Landauf, landab

Seesicht

14. Juli 2017, 00:00

Ich ging fremd. AndenBoden­see. Neben den Baupro­filen, direkt vor einer Reihe Häuser, stand die Tafel «Wohnungen mit Seesicht». Wahrscheinlich wurde schon die be­stehende Häuserreihe damals mit «Seesicht» verkauft. Und in ein paar Jahren kommt die dritte Reihe vor die zweite hin, wieder mit dem Versprechen: «Seesicht». Ehrlicherweise müsste man doch schreiben: «Seesicht bis zur nächsten Bauetappe.»

Auch ohne See wird blumig geworben für vierstöckige Wohnklötze, mit Weitsicht, naturnah und idyllisch. Sonnenmoos in Wauwil, Lindenpark in Dagmersellen, Wydenmatt in Rickenbach. Wobei das Moos wahrscheinlich trockengelegt ist, die Wyden gerodet sind und die Linden extra mit dem Bagger eingelocht werden.

Die Bezeichnungen von Quartieren haben oft eine historische Herkunft. Horlaui in Weggis oder Laui in Sörenberg lässt auf Rutsch­gefahr schliessen. Heute wissen wir: stimmt. Und haben Millionen Steuergelder bezahlt für Häu­serabbruch und Schutz­bauten, weil trotzdem gebaut wurde. Damals galt noch die Bauern­regel: «Tuets bim Rägne schlächt abloufe, tuesch am beschte s Land verchoufe.» Bauen mit Kurzsicht. Aber pro­fitabel.

Dass der Baustopp in Sörenberg 1975 von der Regierung wegen dem Gejammer der Ent­lebucher wieder aufgehoben wurde: Schlamm drüber. Ginge heute nicht mehr. Gerade diese Woche stellte der Kanton eine Gefahrenkarte vor, die zeigt, wohin bei einem Unwetter das Wasser fliesst. Zum Beispiel das Gebiet Weihermatte in Malters ist tiefrot, also gefährdet. Das Problem ist nur, dass da bereits kein Weiher mehr ist, sondern eine Tiefgarage. Was aber dem Wasser egal war beim letzten Unwetter. Wie sich das Neonlicht so spiegelte im knöchel­tiefen Wasser. Fast idyllisch. Naturnah. Seesicht in Malters!

Hinweis Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redak­toren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

Thomas Lötscher alias Veri, Malters

kanton@luzernerzeitung.ch


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