Parteien verteidigen Schulraum

REIDEN ⋅ Im Juni soll das Volk über ein neues Schulhaus von rund 10 Millionen Franken entscheiden. Während die IG Reiden das Projekt kritisch betrachtet, weibeln die Parteien mit Pro-Argumenten.
04. Dezember 2017, 00:00

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Der Schulhausneubau Reiden geht in die nächste Runde. Der Gemeinderat hat unlängst mit einer Strategieänderung aufhorchen lassen. Er will im Juni mit einem Projekt von knapp 10 Millionen für einen Massivbau an die Urne gehen. Dies, nachdem zwischenzeitlich gemäss Exekutive ein Bau für 6,25 Millionen «abstimmungsreif» vorlag. Bereits im März 2015 war ein Projekt für 9,25 Millionen Franken vom Volk abgelehnt worden.

Genauso wie damals kann sich die IG Reiden mit den Plänen des Gemeinderats nicht anfreunden. Das brachte die Gruppierung an ihrem Forum klar zum Ausdruck. So bezifferte IG-Mitglied Peter Kistler die Schulraumprognose nach Lustat (Statistik Luzern) und Bundesamt für Statistik (BFS) «innert den nächsten elf Jahren auf zusätzlich sieben bis zehn weitere Klassen». Er zeigte auch auf, dass dieser Bedarf «mit aktuellem Potenzial in Langnau, dem Kauf eines Containers und weiteren Optimierungen» gedeckt werden könne. Zudem sieht Kistler bei «baulichen Veränderungen oder einem Modulbau weitere Möglichkeiten» (Ausgabe vom 28. November).

SP: «IG Reiden versucht den Schulhausbau zu sabotieren»

Doch wie beurteilen dies die Parteien? «Aus Sicht der SP versucht die IG Reiden den Bau des Schulhauses zu sabotieren, indem sie immer wieder bereits abgeklärte und als unzweckmässig verworfene Vorschläge vorbringt», sagt Co-Präsidentin Lucia Weber. Die verschiedenen Möglichkeiten seien bereits mehrmals durch diverse Gremien (Schulleitung, Bildungskommission, Schulraumplanungskommission) geprüft und nicht für tauglich befunden worden. «Die SP findet es beschämend, was den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrpersonen von Reiden zugemutet wird. Ein längst fälliger Schulhausneubau soll um jeden Preis verhindert werden. Damit bezahlen leider jene den Preis, die nicht mitentscheiden können.»

CVP-Präsidentin Petra Wüest sagt: «Seit Jahren beziehen die zuständigen Behörden die ak­tuellen Lustat-Zahlen in ihre Berechnungen für den benötigten Schulraumbedarf mit ein. Aufgrund dieser Prognosen, dem Kennen der aktuellen Raumverhältnisse und der Zusammenarbeit mit Schule und Bildungskommission hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, das Schulhaus in erweiterter Form zum Bau zu empfehlen.» Die CVP finde dies eine weitsichtige, verantwortungsvolle Entscheidung. Für die Partei soll «die Zeit der Provisorien, Container und alten Pavillons endlich abgeschlossen werden».

Die FDP erachtet den Entscheid, das Schulhaus in einer Etappe zu bauen, als «richtig und weitsichtig», so Co-Präsidentin Desirée Hofmann. Dies, weil die prognostizierten Schülerzahlen in den letzten zwei Jahren eingetroffen respektive übertroffen worden seien. «Eine Etappierung würde nur unnötige, zusätzliche Kosten verursachen.» Für die FDP ist auch wichtig, dass der von der Exekutive vorgegebene Zeitplan eingehalten wird. Weiter «begrüsst der Parteivorstand den einstimmigen Beschluss des Gemeinderates, das Schulhaus in einer Etappe zu bauen».

SVP: «Ein richtiger und weitsichtiger Entscheid»

SVP-Präsident Ivo Müller erklärt: «Der Parteivorstand nimmt Abstand von einem Kommentar zu den von der IG Reiden behaupteten Fakten und vorgebrachten Vorschlägen. Nach seiner Meinung basieren diese auf Annahmen und nicht auf seriösen Grundlagen.» Die von der IG angewendeten Statistikzahlen würden sich auf vage Durchschnittszahlen einer kantonsübergreifenden Gesamtstatistik beziehen. Der Gemeinderat verfüge von Lustat über präzise Schülerentwicklungszahlen.

Müller sagt weiter: Die SVP habe sich schon in der Vergangenheit hinter den Vollausbau gestellt. Der Zeitpunkt der Projektumsetzung sei nun reif. Die Verzögerungen der letzten drei Jahre hätten die Steuerzahler rund eine halbe Million Franken gekostet. «Das vorgesehene Schulraumprogramm ist durchdacht und zielt auf Langfristigkeit ab.» Die SVP stellt die Massivbauweise vor den Modulbau, weil sie gemäss einer Gegenüberstellung der Schulraumplanungskommission 2015 und wegen aktueller Werte erwiesenermassen günstiger sei. «Auch ist sie qualitativ einem Modulbau überlegen», so Müller.

Co-Präsidentin SP Reiden


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