Ruswil verliert letzte Metzgerei

GEWERBE ⋅ Sinkender Umsatz und steigende Fixkosten: Die Rottal-Metzg schliesst Ende Mai ihren Verkaufsladen und musste bereits Kündigungen aussprechen. Ganz verschwinden wird der Betrieb allerdings nicht.
12. April 2018, 00:00

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

«Döfs es bitzli meh sii?» Die Metzg gehört ins Dorf wie die Bäckerei, die Kirche oder die Beiz. Eigentlich. Denn in Ruswil wird an dieser Ordnung gerüttelt: Die Rottal-Metzg schliesst ihr Ladenlokal per Ende Mai. «Die Gründe für diesen Schritt sind vielfältig. Die Umsatzzahlen sinken, gleichzeitig steigen die Kosten und auch der Fachkräftemangel macht uns zu schaffen», sagt Geschäftsinhaber Fabian Zihlmann, als ihn unsere Zeitung auf die Gerüchte anspricht, die derzeit die Runde machen.

Denn auf den Strassen Ruswils erzählt man sich, das 1974 gegründete Unternehmen sei kurz vor dem Ende, der Konkurs stehe unmittelbar bevor. Von Massenentlassungen, zahlreichen Abgängen und schlechter Stimmung ist die Rede. Wer sich im Ruswiler Gewerbe umhört, erfährt, dass ganz sicher etwas im Busch sein muss. Was genau, bleibt aber offen.

Probleme mit neuem Führungsstil

Zihlmann kennt die Gerüchte, streitet sie aber ab: «Wir stehen nicht kurz vor dem Aus. Am 26. Mai wird einzig das Laden­lokal geschlossen.» Die anderen Teile des Betriebs blieben bestehen – also die Schlachterei, die Verarbeitung und die Produktionsabteilung. Von den 50 Angestellten der Rottal-Metzgerei haben vier Charcuterie-Verkäuferinnen die Kündigung erhalten. Das war Ende März: «Ich habe sie darüber informiert, welche Metzgereien in der Region Personal suchen. Ich bin zuversichtlich, dass alle vier eine neue Stelle finden», so Zihlmann. Die anderen Mitarbeiter können bleiben, das Geschäft mit dem Grosshandel und den Gastrobetrieben läuft normal weiter. «Dazu gehören auch viele Personalrestaurants, Kantinen, Altersheime und Spitäler. Selbstverständlich beliefern wir auch kleinere Metzgereien und Detaillisten in der Region», so Zihlmann. Laut eigenen Angaben macht dieser Geschäftszweig 94 Prozent am Hauptumsatz des Unternehmens aus.

Und was ist dran am behaupteten schlechten Betriebsklima? Zihlmann bestätigt, dass es in letzter Zeit zu einigen Abgängen gekommen ist – sowohl von langjährigen Angestellten als auch auf verschiedenen Hierarchiestufen. «Es gab Mitarbeiter, die mit der Ausrichtung unseres Unternehmens nicht mehr einverstanden waren.» Damit spielt der Unternehmer auf die Vergangenheit an: Fabian Zihlmann hat die Rottal-Metzg im Januar 2014 von seinem Vater Isidor übernommen. Dieser war ein Patron alter Schule, der die Firma mit väterlichem Rat und flachen Machtverhältnissen führte. «Das ist ja per se begrüssenswert, aber nicht mehr zeitgemäss», so der Sohn. Sein Ziel sei es, die Rottal-Metzg in ein neuzeitliches KMU umzuwandeln. «Wenn es dann Mitarbeiter gibt, welche die Neuerungen nicht annehmen und alles am liebsten so machen wollen, wie sie es in den letzten 20 Jahren getan haben, gehen die Wege halt manchmal auseinander.»

So viel zu den Beweggründen des Ruswiler Metzgerei-Inhabers. Woher die Gerüchte stammen, ist derweil nicht geklärt. Fest steht aber: In einem Ort mit knapp 7000 Einwohnern funktioniert das Buschtelefon prächtig. Oder wie die Rottal-Metzg in einer Medienmitteilung markig schreibt: «Wir wissen: Vom Weitererzählen lernt man lügen.»

Zihlmann und Gemeinderat gerieten aneinander

Fakt ist auch, dass sich Zihlmann in jüngster Vergangenheit nicht nur Freunde unter den Ruswilern gemacht hat, das Verhältnis zu den Behörden ist auch nicht das beste. Die Rottal-Metzg muckte beispielsweise gegen den Gestaltungsplan für die Überbauung «Heimat» in Rüediswil auf. Das Luzerner Kantonsgericht wies das Begehren der Einsprecher im Mai 2017 aber ab.

Zwei der drei Opponenten gaben daraufhin klein bei, Fabian Zihlmann aber brachte die Causa bis vors Bundesgericht. Doch auch die Lausanner Richter entschieden, dass der Gestaltungsplan rechtskräftig war (Ausgabe vom 16. Februar). Dem Rechtsstreit und der angespannten Stimmung zum Trotz: Gemeindepräsident Leo Müller (CVP) bedauert, dass Ruswil nun sein Charcuterie-Geschäft verliert. Als ihn unsere Zeitung kontaktiert, hört er zum ersten Mal von Zihlmanns Plänen. Und sagt dazu: «Das ist wirklich sehr schade.» Vor einigen Jahren habe es noch zwei Geschäfte in Ruswil und eines in Rüediswil gegeben, jetzt habe man keine eigene Metzg mehr. «Die Rottal-Metzg», so der Gemeindepräsident, «war ein florierender Betrieb. Umso bedauerlicher ist es, dass das Ladenlokal jetzt geschlossen werden muss.»


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