Naturwege statt Asphalt für Wanderer

PROJEKT ⋅ Der Verein Luzerner Wanderwege hat 700 Massnahmen erarbeitet, um die Qualität der Wanderwege zu verbessern. Nun liegt der Ball bei den regionalen Entwicklungsträgern und Gemeinden.
16. September 2017, 00:00

Jessica Bamford

jessica.bamford@luzernerzeitung.ch

Fast ein Drittel der Wanderwege im Kanton ist asphaltiert. Dies ist ein erschreckend hoher Anteil, findet der Verein Luzerner Wanderwege und möchte deshalb etwas dagegen unternehmen. Nun hat der Verein 700 Massnahmen zur Qualitätsverbesserung der Wanderwege erarbeitet. Dabei geht es vor allem darum, dass die Wanderer wieder vermehrt auf Naturbelag gehen können.

Ein Beispiel findet sich etwa in Süsstannen in Rain (siehe Bild). Dort führt der Wanderweg bisher an der Hauptstrasse entlang. Nun sollen bestehende Güterstrassen als Ersatz dienen. Ausserdem plant der Kanton in diesem Bereich ein unterirdisches Gewässer an die Oberfläche zu holen, wodurch der Weg entlang des Baches angelegt werden kann.

Im Frühling 2016 wurde das Projekt zur Qualitätsverbesserung gestartet. 35 ehrenamtliche Mitarbeiter suchten nach Verbesserungen im Wanderwegnetz im ganzen Kanton. Ebenso hat die Leitung des Vereins nach Verbesserungen gesucht. Die 700 Massnahmen, die dabei erarbeitet wurden, sind in drei Kategorien zu unterteilen. Zum einen sollen Wanderwege, die auf asphaltierten Strassen verlaufen, auf bestehende oder neue Naturwege verlegt werden. Weiter hat der Verein überprüft, ob der Verlauf der Wanderwege noch logisch ist. Gibt es kein Bus- oder Zug-Anschluss am Ende des Weges, ist dieses Kriterium zum Beispiel nicht mehr gewährleistet. Als Letztes hat der Verein überprüft, wo die Wanderwege abwechslungsreicher gestaltet werden könnten. «Wenn ein Wanderweg zwei Stunden lang durch den Wald führt, freut sich der Wanderer, einmal auf eine offene Wiese zu gelangen und die ­Aussicht zu geniessen», erklärt Andreas Lehmann, technischer Leiter des Vereins.

Damit diese zahlreichen Massnahmen auch umgesetzt werden können, müssen zuerst die vier regionalen Entwicklungsträger (RET) und die Gemeinden einverstanden sein. Die ersten Gespräche zwischen dem Verein und den RET seien bereits am Laufen. «Obwohl noch einige Fragen offen sind, haben die Entwicklungsträger bisher positiv reagiert», sagt Lehmann. Die RET werden in den nächsten Monaten beraten, welche Massnahmen in die Wanderwegrichtpläne aufgenommen werden. Dies ist zentral für die Umsetzung der Massnahmen, da diese das Wanderwegnetz definieren.

Beat Lichtsteiner, Geschäftsführer des RET Sursee-Mittelland, sagt dazu: «Wir streben eine enge Zusammenarbeit an.» Als Erstes gilt es, die Vorschläge zu sichten und deren Akzeptanz bei den Gemeinden und beim Regionaltourismus zu prüfen. Dieser Prozess soll im Herbst starten.

Auch von der Region Luzern West ist man grundsätzlich überzeugt davon, dass Überarbeitungsbedarf besteht. «Da aber andere Bereiche wie Velo- und Bike-Wege oder gute Hoferschliessungen für uns auch sehr wichtig sind, möchten wir eine Gesamtlösung suchen, die nicht ‹nur› die Wanderwege beinhaltet», erklärt Guido Roos, Geschäftsführer des RET Region Luzern West. «Deshalb brauchen wir etwas mehr Zeit als andere Regionen. Im nächsten Jahr werden wir mit den nördlichen Gemeinden eine Lösung suchen.» In einer zweiten Etappe würden die südlichen Gemeinden einbezogen. Auch bei der Finanzierung sieht Roos Probleme: «Wir haben rund 1200 Kilometer Wanderwege und damit viel mehr Aufwand als die anderen Regionen.»

Gemeinden müssen einverstanden sein

Die ersten Massnahmen sollen laut dem Verein Luzerner Wanderwege schon sehr bald umgesetzt werden: «Für einige Änderungen brauchen wir lediglich noch das Okay der Gemeinde, das kann sehr schnell gehen», meint Andreas Lehmann, technischer Leiter des Vereins. Dies ist etwa der Fall, wenn der Wanderweg auf einen anderen Weg umgeleitet wird und keine Kosten für die Gemeinden anfallen.

Finanziert würden die Massnahmen von den betroffenen Gemeinden. Die Kosten hielten sich aber in Grenzen, da vielfach bestehende Wege genutzt werden können. «So muss lediglich die Beschilderung angepasst werden», versichert Lehmann. Dort, wo neue Wege gebaut werden müssen, seien die Kosten aber schwer einzuschätzen. Dies hängt von der Topografie und der Anzahl Kunstbauten wie Treppen oder Brücken ab.


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