Potenzial bei Schnittstellen

GESUNDHEIT UND SOZIALES ⋅ Wie interprofessionelle Zusammenarbeit funktioniert, zeigt eine Studie auf. In Luzern ist der Weg noch lang.
10. November 2017, 00:00

Traurig, aber wahr: Viele Menschen mit sozialen Problemen haben auch gesundheitliche – zuweilen auch umgekehrt. Das ist eine Herausforderung für die Fachpersonen sowohl in der Gesundheits- als auch in der Sozialbranche. Interprofessionalität, die koordinierte Zusammenarbeit von Fachleuten aus unterschiedlichen Disziplinen und Professionen, wird deshalb immer wichtiger.

Aus diesem Grund haben die Hochschule Luzern (Soziale Arbeit) und das Forschungsinstitut Interface im Auftrag des Luzerner Forums eine Studie durch­geführt, die auf die Schnittstellen zwischen Gesundheits- und Sozialbereich fokussiert. Dies mit dem Ziel, einen praxisorientierten Diskussionsbeitrag zu leisten, wie Forum-Geschäftsführer Hannes Blatter sagt.

Fallbeispiel zeigt Komplexität auf

Die Ergebnisse wurden den Träger- und Partnerorganisationen des Luzerner Forums, in dem verschiedene wichtige Dienstleister der Gesundheits- und Sozialbranche vereint sind, diese Woche vorgestellt. Der Fokus der Studie lag dabei auf den Bereichen Sozialpsychiatrie, Palliative Care in der Stadt Luzern sowie Kindern mit Migrationshintergrund.

Gut zeigen lassen sich die ­Effekte guter interprofessioneller Zusammenarbeit am Fallbeispiel eines chronisch kranken Kindes mit Migrationshintergrund. Beim vierjährigen Kind aus Eritrea, das bei seiner alleinerziehenden Mutter lebt, wurde Diabetes diagnostiziert. Weder Mutter noch Kind verstehen Deutsch. Und doch müssen sie wissen, wie mit der Krankheit im Alltag umzugehen ist. Die Palette der in den Fall involvierten Stellen und Personen reicht vom Spitalnotfall über die Kinderspitex und den Dolmetscherdienst bis zur Diabetologie und zum Sozialdienst. Sie alle müssen bei dem, was sie tun, ineinandergreifen.

Dass diese Schnittstellen gut geölt sein müssen, versteht sich. Aber es braucht viel, damit es so ist. Es geht um Bewusstsein, um Ausbildung, um Kommunikation und Koordination – aber auch um die Finanzierung all dessen, was nötig ist, um interprofessionelles Arbeiten zu ermöglichen. Just in diese Richtung zielen denn auch die Empfehlungen, die der Studie entsprungen sind. Für die Studienverfasser Donat Knecht von der HSLU und Manuela Oetterli von Interface steht fest: Erstens braucht es Anstrengungen in den Bildungseinrichtungen der Gesundheits- und Sozialberufe, die Interprofessionalität zu stärken – ebenso wie solche in der Weiterbildung innerhalb der Institutionen. Zweitens braucht es Kulturen, Prozesse und Strukturen in den Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens, um interprofessionelles Arbeiten zu festigen. Und drittens braucht es zuverlässige Finanzierungen sowie einfache Leistungsabgeltungen, um das System zu etablieren.

Finanzierung und Kosten praxisnah klären

Wenn es nach dem Willen der Studienverfasser geht, soll das Luzerner Forum mit seinen Mitgliedern die Vernetzung unter den Leistungserbringern fördern, gute Beispiele der interprofessionellen Zusammenarbeit verbreiten und zusammen mit dem Bund eine Untersuchung in die Wege leiten, um Finanzierung und Kostenfolgen eines Good-practice-Projekts zu klären. Auf dass am Schluss nicht jene bestraft werden, die sich für die Interprofessionalität ein Bein ausreissen. (bbr)


Leserkommentare

Anzeige: