Schwimmschulen gehen leer aus

OBERKIRCH ⋅ Der Campus Sursee gründet für das neue Hallenbad eine eigene Schwimmschule. Damit soll auch der Nachwuchs für den Spitzensport gesichert werden. Nun sitzen vier Schulen auf dem Trockenen.
17. Juni 2017, 00:00

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Derzeit wird beim Campus Sursee in Oberkirch fleissig gebaut. 58 Millionen Franken werden in eine neue Sportanlage mit einer Dreifachturnhalle investiert. Das Kernstück aber ist eine Schwimmhalle, die auch über ein 50-Meter-Schwimmbecken verfügt. Anfang 2019 soll der Neubau fertiggestellt sein.

Über das neue 50-Meter- Becken haben sich auch die Schwimmschulen der Region gefreut. Im heutigen Schwimmbad beim Campus bieten drei Schwimmschulen und ein Schwimmclub Kurse an. Doch vor kurzem folgte die Ernüchterung: Die Schulen verlieren für die Kurse die Wasserflächen. Dies trifft vor allem den Schwimmclub Sursee hart. Dieser führt fast alle seine Trainings seit 13 Jahren im Campus Sursee durch. Jährlich kommt er auf rund 1700 Trainingsstunden. Gabriella Herzog, Leiterin des Schwimmclubs, ist enttäuscht: «Obwohl vor unserer Nase ein grosses Hallenbad gebaut wird, bekommen wir keine Wasserflächen mehr.» Aktuell miete ihr Club mehr als 50 Prozent der Fläche. Der Schwimmclub Sursee hat zwölf Angestellte. «Sie werden aufgrund des Entscheids des Campus ihren Job verlieren», so Herzog. Auch Uschi Zust-Wohlwender, Gründerin der Aqua Vision Schwimmschule GmbH, bedauert den Entscheid. «Wir hätten unsere Kurse sehr gerne in diesem schönen neuen Bad angeboten.» Gleichzeitig habe man aus unternehmerischer Sicht gewisses Verständnis. Bereits vor eineinhalb Jahren sei mitgeteilt worden, dass es möglich sei, dass der Campus die Kurse selber anbiete. Als Schwimmschule müsse man damit rechnen. «Deshalb haben wir unsere Kurse auf 19 Bäder verteilt.»

Campus will alles aus einer Hand anbieten

Mathias Hecht ist der künftige Leiter der Sportarena am Campus Sursee. Er erklärt: «Wir wollen künftig vom Kinderschwimmen bis zum Leistungssport alles aus einer Hand anbieten.» Aus diesem Grund gründet der Campus Sursee auf Januar 2018 eine eigene Schwimmschule. «Für die betroffenen Schwimmschulen ist der Entscheid verständlicher­weise hart.» Insbesondere beim Schwimmclub Sursee, der sich auf diesen Standort fokussiert habe. Der Entscheid sei aber nicht von heute auf morgen erfolgt, so der ehemalige Spitzensportler. Anders sieht dies Herzog. Der Schwimmclub verliert die Wasserflächen bereits Ende Jahr. Erst im Mai seien diese dem Club gekündigt worden – obwohl man eine Zusicherung bis Ende 2018 gehabt habe. Hecht widerspricht: «Wir hatten lediglich Reservationsbestätigungen der Schwimmschulen bis Ende dieses Jahres.»

Hecht ist überzeugt, dass es für die Schwimmschulen Alternativen gibt. «Durch den Bau beim Campus wird es voraussichtlich anderswo mehr Flächen geben.» Herzog aber bezweifelt, dass man innerhalb von sieben Monaten genügend neue Wasserfläche mieten kann. «Es herrscht schon lange eine enorme Knappheit.» Herzog bedauert daher, dass die neue Schule und ihr Club nicht nebeneinander geführt werden können.

Thomas Hegnauer, Geschäftsführer des Seminarzentrums, betont, dass es sich beim Campus Sursee nicht um ein ­öffentliches Hallenbad handelt. «Aus diesem Grund müssen wir sehr genau kalkulieren.» Viele öffentliche Bäder würden hohe Verluste machen, was dann über die öffentliche Hand aufgefangen werde. «In unser Hallenbad hingegen fliesst kein einziger Steuerfranken», sagt er weiter. Laut Hecht gibt es viele Gemeindehallenbäder, welche eine eigene Schule betreiben, etwa in Willisau oder Kriens, und keine externen Schwimmschulen dulden.

Hinzu komme, dass die Schulen, die ihre Kurse heute im Campus-Hallenbad durchführen, nach unterschiedlichen Systemen arbeiten. Nur ein Teil der Schulen setzt auf die Standards des Schweizerischen Schwimmverbands Swiss Swimming. Letzterer ist laut Hecht bei der Sportarena wichtigster Partner. Der Verband ist für den Leistungssport zuständig und will Wettkämpfe im neuen Bad austragen. Die Infrastruktur würde etwa eine Kurzbahn-EM erlauben. Bereits steht fest, dass im April der 12-Nationen-Cup beim Campus stattfinden wird. Hechts Vision ist es, dass dereinst ehemalige Schüler der Campus-Schwimmschule ganz vorne mithalten können. «Unser Ziel ist es, die Kinder nach den Schwimmkursen im Wasser zu halten.» Nebst Bahnenschwimmen sollen auch Alternativen wie Synchronschwimmen oder Wasserball angeboten werden.

Schulen können Schwimmlehrer mieten

Vom neuen Bad profitieren sollen auch umliegende Gemeinden: Mit dem Lehrplan 21 kommt dem Schulschwimmen eine höhere Bedeutung zu. Hier sieht Hecht beidseitig Chancen. Einerseits soll das Hallenbad an Gemeinden vermietet werden, andererseits sollen Schulen Lehrer der Campus-Schwimmschule mieten können. «Rund zehn Gemeinden der Region haben Interesse angemeldet, ihr Schulschwimmen künftig bei uns durchzuführen.» Der Campus ist derzeit im Gespräch mit den Verkehrsbetrieben. Denn das Eintrittsticket für das Hallenbad soll auch als ÖV-Ticket gelten.

Nebst dem Schulschwimmen, der Schwimmschule und dem Spitzensport kann das Hallenbad auch von Vereinen gemietet werden. Schwimmclubs, die im Campus trainieren, können dies laut Hecht auch künftig tun. Ausserdem soll das neue Bad der Öffentlichkeit offenstehen.


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