Wo Tüftlergeist auf Technik trifft

BILDUNG ⋅ Seit nunmehr 60 Jahren werden am Departement Technik und Architektur an der Hochschule Luzern Fachleute ausgebildet. Bis diese Schule aber gebaut wurde, brauchte es viel Geduld.
11. April 2018, 00:00

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Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

In den Labors am Departement Technik und Architektur der Hochschule Luzern in Horw stehen unter anderem dicke Rohre, schwere Maschinen und Roboter, die Wein einschenken können (oder Löcher bohren, je nach Bedarf); ja sogar einen Windkanal haben die Forscher gebaut. All das scheint für eine Hochschule selbstverständlich – dabei ist es dies überhaupt nicht, betrachtet man die Entstehung des «Techs».

Das Departement musste bis zu seiner Entstehung etliche Hindernisse überwinden. Wäre 1908 alles glatt gelaufen, so würde das Departement heuer seinen 110. Geburtstag feiern. Denn bereits zu dieser Zeit lagen Detailpläne für den Bau einer Fachschule für Mechanik, Klein- und Elektrotechnik sowie Elektromontage vor. Doch regelmässig wurden dem Vorhaben Steine in den Weg gelegt. Einmal gab es Gegner, dann wieder finanzielle Engpässe. Mehrfach wurden Motionen eingereicht, bis zu deren Behandlung im Grossen Rat sollte es aber teilweise mehrere Jahre dauern. Die Politik sträubte sich gegen den Vorschlag.

Erst als 1946 junge Politiker die Initiative zur Schaffung eines Technikums in die Hand nahmen, kam Bewegung in die bisher langwierige Diskussion: Sie forderten den Regierungsrat mehrmals auf, mit den Vorbereitungen für ein zentralschweizerisches Technikum zu beginnen. Notabene entstanden bereits zwischen 1874 und 1885 die Technikumsschulen von Winterthur, Burgdorf und Biel. Die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) öffnete gar schon 1854 ihre Türen. Höchste Zeit also, dass auch die Zentralschweiz eine solche Schule bekommt.

Schlussspurt auf der Zielgeraden

Mit frischem Wind in der Luzerner Politik sollte Mitte der 50er-Jahre die Technikumsdiskussion wieder aufgenommen werden. Im Juni 1956 fasste die Regierung den Beschluss, für die Errichtung eines Technikums einzutreten. Von da an ging es verhältnismässig schnell: Im Februar 1958 fanden bereits die ersten Aufnahmeprüfungen statt. 215 Kandidaten traten an, doch nur 85 konnten am 28. April, damals noch in Anzug und Krawatte, das Studium beginnen. Es starteten zwei Klassen in Maschinentechnik und eine in Elektrotechnik. Zwei Wochen später, am 14. Mai 1958 fanden die Eröffnungsfeierlichkeiten für das Zentralschweizer Technikum Luzern (ZTL) statt.

60 Jahre sind in der Zwischenzeit vergangen, vieles hat sich verändert. Wo anfänglich 8 Dozenten unterrichteten, sind es heute 180, die Zahl der Studenten stieg von 85 auf 1850 an. Allein in den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Angestellten und Studenten verdoppelt. Viktor Sigrist, Direktor des Departements, erklärt sich diese Entwicklung mit dem steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Architekten und Ingenieuren sowie mit dem Wandel des Bildungssystems: Denn mit Einführung der Berufsmaturität eröffneten sich auch für Fachhochschulen mehr Möglichkeiten. Zudem habe in der Bevölkerung ein Umdenken stattgefunden. «Die Aus- und Weiterbildung wird immer mehr als lebenslange Aufgabe gesehen.»

Der Standort der Schule ist inzwischen nicht mehr der gleiche, denn Wachstum braucht Platz. Vom ersten Standort, der Sentimatt in der Stadt Luzern, zog das ZTL 1977 nach Horw. Die nächste Veränderung steht bereits vor der Tür: In zehn Jahren sollen um die 4000 Studenten auf dem Campus betreut werden. Vorgesehen ist, dass die Anlage erweitert wird und die Pädagogische Hochschule nach Horw zieht.

In all den Jahren haben sich auch die Lehrinhalte der Bildungsin­stitution verändert: 1997 wandelte sich das ZTL von einer höheren Lehranstalt zur Fachhochschule, die Ausbildung wurde umgekrempelt. «Das hat die Qualität gefördert», sagt Viktor Sigrist. «Früher hat sich das ZTL eher an einzelnen Industriesparten ausgerichtet», sagt er. «Heute geht es um grössere Fragen, welche die Gesellschaft und die Umwelt betreffen. Wie wollen wir zum Beispiel die Infrastruktur gestalten?»

«Zusammenarbeit bringt Fortschritt»

Mit diesem Wandel investierte die Fachhochschule zudem mehr in die Forschung und Entwicklung. Heute macht dieser Bereich fast 30 Prozent des Umsatzes des Departements aus. Dabei wolle man keine Grundlagenforschung betreiben, sondern aktiv an aktuellen Entwicklungen mitarbeiten und nah an der Praxis bleiben, sagt Sigrist. Dass das Departement mit Technik und Architektur zwei Fachgebiete vereine, sei dabei nur von Vorteil. «Zusammenarbeit bringt Fortschritt.» So setzt das Departement Schwerpunkte in den Bereichen Energieforschung oder Gebäude als System, in denen Bauingenieure und Innenarchitekten gemeinsam tüfteln.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Digitalisierung, die von den Inhalten bis zur Unterrichtsform alle Bereiche betrifft. Für das Bauwesen zum Beispiel zeichnet sich die Entwicklung heute schon ab: Architekten, Bau- und Gebäudetechniker werden in Zukunft am gleichen digitalen Modell arbeiten. Dieses wird die Grundlage für die Ausführung und später für die Bewirtschaftung des Gebäudes sein – quasi sein virtuelles Abbild. Für den Unterricht nützt das Departement die Möglichkeiten der Digitalisierung bereits. So gibt es Unterrichtsgruppen, die online über digitale Plattformen arbeiten. Auf diesen entwickeln die Studenten gemeinsam Projekte. «Das Ziel ist es, solche Methoden auszubauen», sagt der Direktor. Dieser Wandel stelle für alle eine Herausforderung dar.

Hinweis Am 4. Mai öffnet das Departement Technik und Architektur in Horw ab 13 Uhr seine Hörsäle für die Öffentlichkeit. Interessierte dürfen in den Alltag der Studenten hineinschnuppern und Vorlesungen sowie Labors besuchen.


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