Taxis lassen Behinderten stehen

HOCHDORF ⋅ Ein Gehbehinderter macht zwei Hochdorfer Taxi-Unternehmen schwere Vorwürfe. Diese aber fühlen sich ungerecht behandelt. Ein Taxiunternehmer erwägt nun eine Anzeige wegen übler Nachrede.
16. September 2017, 00:00

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

In Hochdorf ein Taxi zu bestellen, kann eine frustrierende Angelegenheit sein. Diese Erfahrung hat zumindest Leser Erich Vogt aus Hochdorf gemacht. Weil gehbehindert, wollte er abends um halb neun eine Stunde im Voraus ein Taxi reservieren. Dieses sollte ihn vom Bahnhof die rund anderthalb Kilometer bis zu seinem Zuhause, ebenfalls in Hochdorf, chauffieren. Die Fahrt dauert keine fünf Minuten. «Von Taxiunternehmern, die jeden Tag und auch abends ihren Service anbieten, kann man in Hochdorf nur träumen», echauffiert sich Vogt.

Der Grund: Gleich zwei Taxiunternehmen – in einschlägigen Verzeichnissen mit Hochdorfer Adresse aufgeführt – verweigerten eine Reservation. Während der Einmannunternehmer von Happy Taxi, der anonym bleiben will, bereits Feierabend hatte («wir arbeiten nicht 25 Stunden täglich!»), machte die Inhaberin von Bahnhof Taxi Hochdorf, die ihren Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen will, laut Vogt keinen Hehl daraus, dass sich eine so kurze Fahrt für sie nicht rentiere. Sie schicke doch nicht extra einen Wagen von Emmen nach Hochdorf. Dort ist die Inhaberin nämlich auch als «Moni Taxi» im Einsatz, in Luzern betreibt sie zusätzlich die «Taxi Zentrale Luzern». Dass es sich dabei um ein und dieselbe Taxiunternehmung handelt, bestätigt die Eignerin gegenüber unserer Zeitung.

«Das Bahnhof Taxi Hochdorf ist ein Plagiat»

Dass gleich zwei Hochdorfer Taxiunternehmen eine Reservation ablehnten, stiess Vogt sauer auf. Er machte seinem Unmut in zwei Beschwerdebriefen Luft. Seine Adressaten – das Happy Taxi und das Bahnhof Taxi Hochdorf ­– erreichten diese indes nie. Ihre Hochdorfer Anschriften waren der Post unbekannt. Die Schreiben landeten wieder in Vogts Briefkasten. Warum, darüber verliert die Eignerin vom Bahnhof Taxi Hochdorf kein Wort. Der Inhaber von Happy Taxi vermutet einen Fehler bei der Post. Denn: «Seit zehn Jahren wohne ich in Hochdorf, hier hat auch mein Unternehmen seinen Sitz.» Der Briefkasten sei entsprechend angeschrieben.

Für Vogt ist die Sachlage hingegen klar: «Das Bahnhof Taxi Hochdorf ist ein Plagiat und verstösst klar gegen die Vorschriften über unlauteren Wettbewerb.» In Eigenrecherche machte Vogt schliesslich die Wohnadressen der Inhaber ausfindig. (Dazu der Eigentümer von Happy Taxi: «Herr Vogt hat sich am Telefon als Postangestellter ausgegeben, um an meine Adresse zu kommen.») In einem erneuten Schreiben bittet er, «den Eintrag in den Telefon-Verzeichnissen zu entfernen» oder «bei der Wahrheit zu bleiben» (Bahnhof Taxi Hochdorf) respektive «die Betriebszeiten anzugeben» (Happy Taxi).

Ist das Bahnhof Taxi Hochdorf tatsächlich ein Etikettenschwindel? Dazu sagt Samuel Urwyler von der Stiftung für Konsumentenschutz, ohne die genaue gesetzliche Lage zu kennen: «Die Situation ist für Konsumenten irreführend.» Gegen den Plagiat-Vorwurf wehrt sich indes die Inhaberin vom Bahnhof Taxi Hochdorf vehement. Alle Taxis seien am besagten Abend besetzt gewesen. Nie habe sie gesagt, dass der Anfahrtsweg zu lang sei. Sie, das heisst sechs bis sieben freischaffende Taxifahrer, seien zudem oft in der Region Hochdorf – besonders am Wochenende. «Aber wir können nicht den ganzen Tag am Bahnhof warten. Es gibt dort einfach zu wenig Kundschaft.» Meist würden ihre Kunden in Hochdorf deshalb die Fahrten vorbestellen. «Ich bin seit 27 Jahren im Geschäft und bisher hat das sehr gut geklappt.» Auch wenn manchmal mit Wartezeiten zu rechnen sei, wie sie einräumt. Dass man aber Fahrten einfach verweigere, stimme nicht. Man hätte sicher eine Lösung gefunden, glaubt die Taxiunternehmerin, hätte der besagte Anrufer nicht mitten im Gespräch wutentbrannt aufgehängt. «Das ist nicht fair!»

Ebenfalls unfair behandelt fühlt sich der Inhaber von Happy Taxi. «Ohne dass ich die Chance hatte, mich zu rechtfertigen, wurde ich im Internet schlechtgeschrieben.» Dabei habe doch auch er ein Recht auf Feierabend. «Als der Anruf kam, lag ich schon in der Badewanne.» Mit keinem Wort habe zudem der Anrufer erwähnt, dass er gehbehindert sei, ebenso wenig wohin die Fahrt gehen sollte. Dass Vogt nun «ein solches Aufhebens um diesen Fall macht», versteht der Taxiunternehmer überhaupt nicht. Er zieht sogar eine Anzeige wegen übler Nachrede in Betracht.

So unbefriedigend die Taxi-Situation an jenem Abend am Bahnhof Hochdorf für Vogt war, so hilfsbereit zeigte sich schliesslich ein Nachbar, der kurzerhand als Taxiersatz einsprang. Nebst Happy Taxi und Bahnhof Taxi Hochdorf ist noch ein drittes Unternehmen unter Hochdorf aufgeführt: das Tixi Taxi. Das weiss auch Vogt. Allerdings habe er sich geschämt, diesen von Freiwilligen angebotenen Fahrdienst für Schwerbehinderte in Anspruch zu nehmen. Für Vogt ist nach seiner Enttäuschung klar: «Künftig werde ich wohl nicht ums Tixi Taxi herumkommen.»


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