Kaum übernommen, von der Schliessung bedroht

MURI ⋅ Die Foboha (Switzerland) GmbH wird möglicherweise bald geschlossen. 60 Arbeitsplätze sind bedroht. Erst im September 2016 wurden sämtliche Foboha-Gesellschaften von der Barnes Group Inc. übernommen.
20. Juni 2017, 00:00

Die Tore des Unternehmens Foboha (Switzerland) GmbH im Industriequartier von Muri werden möglicherweise bald geschlossen. Das Unternehmen mit Hauptsitz im deutschen Haslach und Niederlassungen in Muri sowie Suzhou (China) ist auf die Entwicklung und Herstellung von komplexen Kunststoffspritzgussformen für Verpackungs-, Medizintechnik-, Konsumgüter- und Automobilanwendungen spezialisiert.

«Die 60 Mitarbeiter sind informiert worden. Momentan findet ein Konsultationsverfahren statt», erklärt CEO Norbert Scheid. Im Rahmen dieses Verfahrens sollen die Mitarbeiter die Möglichkeit der Mitbestimmung erhalten. «Sie können ihre Ideen einbringen, wie man die jetzige Situation optimieren könnte. Das ist eine Frage der Fairness den Mitarbeitern gegenüber», so Scheid.

Kein klarer Grund für die Schliessung

Er gibt jedoch keinen klaren Grund für die Schliessungsabsicht an. Er sagt lediglich, dass die ­Besitzerin, die weltweit tätige ­Barnes Group Inc., sämtliche ihrer aufgekauften Brands konsolidieren wolle. «Diese Massnahme ist notwendig, um konkurrenzfähig zu bleiben», sagt Scheid. Die globale Betrachtung sei entscheidend, um Arbeitsplätze zu sichern. Dem höheren Ziel geopfert wird dafür nun wahrscheinlich die Foboha-Niederlassung in Muri. Sollte die Schliessung des Werks wirklich notwendig sein, fragt sich allerdings, was ein «Mitarbeiter-Mitbestimmungsrecht» noch daran ändern soll.

Ob diese drastische Massnahme wirklich dem Überlebenskampf am Markt geschuldet ist oder lediglich der Gewinnoptimierung dient, scheint fraglich. Die börsenkotierte Barnes Group Inc. kaufte die erfolgreichen Foboha-Gesellschaften der Adval-Tech-Gruppe erst letzten Herbst für 133 Millionen Franken ab. Die Barnes Group bietet weltweit Produkte und Dienstleistungen für die Luftfahrt und Industrie an und erzeugt hoch technisierte Produkte für die Transport-, Kommunikations-, Fertigungs- und Technologiebranchen. «Wir freuen uns, mit der Übernahme der Foboha einen wichtigen Schritt vorwarts- zugehen, und heissen die talentierte Belegschaft bei der Barnes Group willkommen», liess Patrick Dempsey, Präsident und CEO der Barnes Group Inc., damals verlauten. Und weiter: «Die Engineering-Kapazitäten und die geschützte Würfelsystemtechnologie von Foboha stärken unsere Position als globaler Anbieter von komplexen Spritzgusssystemen und eröffnen uns weitere Wachstumsmöglichkeiten.» Nur wenige Monate danach erwägt man nun die Schliessung des Standorts Muri. «Sollte es dazu kommen, werden wir versuchen, die Mitarbeiter so weit wie möglich im Hauptsitz in Haslach sowie in den Niederlassungen der Otto Männer GmbH in Au, St. Gallen, oder Bahlingen, Deutschland, unterzubringen», verspricht Norbert Scheid. Die Otto Männer GmbH gehört ebenfalls zur Barnes Group und ist im gleichen Segment tätig wie die Foboha-Gesellschaften. Zumindest Au läge ja nicht weit entfernt, meint Scheid. Die Distanz zwischen Muri und Au beträgt rund 150 Kilometer.

Bisher erfolgreich am Markt behauptet

Die Adval-Tech-Gruppe entschied sich für den Verkauf der Foboha-Gesellschaften, weil sie sich künftig als globaler Anbieter von Komponenten und Baugruppen primär auf die Automobilindustrie fokussieren wolle, wie es im Geschäftsbericht 2016 heisst. In den ersten acht Monaten des Jahres 2016 wies Foboha eine Gesamtleistung von 48,6 Millionen Franken aus. Im ganzen Jahr 2015 waren es 74,4 Millionen Franken. Der Ebitda betrug bis August 2016 6,4 Millionen Franken, während im gesamten Jahr 2015 9,7 Millionen erwirtschaftet wurden. Die Ebitda-Marge konnte im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 auf 13,2 Prozent gesteigert werden.

Im Geschäftsbericht 2015 der Adval-Tech-Gruppe wird der Erfolg von Foboha Schweiz speziell gewürdigt: «Unter den gegebenen Währungsbedingungen besonders erfreulich ist, dass Foboha Schweiz im strategischen Bereich der Nahrungsmittelverpackungen und Flaschenverschlüsse einen Neuauftrag gewinnen konnte. Zudem entwickelte Foboha Schweiz die Pilotform für einen der weltweit führenden Konsumgüterkonzerne.»

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch


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