Landauf, landab

Menschen mit Charisma

16. Juni 2017, 00:00

Kürzlich nahm ich eine Einladung ins Bundeshaus wahr. Der Ratsbetrieb in den beiden Kammern interessierte. Gelebter Föderalismus hüben wie drüben. Auch Luzerner Politiker suchten für kantonale Projekte nach Allianzen. Die Wandelhalle, die Fraktionsräume der Parteien, das Bundesratszimmer: Der innere Zirkel der nationalen Politik faszinierte. Imposant auch der Blick vom Balkon des «Raucherzimmers» runter auf die Aare, aufs städtische Marzilibad.

In einer Dreiviertelstunde war ich später wieder in Sursee. Mit dem ÖV – wohlverstanden. Zurück in kantonalen und kommunalen Sphären.

Der Regierungsrat sucht weiter nach mehrheitsfähigen Lösungen für die finanziellen Probleme. Die geplante Steuererhöhung schickte das Volk bachab. Investitionen bleiben wegen des budgetlosen Zustands auf der Strecke.

Es fehlt an Visionen und Ideen. Der Unmut hat sich – trotz viel medialer Präsenz – mittlerweile gar in Desinteresse verwandelt.

Speziell auf der Landschaft: Dort drückt der Schuh anderswo. In Reiden ist erneut ein Schuljahr vergangen, ohne dass die dringend benötigten Räume in Sicht wären. Wikon sagte Nein zum Verkauf der Spychermatte, plagt sich mit einem strukturellen Defizit rum; muss wohl eine Steuererhöhung schlucken. Neuen Schulraum braucht auch Hochdorf. Nur: Dieser soll massiv teurer zu stehen kommen als bisher vermutet.

Probleme zuhauf also bei Bund, Kanton und Gemeinden: Deshalb braucht es Entscheidungsträger mit Charisma. Menschen, die bereit sind, uneigennützig Verantwortung zu übernehmen, Vertrauen schaffen. Die jüngste Vergangenheit zeigt: Anders lässt sich beim Volk nicht mehr punkten.

Hinweis Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

Ernesto Piazza, Landreporter

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch


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