Spital setzt auf Amerikaner

IT ⋅ Das Luzerner Kantonsspital führt ein neues Computersystem ein – und berücksichtigt ein umstrittenes Angebot.
20. Juni 2017, 00:00

Der Entscheid hatte Wellen geschlagen: Das Luzerner Kantonsspital führt für 65,8 Millionen Franken ein neues Klinikinformationssystem ein. Es hat sich für das teuerste Produkt entschieden und den US-Softwarehersteller Epic berücksichtigt. Eine Beschwerde von einer unterlegenen Firma wies das Kantonsgericht ab (wir berichteten).

Vergangene Woche nun hat das Luks den Vertrag mit der Firma Epic unterzeichnet, wie das Spital mitteilt. Benno Fuchs, Direktor des Luks, sagt dazu auf Anfrage: «Alle Daten rund um die Behandlungen fliessen künftig in diesem System zusammen. Es handelt sich um eine hoch integrierte, digitale Arbeitsplattform.» Heute gebe es eine Vielzahl verschiedener Programme, und das bisherige System, das gut zehnjährig ist, sei in die Jahre gekommen. Das neue Klinikinformationssystem soll die medizinischen Fachkräfte, die immer knapper werden, «zurück in ihre Profession bringen und von der administrativen Arbeit entlasten», wie Fuchs ausführt. Ausserdem sollen die Daten auf verschiedenen Arten von Geräten zur Verfügung stehen. Auch Arztvisiten können künftig mit einem Tablet durchgeführt werden. «So haben die medizinischen Fachpersonen die Patientendaten immer digital und aktuell zur Verfügung und können dem Patienten am Tablet anschaulich die weitere Behandlung erklären.»

Vorteile soll es auch für die Patienten geben. «Je nach Bedürfnis können wir gewisse Daten zur Verfügung stellen. So kann der Patient beispielsweise seine Tagesplanung einsehen, oder er hat eine Übersicht über die Medikamentenverabreichung.» Das Klinikinformationssystem sei ein internes System, das auch eine externe Vernetzung mit Zuweisern und anderen Institutionen zulasse.

«Ein Risiko besteht unabhängig vom System»

Im Herbst war das Computersystem des Luzerner Kantonsspitals von einem Virus betroffen. Schäden hat es laut Luks keine gegeben. Benno Fuchs sagt zu den Gefahren mit dem neuen System: «Ein Risiko für die IT besteht unabhängig vom System und der Unternehmung. Wir bauen unseren Schutz aber laufend aus.» Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nie. «Wir müssen aber in der Lage sein, dass wir den Betrieb kurzzeitig auch ohne Informatik führen können.» Und Fuchs unterstreicht, dass das neue System grundsätzlich die Patientensicherheit fördere.

Derzeit läuft das Vorprojekt, und die nötigen Fachkräfte werden rekrutiert. Es braucht auch eine Übersetzung des amerikanischen Systems. Für Fuchs hat dies auch Vorteile. «Wir können das System so übersetzen, dass es unseren Anforderungen entspricht.» Das System ist in Europa bisher vor allem in nördlichen Ländern im Einsatz. Am Luzerner Kantonsspital soll es im Herbst 2019 den Betrieb aufnehmen.

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch


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