Kanton wappnet sich gegen Hacker

COMPUTERVIRUS ⋅ Der weltweit verbreitete Virus WannaCry traf die Schweiz nur am Rande. Doch ähnliche Angriffe kommen auch bei uns immer wieder vor. Um sich zu schützen, wählen Unternehmen verschiedene Methoden.
17. Mai 2017, 00:00

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Ein fieser Virus nistet sich auf den Computern der Gemeinde ein. Diese hat plötzlich keinen Zugriff mehr auf die Rechner und auf die Daten ihrer Einwohner. Digitale Dokumente: einfach weg. Chaos droht. Auch wenn dieses Szenario fiktiv ist: Die Bedrohung durch Hackerangriffe ist real.

Die Gemeinde Emmen beispielsweise wurde schon Opfer von Cyberattacken, wie Sprecher Nikola Janevski auf Anfrage sagt. «Durch optimale Sicherungsmassnahmen konnten die Schäden aber beinahe bei null gehalten werden.» Beim Schutz vor Cyberkriminalität setzt die Gemeinde Emmen auf herkömmliche Sicherheitsmassnahmen wie Firewall, Antivirus, Webfilter, Hyperlink- und Dateiprüfung bei eingehenden Mails. Aber auch durch Sensibilisierung der Mitarbeiter sowie externen Interessierten erhofft man sich mehr Schutz, so Janevski. So fand Anfang Mai ein von der Gemeinde Emmen organisiertes «Unternehmerfrühstück» statt, welches das Thema Cyberkriminalität ortsansässigen Unternehmern näherbrachte.

Dienststelle baut IT-Sicherheit aus

Auch die Dienststelle Informatik des Kantons Luzern setzt auf Sensibilisierungskampagnen – aber nicht nur. Sie hat den Bereich IT-Sicherheit ausgebaut und gestärkt. «Die steigenden Risiken und die zunehmende Komplexität müssen auch in Zukunft abgefedert werden können. Deshalb muss nicht nur die IT-Sicherheit, sondern die IT als Ganzes weiter gestärkt werden», sagt Dienststellenleiter Andreas Raeber. Und das scheint nötig, denn laut Raeber fangen ihre Systeme pro Monat über drei Millionen unerwünschte E-Mails ab. «Eine Garantie für eine lückenlose Prävention gibt es leider nicht.»

Bei der weltweiten Attacke WannaCry vom letzten Wochenende gehen die Behörden von weltweit mindestens 200000 infizierten Geräten aus (Ausgabe von gestern). Besonders hart getroffen wurden Spitäler in England. Beim Luzerner Kantonsspital (Luks) bestehen aktuell keine Anzeichen für diesen Virusbefall, es steht aber mit der Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) laufend im Informationsaustausch, wie das Luks auf Anfrage sagt. Es wäre nicht das erste Mal, dass das Spital von einem Virus heimgesucht würde. Bereits letzten Herbst hatte sich einer eingenistet. «Damals wurden die notwendigen Massnahmen getroffen und der Virus eliminiert. Es sind damals keine Schäden entstanden», so Luks-Sprecherin Ramona Helfenberger. Generell würden laufend verschiedene technische und organisatorische Massnahmen geprüft und vorgenommen. Für besondere Ereignisse bestehe extra eine IT-Krisenorganisation. «Die Gewährleistung der Patientensicherheit steht immer im Zentrum», sagt Helfenberger.

So wie unsere Region kam die ganze Schweiz beim WannaCry-Angriff glimpflich davon. Laut Pascal Lamia, Leiter der Melani, waren landesweit bis Montagmittag knapp 200 Geräte betroffen. Im Vergleich zu anderen Angriffen ist diese Zahl niedrig: «Bei ­E-Banking-Trojanern sehen wir normalerweise in der Schweiz Tausende von Infektionen.» Von den angefragten Firmen wie den Verkehrsbetrieben Luzern und der Migros Luzern war keine von WannaCry betroffen.

Die Melani erarbeitet derzeit eine neue Cyberstrategie, die auch die Erhöhung der Ressourcen berücksichtigt. Entsprechende Anträge werden dem Bundesrat bis Ende Jahr vorgelegt, der dann über die weiteren Schritte entscheidet. Laut Lamia legt die Melani aber viel Wert auf die Eigenverantwortung jeder einzelnen Firma und Privatperson. Denn: «Der Staat allein ist hier machtlos.»

«Unsere Systeme fangen im Monat über drei Millionen unerwünschte E-Mails ab.»

Andreas Raeber

Leiter Dienststelle Informatik


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