Zugentgleisung in Entlebuch endet glimpflich

ENTLEBUCH ⋅ Beim Zugunglück am Donnerstagabend entstand ein Sachschaden von mehreren 10000 Franken. Die Bahnstrecke zwischen Wolhusen und Schüpfheim war gestern den ganzen Tag gesperrt.
03. Juni 2017, 00:00

Die starken Regenfälle am Donnerstagabend haben im Kanton Luzern Spuren hinterlassen. In Hochdorf und Horw musste die Feuerwehr wegen überschwemmter Keller und Garagen ausrücken. Am prekärsten war die Lage aber im Entlebuch. Zwischen Schüpfheim und Entlebuch, wenige hundert Meter vor dem Bahnhof Entlebuch, entgleiste ein Zug der BLS, weil er in einen Erdrutsch gefahren war. Verletzt wurde niemand, die neun Passagiere wurden evakuiert und konnten zu Fuss zum Bahnhof Entlebuch gelangen (Ausgabe von gestern).

Wegen der aufwendigen Bergung des Unfallfahrzeugs blieb die Bahnstrecke zwischen Wolhusen und Schüpfheim gestern während des ganzen Tages gesperrt. Es verkehrten Bahnersatzbusse. Laut SBB-Mediensprecher Christian Ginsig dauerten die Aufräumarbeiten bis in die Nacht auf Samstag. Seit heute morgen sollten die Züge wieder nach Fahrplan verkehren. Der Sachschaden an der Infrastruktur belaufe sich auf mehrere 10000 Franken. «Es war ein eher kleiner Zwischenfall mit allerdings grossen Auswirkungen», sagt Ginsig.

Die vom Erdrutsch betroffene Stelle befindet sich unterhalb einer muldenförmigen landwirtschaftlich genutzten Zone. Aufgrund der Sättigung des Terrains mit Wasser kam die Böschung ins Rutschen und verschüttete die Gleise auf wenigen Metern.

Der Kurzzug fuhr am Donnerstag kurz nach 20.30 Uhr in Richtung Entlebuch, kollidierte mit der Erdmasse und kam erst nach rund 50 Metern zum Stillstand. Dabei sprang die vorderste Achse aus den Gleisen. «Glücklicherweise war der Zug mit niedrigem Tempo unterwegs», sagte Christian Ginsig. Denn westlich der Unglücksstelle fällt das Gelände stark Richtung Kleine Emme ab.

Unglückszug wird nach Spiez überführt

Die Feuerwehr Entlebuch-Hasle war am Donnerstag mit 25 Mann im Einsatz, sagt Kommandant Roland Studer. Um 1 Uhr nachts habe die SBB-Feuerwehr die Leitung übernommen. Rund ein Dutzend Einsatzkräfte arbeiteten die Nacht durch, sicherten die Stelle und hievten den Zug wieder auf die Schienen.

Da die Infrastruktur den SBB gehört, das Rollmaterial aber der BLS, trugen beide Bahnunternehmen einen Schaden davon. BLS-Mediensprecher Stefan Dauner sagt: «An unserem Fahrzeug wurden die Bremse und technische Leitungen beschädigt. Zudem ist der Schneeräumer defekt.» Ein BLS-Hilfszug half am Freitagmorgen, den Unglückszug in den Bahnhof Entlebuch zu fahren. Von dort soll er nun nach Spiez in die BLS-Werkstatt überführt werden.

Mit den gestern ausgeführten Arbeiten sollte die Gefahr nun gebannt sein, erklärt Christian Ginsig: «Ein geologisches Gutachten hat ergeben, dass unter der Abrisskante Molassegestein liegt. Eine weitere Hangsicherung ist deshalb nicht nötig.» Für heute Abend sind die nächsten starken Regenfälle angekündigt.

Jonas von Flüe

jonas.vonfluee@luzernerzeitung.ch

www. Mehr Bilder und ein Video von der Unglücksstelle finden Sie auf: luzernerzeitung.ch/bonus

Leserkommentare

Anzeige: