Kanton spurt in Wolhusen vor – «Das reicht aber nicht»

14. Februar 2018, 00:00

Südumfahrung Nicht nur in Beromünster wartet man seit Jahrzehnten auf eine Umfahrung. Auch die Region Wolhusen pocht seit 1960 auf ihr Grossprojekt. Konkret soll das «Tor zum Entlebuch» mit einem Tunnel umfahren werden. Der neue Strassenabschnitt soll ungefähr vom Bahnübergang im Gebiet Hackenrüti bis zum anderen Ende des Dorfes führen. Damit soll verhindert werden, dass sich die Fahrzeuge stauen – denn in Wolhusen staut sich der Verkehr jeden Morgen und Abend. An schönen Wintertagen gibt es sogar kaum ein Durchkommen mehr.

Wie wichtig das Projekt ist, zeigt sich an der Unterstützung: Sämtliche 28 Gemeinden der ­Region Luzern West stehen hinter dem Vorhaben. Trotz des grossen Rückhalts erachtet die Regierung das 110-Millionen-Projekt als nicht zwingend notwendig. So befindet es sich derzeit im Bauprogramm 2019–2022 im Topf C. Die Betroffenen hatten in der jüngst zu Ende gegangenen Vernehmlassung allerdings gefordert, die Umfahrung mindestens in den Topf B zu befördern. Das hat der Kanton erneut nicht berücksichtigt. Mehr noch: Gegenüber dem vorherigen Bauprogramm 2015–2018 steht für die Planung des Projekts nun sogar weniger Geld zur Verfügung. Der Betrag wurde von 2,3 auf 2 Millionen gesenkt.

Verband übt harte Kritik

Entsprechend unzufrieden ist man beim Verband Region Luzern West. «Die Umfahrung ist nicht nur deshalb wichtig, um Wolhusen vom Verkehr zu entlasten», sagt Geschäftsführer Guido Roos auf Anfrage. «Vielmehr würde die ganze Region davon profitieren: das Gewerbe, der Tourismus, und auch die Wohnqualität würde steigen.» Genau solche Argumente fänden bei den Verkehrsplanern des Kantons aber kein Gehör. «Sie rechnen bloss aus, um wie viele Fahrzeuge pro Tag die Strassen durch die Umfahrung entlastet werden können. Doch den Nutzen für die Gesamtentwicklung erkennen sie nicht», kritisiert Roos.

Dass das Projekt im Topf C liegt, ist nicht in Stein gemeisselt: Im Herbst wird der Kantonsrat über die definitive Priorisierung befinden. Spätestens dann hat Guido Roos, der für die CVP im Parlament sitzt, nochmals die Chance, zu opponieren. Ohnehin geht Wolhusen wohl nicht ganz leer aus. Denn vorgesehen ist, Anfang Dorf bei der neuralgischen Verzweigung Richtung Ruswil einen Kreisel samt Veloweg zu bauen – nur wenige Meter vom bereits erwähnten Bahnübergang Hackenrüti entfernt.

Das 9-Millionen-Projekt ist bereits bis Ende Januar öffentlich aufgelegen. Interessant: Der Kreisel soll rund 2 Meter gegenüber der heutigen Strassenlage angehoben werden, wie Daniel Ender, Projektleiter bei der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur, auf Anfrage bestätigt. Damit will der Kanton offenbar für die künftige Südumfahrung vorspuren. Denn Teil dieses Projekts ist es, genau diesen Bahnübergang aufzuheben respektive ihn zu überbrücken. Der Baustart ist noch unklar. Dass damit ein erster kleiner Schritt für die Umfahrung getätigt wird, sei zwar zu begrüssen, sagt Guido Roos. «Das alleine reicht aber nicht. Nur gemeinsam mit der Südumfahrung und besseren Busverbindungen ab Wolhusen kann der gewünschte Effekt erzielt werden.» Und die Zeit drängt, so Roos. Denn bereits ab Dezember 2019 verkehren mehr Züge von und nach Wolhusen. Dies wegen der S-Bahn-Linie 61 von Luzern nach Schachen, die nach Willisau verlängert wird und zu drei stündlichen Zugdurchfahrten am Morgen und am Abend führt. Die Barriere beim Bahnübergang Hackenrüti wird also öfter zugehen – und sich die Fahrzeuge noch häufiger stauen.

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch


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