Umfahrung muss vors Volk

BEROMÜNSTER ⋅ Im neuen kantonalen Bauprogramm wird die Splittung der Umfahrung in ein West- und Ost-Projekt aufgehoben. Bis der Schwerverkehr den Flecken meidet, wird es noch dauern. Zudem kostet die Strasse viel mehr.
14. Februar 2018, 00:00

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Nicht weniger als 190 Projekte für Kantonsstrassen umfasst der Vernehmlassungsentwurf zum Bauprogramm 2019 bis 2022 (Ausgabe vom 2. Februar). Eines der finanziell gewichtigsten Projekte nebst der Spange Nord oder der Umfahrung für Wolhusen (siehe unten) ist die Entlastungsstrasse Beromünster. Diese soll dereinst unter anderem über die ehemalige Deponie Chällermatt führen, wo nebst Aushub und Bauschutt auch Abfall gelagert ist (Ausgabe vom 5. Januar).

Wer das Bauprogramm 2019 bis 2022 hinsichtlich Beromünster mit dem aktuellen vergleicht, stellt fest: Aus zwei Projekten wurde eins – mit Kosten von 60 Millionen Franken. Bisher war von einer Westumfahrung (rund 9 Millionen) und einer Ostumfahrung (16 Millionen) die Rede. Der Kantonsrat entschied Ende 2014, erstere zu priorisieren und in den Topf A zu verschieben. Heisst: Bis 2018 hätte das Land erworben und mit ersten Arbeiten hätte gestartet werden können. Aktuell ist die Linienführung ausgeschieden und die Planung im Gange. Ebenfalls wurden vorsorglich Liegenschaften erworben für den späteren Landbedarf. Laut der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (VIF) belaufen sich die Kosten für die Planung bislang auf rund eine Million Franken.

Dass die Umfahrung nicht mehr gesplittet werden soll, erklärt Beat Hofstetter, Abteilungsleiter Planung Strassen, wie folgt: «Die optimale Entlastungswirkung für den Flecken wird mit der Realisation der gesamten Umfahrung erreicht. Die Entlastungsstrasse soll daher als Einheit geplant und bewilligt werden.» Dies verbessere den Ablauf der Bauarbeiten und wirke sich positiv auf die Kosten aus. Diesbezüglich liege nun eine Schätzung auf Basis eines Vorprojekts vor, sagt Hofstetter. «Zuvor basierten die Kosten auf approximativen Schätzungen, gestützt auf Studien.»

Beromünster muss auf Solidarität hoffen

Die neuen Zahlen führen zu einer markanten Änderung im politischen Prozess: Da der Kantonsrat eigenhändig nur Vorhaben bis 25 Millionen Franken bewilligen kann, unterliegt der Kredit dem obligatorischen Referendum – kommt somit vors Volk. Damit ist das Strassenprojekt in Beromünster auf den Goodwill des ganzen Kantons angewiesen. Ist diese Hürde zu überwinden? Charly Freitag, Gemeindepräsident und FDP-Kantonsrat, sagt: «Ich gehe von einer Unterstützung des Projektes an der Urne aus. Die Notwendigkeit der Strasse ist anerkannt, das Projekt wird von der Bevölkerung getragen und die ­Finanzierung im Rahmen der Spezialfinanzierung des Strassenbaus ist sichergestellt.» Zudem seien bis jetzt alle kantonalen Strassenbauprojekte an der Urne angenommen worden.

Freitag glaubt nicht, dass die Strasse durch die Verschmelzung zum 60-Millionen-Paket in Verzug gerät: «Wir rechnen mit einem Baustart bis 2021. Unter anderem ist die ganze Zonenplanung der Gemeinde darauf abgestimmt.» Auch die wegen der ­Linienführung nötige Verlegung des Pflegeheims ins Gebiet Bifang sei bereits angedacht.

Der Gemeinderat hat in seiner Stellungnahme zur Vernehmlassung die Bedeutung des Projekts betont: Dieses sei «seit über 50 Jahren geplant», die Bevölkerung erwarte, «dass nun damit begonnen wird». Daher gibt sich Beromünster mit den 2,5 Millionen, die derzeit im Topf A für Planung und erste Bauarbeiten vorgesehen sind – die Hauptarbeiten im Topf B und C sind über mehrere Jahren verteilt –, nicht zufrieden. Man bittet den Kanton, «eine Erhöhung vorzunehmen».

SP und Grüne werden Umfahrung bekämpfen

Der Kantonsrat berät das Bauprogramm voraussichtlich im Oktober und beschliesst dann über die definitive Zuordnung. Hinsichtlich Beromünster ist Widerstand vorprogrammiert: Sowohl SP als auch Grüne fordern, auf das Projekt zu verzichten. «Eine Umfahrung würde nur temporär Entlastung bringen, da ein Ausbau des Strassennetzes neuen Verkehr generiert», sagt Kantonsrat Urban Frye (Grüne, Luzern). «Wenn wir das Mobilitätsproblem lösen wollen, geht dies nur mit einem konsequenten Ausbau des ÖV und der Bevorzugung des Langsamverkehrs.» Als Alternative schlagen die Grünen deshalb eine Tempo-30-Zone im Flecken vor.

Dieselbe Massnahme favorisiert die SP, sagt Kantonsrat Marcel Budmiger (Luzern). «Wir befürchten ebenfalls, dass mit der Umfahrung neuer Schwerverkehr angelockt wird. Die Strasse zerstört zudem wertvolles Kulturland.» Die SP verlangt, dass auch «Alternativrouten» mit weniger Landverschleiss geprüft werden.


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