Stärkung und Vernetzung der Beratungsstellen

ELTERNBERATUNG ⋅ Seit Anfang Jahr besteht der Verband Mütter- und Väterberatung Kanton Aargau. Er wird künftig die Interessen der elf Trägerschaften gegenüber Kanton und Öffentlichkeit vertreten.
20. Mai 2017, 00:00

Die Arbeit der Mütter- und Väterberatungsstellen ist sehr vielschichtig und wird oft unterschätzt. «Unsere Kernaufgabe ist die Beratung von Eltern mit Kindern von null bis fünf Jahren», erzählt Doris Streit von der Trägerschaft des Bezirks Muri. «Dazu gehören unter anderem Entwicklungs-, Erziehungs- und Ernährungsberatung. Auch Hausbesuche bieten wir an.» Laut Streit haben in den letzten Jahren die Beratungen von Eltern drei- bis vierjähriger und älterer Kinder um rund einen Drittel zugenommen. Veränderte Familiensysteme, Patchwork- oder Regen­bogenfamilien mit gleichgeschlechtlichen Eltern sowie Familien mit Migrationshintergrund fordern die Beraterinnen täglich aufs Neue. «Die Kinder leiden unter den Folgen von Scheidungen, ungleichen Erziehungszielen der Eltern, hoher Erwartungshaltung und oft auch unter Armut», berichtet die erfahrene Fachfrau. Gemeinsam mit ihren drei Kolleginnen betreut sie im Rahmen von total 190 Stellenprozenten 19 Gemeinden an 16 Beratungsstellen. An Werktagen finden zusätzlich telefonische Beratungen statt. «Unsere Dienste sind für die Eltern kostenlos. Wir haben Leistungsverträge mit den Gemeinden.» Um die Arbeit der einzelnen Trägerschaften zu unterstützen, wurde Anfang 2017 ein kantonaler Verband gegründet. «Die Unterstützung und Entlastung durch den Verband kommt uns Berufsfrauen auf jeden Fall zugute», betont Streit. «Mit dem Verband im Rücken haben wir nach aussen eine stärkere Position. Wir hoffen, dass wir mitreden können, vor allem bei wegweisenden Entscheidungen.»

«Bisher fehlte ein zentraler Ansprechpartner für den Kanton, der auch Entscheidungsbefugnisse hat», erklärt Verbandspräsident Thomas Heimgartner. «Die Erkenntnis, wie wichtig die frühkindliche Förderung ist, löst viele Diskussionen aus. Hinzu kommt die immer intensivere Zusammenarbeit mit der Kesb. Es ist wichtig, dass der Kanton unsere Trägerschaften als Einheit wahrnimmt und uns einbezieht.»

Trägerschaften bleiben autonom

Die einzelnen Beratungsstellen bleiben jedoch selbstständig. «Ich habe immer wieder von Befürchtungen gehört, dass der kantonale Verband die Trägerschaften der Bezirke ablösen will. Genau das wollen wir aber auf keinen Fall. Das würde nicht funktionieren», ist Heimgartner überzeugt. Die einzelnen Bezirke bezahlen Mitgliederbeiträge, aus denen die Arbeit des Kantonalverbandes finanziert wird. Jede Trägerschaft erhält zwei Stimmrechte, sodass auch jene der kleineren Bezirke gleichberechtigt mitbestimmen können. Es bleibt der Trägerschaft überlassen, wem das Stimmrecht übertragen wird. Auch die Beraterinnen haben so die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen.

«Die Koordination, Vernetzung und der Informationsfluss sind nun lückenlos und direkt gewährleistet», so Heimgartner. «Auch ergeben sich Synergieeffekte etwa in den Bereichen Weiterbildung und Administration. Denkbar wäre zudem die Führung einer einzigen Homepage für den gesamten Kanton.» Der Kantonalverband wird versuchen, Projekte zur frühkindlichen Förderung in Zukunft kantonal zu verankern. Mit Hilfe der einzelnen Trägerschaften sowie unterstützt von Spenden soll den Eltern der Zugang dazu erleichtert werden. Ziel des Verbandes ist es, dass die Mütter- und Väterberatungsstellen beim Kanton künftig als wichtigste Anlaufstellen für Fragen und Probleme frühkindlicher Entwicklung wahrgenommen werden. «Wir möchten den Kantonalverband in den verschiedensten Gremien einbringen. Bis anhin wurde die Mütter- und Väterberatung eben auch infolge eines fehlenden zentralen Ansprechpartners oft vergessen.»

Chance für zusätzliche finanzielle Mittel

Dies soll auch in finanzieller Hinsicht zu Buche schlagen, wie Heimgartner hofft. «Die Chance auf mehr finanzielle Mittel ist natürlich grösser, wenn für den ganzen Kanton eine Lösung getroffen werden kann. Aktuell haben wir das Beispiel der Entschädigung unserer Arbeit in den kantonalen Asylunterkünften. Da konnten wir in Zusammenarbeit mit dem Kanton eine einheitliche Lösung finden.»

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch


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