Kräftige Herbstsonne lässt Pilze spriessen

SAISON ⋅ Viel Sonnenschein und Regen: Das Wetter bot optimale Bedingungen für Pilze. Entsprechend gut fallen bei den Sammlern die Erträge aus – dabei ist aber Vorsicht geboten.
11. Oktober 2017, 00:00

Herbstzeit ist Pilzzeit. Wenn der Boden schön feucht ist und ab und an die Sonne kräftig scheint, sind das optimale Bedingungen. Wobei: Pilze wachsen das ganze Jahr über. Die ergiebigste Zeit ist aber klar von August bis Ende Oktober. Bereits jetzt lässt sich sagen: Die Saison 2017 fällt gut aus.

So sagt zum Beispiel Walter Koch, Pilzkontrolleur in der Region Entlebuch: «Bis jetzt kamen die Sammler mit sehr vielen Pilzen im Korb zu mir. Auffallend ist dieses Jahr, dass sie viele verschiedene Pilzarten finden.» Ob Pfifferlinge, Champignons oder Steinpilze – in den Wäldern gibt es mehrere hundert Pilzarten. Doch die grosse Vielfalt hat auch eine Kehrseite. Denn neben den Speisepilzen finden sich immer auch giftige Exemplare. «Heuer kommt der Karbolegerling massig vor. Dieser sieht zwar aus wie ein Champignon, läuft aber gelb an, riecht streng – und ist giftig», sagt Koch, der seine kostenlosen Kontrollen nach telefonischer Vereinbarung durchführt. Gerade für Laien ist eine solche Kontrolle unabdingbar. Denn wer einen ­giftigen Pilz isst, kommt im ­«besten» Fall mit Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall davon. Im schlimmsten Fall droht gar der Tod. Bei Toxinfo, der Auskunftsstelle für Vergiftungen, meldeten sich 2017 bisher 20 Personen aus dem Kanton Luzern, welche eine Pilzvergiftung hatten. Im Vorjahr waren es zum selben Zeitpunkt 13 Personen. Auch in den meisten anderen Kantonen registrierte Toxinfo 2017 mehr Vergiftungen als im Vorjahr.

«Gutes bis sehr gutes Pilzjahr»

Zurück zum genüsslichen Aspekt der Pilze: Nicht nur im Entlebuch ist man bisher zufrieden mit der Saison. «2017 ist ein sehr gutes Pilzjahr», bilanziert Peter Brunner, Präsident des Hochdorfer Pilzvereins. Die Vielfalt sei enorm: «An unserem letzten Pilzbestimmungsabend konnten wir 43 verschiedene Arten präsentieren.» Gezielt sammle man auch giftige Exemplare. «Um die Leute darauf aufmerksam zu machen und um ihnen zu zeigen, welche Merkmale sie ausweisen.» Ähnliches ist auch aus Luzern zu hören: «Die Pilzsaison war wie das Wetter», sagt René Zopp von der Mykologischen Gesellschaft Luzern. «Alles in allem war es eine gute bis sehr gute Pilzsaison. Vor allem der Steinpilz, Pfifferlinge und der Hexenröhrling waren stetige Gäste.» Diese Arten fanden auch die Mitglieder des Willisauer Pilzvereins am häufigsten, wie dessen Präsidentin Claudia Selmani sagt. «Das erste Mal bestimmten wir auch den Veilchenblauen Schönkopf», sagt sie weiter. «Auch Heims Riesenschirmling und der Hasen-Röhrling gehören zu den seltenen Arten, die wir heuer gefunden haben.»

Bleibt nun in den kommenden Tagen der Frost fern, dürften Pilzsammler weiterhin auf ihre Kosten kommen.

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch


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