Seerose muss warten – und rostet

VITZNAU ⋅ Die schwimmende Bühne soll beim alten Strandbad überwintern. Ein entsprechendes Gesuch liegt auf. Zudem ist der Brougierpark im Gespräch. Scheitert das Vorhaben erneut am Widerstand aus der Bevölkerung?
15. September 2017, 00:00

Susanne Balli

susanne.balli@luzernerzeitung.ch

Die Situation ist verzwickt. Seit über einem Jahr versucht der Verein MuTh (Musik und Theater), für sein nationales Zentrum für Jugend, Musik und Theater, die Seerose nach Vitznau zu bringen. Er will die schwimmende Bühne während der Sommermonate für Konzerte und Veranstaltungen nutzen. Alle bisherigen Bemühungen des Vereins für einen Standplatz im Vitznauer Hafen sind an Einsprachen von Anwohnern und dem Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee gescheitert, und der Standplatz im Hafen wurde auf Eis gelegt (siehe Zeitstrahl).

Dieses Jahr kam dann die Idee eines neuen Standorts beim Brougierpark auf (Zentralschweiz am Sonntag vom 15. Juli). Vom 1. September bis 1. Oktober 2017 hätten rund ein Dutzend Veranstaltungen mit Jugendformationen auf der Seerose durchgeführt werden sollen. Der Verein reichte bei der Dienststelle Raum und Wirtschaft (Rawi) ein Bewilligungsgesuch für einen Testbetrieb ein. Doch auch daraus wurde nichts, da nicht alle geforderten Unterlagen vollständig eingereicht worden waren. «Wir mussten nun unsere Veranstaltungen teilweise absagen und junge Musiker wieder ausladen», sagt MuTh-Geschäftsführer Fabio Küttel.

Verein hat auch einen Standort an Land

Die übrigen Veranstaltungen des MuTh-Festivals finden derzeit an Land auf dem Muth-Campus im ehemaligen Hotel Schiff statt, welcher Mitte August eröffnet wurde. «Leider mussten wir zahlreichen Gruppen, die auf der Seerose auftreten sollten, absagen und uns auf fünf Events konzentrieren.»

Dass das MuTh-Festival heuer nicht auf der Seerose stattfindet, ist derzeit aber nicht die grösste Sorge des Vereins. «Wir brauchen für die Seerose nun dringend eine kantonale Bewilligung für das Winterquartier», sagt Küttel. Der Verein MuTh hat ein entsprechendes Gesuch beim Rawi eingereicht, das derzeit bis am 23. September öffentlich aufliegt. Die Seerose soll ab diesem Oktober bis zum kommenden Mai auf dem See beim alten Strandbad in Vitznau überwintern, denn die Bewilligung für den bisherigen Standort auf dem Areal des Kies- und Sandunternehmens Arnold in Flüelen läuft Ende Oktober aus.

Was aber, wenn der Kanton für ein Winterquartier in Vitznau eine Absage erteilt? «Wir haben keinen Plan B», sagt Küttel. Sicher sei nur, dass die Seerose von Flüelen weg müsse. Angesichts des bisherigen Widerstands in Vitznau wären wohl Einsprachen nicht verwunderlich. Küttel findet es bedauerlich, dass es mit der schwimmenden Bühne derart harzt. «Wir machen mit Investor Peter Pühringer etwas für die Jugend, was nicht gewinnbringend ist.» Zudem wäre die Seerose ja nur während eingeschränkter Zeiten in Betrieb. «Dass sich einige Vitznauer so hartnäckig dagegen stemmen, können wir nicht nachvollziehen.»

Einer, der keine Sympathien für die Seerose aufbringen kann, ist alt Gemeindeammann Konrad Schilliger. «Ich bin gar nicht gegen die Aktivitäten von MuTh, das ist sicherlich eine gute Sache, aber die Seerose hat in Vitznau keinen Platz», sagt er. Die Uferpartie von der Kantonsgrenze zu Schwyz bis zur Gemeindegrenze Weggis biete nirgends Platz, um eine notwendige Infrastrukturanlage am Ufer und die Verbindung zur verankerten Seerose zu erstellen, sagt Schilliger.

«Brougierpark steht dafür nicht zur Verfügung»

Was ihn besonders störe, sei, dass die Bevölkerung von Vitznau von Anfang an nicht orientiert worden sei, was mit der Seerose geschehen soll. Von der Idee, in den Sommermonaten die Seerose beim Brougierpark zu verankern, hält Schilliger nichts. «Der Brougierpark im Eigentum der Einwohnergemeinde darf so nicht in Beschlag genommen werden. Dafür steht er nicht zur Verfügung. Zudem ist der Park einer der wenigen öffentlichen Plätze mit ungehindertem Seezugang», findet Schilliger weiter.

Es sei ihm unbegreiflich, warum die Seerose überhaupt gekauft worden sei, bevor die nötigen Abklärungen getroffen worden seien oder das Volk über einen Standort habe befinden können. Zudem: «Die Seerose ist nicht wettertauglich und rostet vor sich hin.» In Vitznau gebe es hingegen verschiedene Hotelsäle oder auch den Kurpark-Pavillon sowie Kirchen als geeignete Vorführungsorte für Konzerte und Ähnliches.

Winterlager bedarf praktisch keiner Infrastruktur

Fabio Küttel sagt dazu: «Es ist richtig, dass die Seerose optisch gelitten hat. Wir können aber kein Geld in deren Unterhalt und Aufwertung investieren, solange nicht klar ist, wo sie verankert werden kann.» Der Verein habe jeweils die Anwohner informiert, und man sei durchaus bereit, das Volk schlussendlich über einen Standort entscheiden zu lassen, falls eine Zonenanpassung beispielsweise bei einer Hafenerweiterung nötig sei. «Wir wollen uns nicht gegen die Demokratie wenden.» An der Seerose als Aufführungsort des Musikcampus will Küttel aber weiterhin festhalten: «Die Seerose hat eine besondere Ausstrahlung und soll das Publikum anziehen.»

Alex Waldis, Gemeindeammann von Vitznau, sagt zu einem Winterlager der Seerose beim alten Strandbad, es handle sich um ein laufendes Verfahren mit einer öffentlichen Auflage. Grundsätzlich unterstütze der Gemeinderat Projekte für die Jugend im Bereich Musik und Kultur. Ein Winterlager beim alten Strandbad wäre ohne Aktivitäten, und es bräuchte auch keinen Stromanschluss und keine Infrastruktur. Das Seegrundstück gehöre dem Kanton. Grundsätzlich gelte: «Wenn ein Standort für die Seerose bewilligungsfähig ist, haben wir nichts dagegen. Die Anstösser und weitere Betroffene müssen aber damit einverstanden sein.»

Hinweis

Infos zum Verein MuTh unter www.muth.ch


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