen. Dass es aber so weit kam, «verdankt» er seinem Sohn. Dieser hatte sich für einen Kurs angemeldet. Sein Vater begleitete ihn auf die Klewenalp.

Später besuchte der südafrikanisch-schweizerische Doppelbürger einen Schnuppertag. Das neue Hobby fesselte den Rentner auf Anhieb. «Fliegen war ein Kindertraum», sagt der 78-Jährige. Die Segelflieger auf dem Flugplatz Beromünster hätten ihn schon früh fasziniert.

Von Däniken studierte Maschineningenieur und entschied sich, nach vielen Jahren in der Arbeitssicherheit arbeitend, eine eigene Firma zu gründen. Das Ziel, ordentlich in den Ruhestand zu gehen, «verpasste» er mit seinem beruflichen Rückzug mit 72 Jahren zwar. Der «Übergang» war für ihn aber eh fliessend. Und auch heute ist seine Agenda noch reichlich mit Terminen gefüllt. «Ich habe fast zu wenig Zeit», sagt er und lächelt.

Mittlerweile hat von Däniken 40 Gleitschirmflüge hinter sich. Wie ein Vogel in der Luft schweben, 600 bis 700 Meter über Boden die Welt von oben betrachten und mit der Natur verbunden sein, gebe ihm stets ein Gefühl von Freiheit. Wobei er zugibt, beim Start immer einen höheren Herzschlag zu verspüren. «Der Respekt fliegt stets mit.» Doch von Däniken will diese Herausforderung auch künftig annehmen, besucht im Moment den Brevet -Kurs. «Entweder arbeitet man mit dem Körper, oder der Körper arbeitet mit einem», sagt von Däniken.

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch


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