Landauf, landab

Schönheit der Landschaft

13. April 2018, 00:00

«Die Landschaft, in der wir leben, gehört zu uns wie Vater und Mutter.» Eine schöne, tiefsinnige Metapher; zugeordnet wird sie dem Maler Ferdinand Hodler. In aller Regel hat der Mensch zu seinen Eltern ein gutes Verhältnis, begegnet ihnen mit Respekt, schätzt und ehrt sie. Ein Sinnbild, welches sich auch in unserer Sprache wiederfindet: So ist etwa der Hauptsitz eines globalen Unternehmens das «Mutterhaus» und die Bauern reden vom «Vaterheimet» und meinen damit den Hof ihrer Ahnen.

Ich habe Hodlers Zitat längst verinnerlicht. Vor meinem Stubenfenster liegt eine breite Wiese, am Waldrand weiter hinten plätschert ein kleiner Bach, und auch das nächste Tobel ist nicht weit. Tiefe Gräben mit Schluchtenwäldern wechseln ab mit bäuerlich bewirtschafteten Höhenzügen, sogenannten Eggen. Sternförmig strömen sie vom Napf aus in alle Himmelsrichtungen. Nicht umsonst nennt man die Gemeinde Romoos das «Centovalli des Kantons Luzern».

In diese Landschaft bin ich hineingeboren; sie hat mich geprägt, ich liebe sie, bin immer wieder gern heimgekehrt. Von klein auf sah ich Rehe, Feldhasen und Füchse, atmete den Duft der Blumen auf der Wiese, hörte die Vögel singen und konnte sie schon früh beim Namen nennen. «Du sprichst von einer heilen Welt, wie es sie heute gar nicht mehr gibt.» Kann sein. Und gleichwohl schreib ich es. Um der Landschaft, wo es sie so noch gibt, den gebührenden Respekt zu zollen. Sie gehört zu uns wie Vater und Mutter.

Am 19. Mai jährt sich Hodlers Todestag zum 100. Mal. Mit seinem imposanten Lebenswerk liefert der Künstler gleich selber eine bildhafte Interpretation für seinen Vergleich. Egal, ob mitten in der Stadt oder auf dem Napf – er passt.

Hinweis Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.


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