Schwuler Seelsorger gibt im Parlament zu reden

KANTONSRAT ⋅ Einem homosexuellen Laientheologen wurde vom Bischof eine Stelle in der Klinik St. Urban verwehrt. Das Parlament setzte gestern ein Zeichen gegen Diskriminierung.
06. Dezember 2017, 00:00

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Ein erfahrener Spitalseelsorger und die Luzerner Psychiatrie (Lups) St.Urban waren sich eigentlich einig: Der Mann solle die neue Teilzeitstelle als Seelsorger antreten. Mitte Mai verweigerte das Bistum Basel dem Mann allerdings die Missio, die bischöfliche Beauftragung. Der Grund: Der Laientheologe ist homosexuell und lebt in einer eingetragenen Partnerschaft. Der Mann zog daraufhin seine Bewerbung zurück (Ausgabe vom 10. Juni). Der Vorfall sorgte gestern im Kantonsratssaal – neben dem Budget – für die hitzigste Diskussion des Nachmittags. Urban Frye (Grüne, Luzern) forderte in einem Postulat, bei Personalfragen von staatsnahen Betrieben solle die strikte Trennung von Staat und Kirche eingehalten werden. Mehr noch: Laut Frye habe man das Einverständnis des Bistums eingeholt, ohne das Wissen des Seelsorgers. «Das ist ein dilettantisches Vorgehen», so der Kantonsrat.

Dafür hatte Pirmin Müller (SVP, Luzern) kein Verständnis. Dass der katholische Seelsorger seine Bewerbung nur wegen nicht erteilter Missio zurückzog, sei ein Gerücht. «So wird Politik nicht gemacht.» Obwohl es «tragisch» sei, dass Mitarbeiter der Lups diskriminiert würden, lehnte Müllers Fraktion das Postulat ab.

Forderung erhält viel Unterstützung

Damit befand sich die SVP aber alleine auf weiter Flur. Alle anderen Fraktionen stimmten für das Postulat oder im Falle der CVP und FDP zumindest für die teilweise Erheblichkeitserklärung. Claudia Huser (GLP, Luzern) betonte die strikte Trennung von Staat und Kirche – auch bei Personalfragen. Und: «Es ist wichtig, dass man nur dann externe Beurteilungen über einen Bewerber einholt, wenn diese Person damit einverstanden ist.» Spannend auch das Votum jener Partei mit dem «C» im Namen: der CVP. Roger Zurbriggen (Neuenkirch) sagte, dass es trotz der Trennung von Staat und Kirche Kooperationen zwischen den beiden Institutionen brauche. Als Beispiel nannte er die Seelsorge im Spital oder bei der Polizei. «Diese Angebote sind notwendig, weil es die jeweilige Situation erfordert und nicht, weil sich die Kirche einmischen will.» Er lobte das Versprechen der Regierung, das Staatspersonal nun sensibilisieren zu wollen.

Irene Keller (FDP, Vitznau), nahm das Personal in Schutz. «Man kann dem Personal nicht vorwerfen, es habe den Seelsorger diskriminiert.» David Roth (SP, Luzern) votierte daraufhin: «Wir können hier und jetzt ein Zeichen gegen diese Diskriminierung setzen.»

Das Schlusswort hatte Regierungsrat Marcel Schwerzmann (parteilos). Er verwies nochmals darauf, dass der bisherige Seelsorger der Klinik auch eine Stellvertretungsfunktion für die Pfarrei St.Urban innehatte. Dies wäre ohne entsprechende Missio nicht möglich gewesen. «Deshalb war es gerechtfertigt, dass die Klinik die Missio einholen wollte», so Schwerzmann. Den konkreten Fall wolle man nun aber zum Anlass nehmen, unter anderem das Lups-Personal darauf hinzuweisen, dass es dem Personalgesetz unterstellt ist. Dieses verbietet jegliche Diskriminierung von Mitarbeitern wegen ihres Zivilstandes – und gilt schon im Bewerbungsprozess.

Der Kantonsrat beschloss schliesslich deutlich mit 70 zu 30 Stimmen, das Postulat als teilweise erheblich zu erklären.

Grüner Kantonsrat, Luzern


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