Nachgefragt

«Neue Ansätze sind gefragt»

13. November 2017, 00:00

Solidarische Landwirtschaft (Solawi), auch regionale Vertragslandwirtschaft, existiert in der Westschweiz seit Ende der 70er-Jahre und wird in der Deutschschweiz immer mehr ein Thema, besonders in den Kantonen Zürich und Bern. In Luzern ist das Modell bisher rar. Wir haben bei Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands, nachgefragt, woran das liegt.

Stefan Heller, die Idee der Solawi, respektive der regionalen Vertragslandwirtschaft ist nicht neu, dennoch gibt es sie im Kanton Luzern bisher kaum, woran liegt’s?

Wohl an unseren ländlichen Strukturen. Auf dem Land haben Kunden, die sich dafür interessieren, entweder eigenes Gemüse, oder sie kaufen Produkte in einem Hofladen. Das Modell, bei dem Konsumenten mit Land­wirten einen Rahmenvertrag abschliessen, spricht hingegen eher ein urbanes Publikum an.

Aber es könnte auch für Bauern im Kanton Luzern ein Modell mit Zukunft sein?

Ja. Heute ist es wichtig, dass Bauern ein starkes unternehmerisches Denken mitbringen und neue Sachen andenken. Jeder einzelne Bauer entscheidet, was er auf seinem Betrieb machen will und machen kann. Dabei gibt es ganz verschiedene Business-Modelle, die funktionieren können. Neue Ansätze in der Landwirtschaft werden künftig zunehmen, davon bin ich überzeugt.

Welche Voraussetzungen braucht es, damit Solawi funktionieren kann?

Ein Bauer, der sich dafür entscheidet, muss authentisch sein. Solidarische Landwirtschaft spricht jene Konsumenten an, die auf biologische und saisonale Produkte setzen, genau wissen wollen, wie und wo sie produziert werden, und die selber einen Beitrag dafür leisten möchten. Ein Landwirt, der nicht ähnlich denkt und keinen Zugang zu solchen Konsumentenkreisen hat, für den dürfte es eher schwierig sein.

Bioprodukte erlebten in den letzten Jahren ja einen Boom.

Genau. Als ich in den Neunzigerjahren selber im Biolandbau arbeitete, spürte ich teilweise Skepsis. Diese Zeiten sind definitiv vorbei, heute sind biologisch produzierte Lebensmittel gefragter denn je. Es könnten sich also auch alternative Modelle wie Solawi zunehmend etablieren. Aber diese Entwicklung braucht ihre Zeit. (sb)


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