Direkt aus Bern

Politik und Tradition

17. Juni 2017, 00:00

Gleich zu Beginn der Sommersession wurde unsere Nationalhymne wieder ein Thema in der Schweiz. Warum? Zum ersten Mal in der Schweizer Fussballgeschichte wurde bei einem wichtigen Match keine Nationalhymne gespielt. Und das beim Cupfinal zwischen dem FC Basel und dem FC Sion im Stade de Geneve. Da vor einem Jahr beim Spielen der Hymne einige Besucher pfiffen, entschloss sich der Schweizerische Fussballverband, diesmal auf die Hymne zu verzichten.

Ein Aufschrei ging durch die Schweiz und mich. Als «Hymnenbeschützerin» hat mich dieser Entscheid besonders getroffen, denn ich wollte die Hymne mit einem Vorstoss im Nationalrat als Staatssymbol gesetzlich schützen. Bei der Nationalhymne geht es um ein wichtiges Symbol, welches auch einer Sportveranstaltung den würdigen und festlichen Rahmen verleiht und das Zusammengehörigkeitsgefühl fördert.

Ist es richtig, vor Menschen zu kuschen, welche die einfachsten Regeln eines friedlichen Zusammenseins missachten? So, wie die Luzerner Behörden auf einen Umzug zur Feier der Schlacht bei Sempach verzichteten, nur weil dies früher einmal einigen vermummten Links­extremen nicht passte?

Was für eine gefährliche Entwicklung in einem Land, das Menschenrechte, Moral, Ethik und Minderheitenschutz hochhält. Hat die «anständige» Mehrheit hier keine Rechte mehr? Auch diese ist zu schützen und zu akzeptieren! Die Schweiz ist ein freies Land. Wenn sich jemand hier nicht wohl fühlt oder ihm unsere Tradition und unsere Gesetze nicht passen, kann er jederzeit auswandern.

In der zweiten Woche der Sommersession, am 6. Juni, organisierte die parlamentarische Gruppe «Volkskultur und Volksmusik» den «Tag der Trachten» im Bundeshaus. Wieder einmal wurde das Bundeshaus traditioneller und bunter. Viele Parlamentarier erschienen in Tracht.

Mein Herz erfreute sich daran, und ich erinnerte mich, als ich bei meiner Vereidigung 2007 die einzige Parlamentarierin war, welche eine Tracht trug. Seitdem waren es Dutzende Parlamentarier, die in einer Tracht ins Bundeshaus kamen. So kann auch ein kleines Signal seine Wirkung entfalten. Es ist so wie im Leben: Oft braucht es etwas Mut, Vorreiter zu sein. Ist die Sache sinnvoll, hat sie Zukunft!

Hinweis

Die Luzerner Bundesparlamen­tarier berichten jeweils während der Session aus ihrem Ratsalltag zu einem frei gewählten Thema.

Yvette Estermann, Nationalrätin SVP, Kriens

kanton@luzernerzeitung.ch


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