Kunstrasenfeld spaltet die Parteien

WOLHUSEN ⋅ Weil die heutigen Fussballfelder nicht mehr ausreichen, will die Gemeinde einen Kunstrasen bauen. Doch Controlling-Kommission und SVP bezweifeln, dass die Finanzen den 1,81-Millionen-Kredit zulassen.
15. September 2017, 00:00

15 Stunden pro Woche sollte ein Naturrasen höchstens benutzt werden. Dieser Leitwert kann auf den Fussballplätzen bei der Blindei in Wolhusen zurzeit nicht eingehalten werden: Alleine die Meisterschaftsspiele des FC Wolhusen übersteigen diesen. Hinzu kommen Trainingseinheiten und die Trainings anderer Vereine. Somit sind die Fussballfelder in Wolhusen überlastet, was zu hohen Sanierungskosten führt. Was das Problem noch vergrössert, ist die 300-Meter-Schiessanlage. Zwei der Trainingsplätze und das Hauptspielfeld befinden sich zwischen Schiessstand und Zielscheibe. So kann am Mittwoch und Freitag bis 20.15 Uhr und am Samstag bis 16 Uhr nur der Nebenrasen verwendet werden. Um diesen zu entlasten, soll nun ein neuer Kunstrasen her.

Das erste Gesuch dafür stellte der FC Wolhusen bereits im Jahr 2011. Bisher scheiterte es jeweils an der Finanzlage der Gemeinde. Im letzten Jahr sah diese laut Bruno Nietlispach, Präsident des FC Wolhusen, aber besser aus, weshalb der FC nochmals einen Vorstoss gemacht hat.

Gemeinde trägt knapp 1,5 Millionen Franken

Die Kosten für den Kunstrasen sind mit 1,81 Millionen Franken budgetiert. Davon würde die Gemeinde 1,48 Millionen Franken bezahlen. 200000 Franken würde der FC Wolhusen übernehmen, 50000 Franken die Gemeinde Werthenstein und 80000 Franken die Sportförderung des Kantons.

Doch die Pläne ernten auch Kritik: Die Controlling-Kommission der Gemeinde Wolhusen ist der Meinung, dass die Ausgaben von 1,48 Millionen Franken für die Gemeinde nicht tragbar sind. Sie schreibt in der Abstimmungsbotschaft: «Beim vorgesehenen Projekt schlägt der Gemeinderat vor, dass die Gemeinde Wolhusen über 80 Prozent der Finanzierung übernimmt. Wir erachten diesen Anteil als zu hoch.» Dass die Controlling-Kommission sich beim Projekt querstellt, findet Nietlispach schade: «Sie hat sich ohne Rücksprache gegen das Projekt entschieden. Es wurden lediglich die Finanzen angeschaut und nicht der Hintergrund», bemängelt er.

Auch der Wolhuser Gemeindepräsident Peter Bigler ist der Meinung, dass es in diesem Fall wichtig ist, der Bevölkerung eine zusätzliche Leistung zu bieten. «Ich glaube, dass das Stimmvolk diese Meinung teilt und den Sonderkredit für den Kunstrasen trotz des Berichts der Controlling-Kommission annimmt.»

Gleich wie Peter Bigler sehen es die Ortsparteien der CVP und der FDP. Bis auf wenige Gegenstimmen haben sie entschieden, das Projekt zu unterstützen. Die örtliche SVP hingegen hat für das Projekt mit 13 zu 11 bei drei Enthaltungen knapp die Nein-Parole gefasst. In einer emotionalen Diskussion habe «die Sorge um die Gemeindefinanzen überwogen», teilt die Ortspartei mit. Es gelte, «das Wünschbare vom Realisierbaren» zu unterscheiden. Die SP kündigte im Vorfeld an, den Entscheid diese Woche zu fällen. Sie war für eine Stellungnahme aber nicht mehr erreichbar.

Kunstrasen wäre im Juli 2019 fertig

Wird die Vorlage am 24. September angenommen, beginnt die genaue Planung. «Die Bauarbeiten würden im Frühjahr 2018 starten und für die Saison 2019/20 fertig sein», sagt Gemeindepräsident Peter Bigler. Benutzt würde der Rasen vor allem vom FC Wolhusen, der auch viele Spieler von Werthenstein und Menznau trainiert. Dies ist auch der Grund, weshalb Werthenstein einen Beitrag leistet. Auch anderen Vereinen in Wolhusen stünde der Platz offen, Schulturniere könnten ebenfalls auf dem Kunstrasen stattfinden. Bloss für reguläre Turnstunden komme eine Nutzung nicht in Frage. «Die Schulen haben genug eigene Infrastrukturen», erklärt Peter Bigler.

Jessica Bamford

jessica.bamford@luzernerzeitung.ch

Präsident FC Wolhusen


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