Vom «Dancing» zum Pub mit Damen

14. April 2018, 00:00

Altstadt «Entspannen und geniessen», werktags von 15 Uhr bis halb drei in der Nacht, am Wochenende bis um vier: So buhlt das Surseer Hotel Rössli um die Gunst der Gäste. 6Franken kostet die Stange in der Kontaktbar, 15Franken das Cüpli. Ein Stutz mehr ab ein Uhr nachts. Von aussen wirkt das «Rössli» etwas in die Jahre gekommen. Drinnen trifft man auf Teppich, Theken und viel Kunstleder. Von den Frauen aus aller Welt, die auf den oberen Etagen für 100Franken pro Nacht eines der 15 Zimmer mieten, zeugt am Donnerstagvormittag nur ein gebrauchtes Handtuch im Gang. «Was die Frauen dort machen, ist ihre Sache», sagt Besitzer Ismailaki Ilazi (53), gross gewachsen, dunkelblauer Veston, randlose Brille, die Haare nach hinten gekämmt. Während 17Jahren hat er als Geschäftsführer des «Rössli» gearbeitet, vor drei Jahren hat er es vom früheren Besitzer Hans Bieri übernommen.

Dass die Kontaktbar bei Anwohnern für Ärger sorgt, kann Ilazi nicht verstehen. «Diese Leute wollen aus dem Städtli eine Stube machen. Ihre Lärmreklamationen haben weder Hand noch Fuss», sagt Ilazi, der vor drei Jahrzehnten als Lehrer von Mazedonien in die Schweiz gekommen ist. «Ich investiere pro Jahr 35000 Franken in den Sicherheitsdienst. Jedes Wochenende sorgen zwei Männer ab ein Uhr für Ruhe.» Schon zweimal kam die Polizei wegen anonymen Anrufern zur Durchsuchung in die Bar. Ohne etwas zu beanstanden. «Ich mache hier nichts Verbotenes. Daher habe ich auch keine Angst um die Zukunft des ‹Rössli›.»

«Rössli» hat national für Schlagzeilen gesorgt

Seit der Eröffnung 1972 hat die Rössli Nightbar oft für Schlagzeilen gesorgt. Schweizweit. Vor allem aufgrund der bescheiden bekleideten Damen im «Dancing», das bis weit in die 90er-Jahre hinein existierte. Artikel in Glaskästen im Treppenhaus des «Rössli» zeugen davon, auch im Stadtarchiv Sursee lagern einige. Etwa jener im «Luzerner Tagblatt» vom 4. September 1985, wo der frühere Besitzer, Nachtklubkönig Hans Bieri, wie folgt zu Wort kommt: «Ich biete meinem Publikum das, was es zu sehen wünscht, und lieber ein bisschen weniger als ein bisschen zuviel.» (fi)

www.

Fotos und weitere Ausschnitte aus alten Zeitungsartikeln gibt’s unter: luzernerzeitung.ch/bilder.


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