Nasser Protest zum Sessionsauftakt

WIDERSTAND ⋅ Verschiedene Gruppierungen haben gestern kreativ gegen die kantonalen Sparmassnahmen demonstriert. Man wollte bei den Politikern nochmals «nachklingeln».
12. September 2017, 00:00

Es war eine stille Szene, welche die Kantonsräte am Montagmorgen vor dem Regierungsgebäude in Luzern erlebten. Um die 120Personen, alle schwarz gekleidet und zuvor bei der Reuss mit einem Kübel kalten Wassers übergossen, standen vor dem Gebäude, in welchem gestern über das Budget des Kantons Luzern diskutiert wurde. Die nassen, schwarzen Gestalten protestierten leise: keine Schlachtrufe, keine Transparente wie an der Landsgemeinde vom Freitag (wir berichteten).

Als die Kantonsräte gegen 12 Uhr zur Mittagspause das Regierungsgebäude wieder verliessen, waren nur noch die nassen Kleider zu sehen – verteilt am ­Boden, aufgehängt an Türen und Fenstern. Die Reaktionen fielen dabei unterschiedlich aus. Die ­einen marschierten schnurstracks über die Kleider zum nächsten Termin, andere begutachteten die Szenerie und fragten sich, wo all die Leute vom Morgen hin sind. «Die Stille wirkt noch viel mehr als der Lärm», sagte etwa Kantonsrätin Sara Agner (SP, Dagmersellen). «Es war eindrücklich. Ein starkes Zeichen an uns Politiker und Politikerinnen.»

Politiker sollen sich mit Bild auseinandersetzen

Zusammen mit der Luzerner Allianz für Lebensqualität wollte die IG Kultur beim Kantonsparlament noch einmal «nachklingeln» und ihnen ein starkes Bild geben, mit dem sie sich auseinandersetzen sollen, sagt Eva ­Laniado, Geschäftsleiterin IG Kultur Luzern. «Bisher waren wir laut, nun demonstrieren wir leise und hoffen, dass dies Wirkung zeigt», sagt sie. Wie die Vorführung genau zu interpretieren ist, lässt Laniado offen. «Die Interpretation liegt beim Betrachter», sagt sie, gibt aber einen Denkanstoss: «Wenn es so weitergeht, dann sind die Kulturschaffenden wohl auch bald weg. Was bleibt, sind die leeren Hüllen, wie sie vor dem Regierungsgebäude zu sehen waren.» Ziel sei es, die Leute zum Nachdenken zu bringen und direkt vor der Session nochmals an ihre Aufgabe zu erinnern: für die Bürgerinnen und Bürger die richtigen Entscheidungen zu treffen, so die Geschäftsleiterin.

Bereits im Vorfeld wurde den Politikern ein Video mit Botschaften der Bevölkerung zugestellt, welches an der Landsgemeinde aufgenommen worden war. Die Reaktionen darauf seien unterschiedlich ausgefallen. Eva Laniado: «Dass nicht alle positiv reagieren würden war klar. Aber jede Reaktion ist willkommen.»

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

www. Mehr Bilder und ein Video unter: luzernerzeitung.ch/bonus

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