Auf der Suche nach Heimat

MELODRAM ⋅ Einwanderung ist das Thema in der melo­dramatischen Romanze «Brooklyn». Ein ­hinreissend nostalgischer und dennoch ­aktueller Film.

 

Ulrike Cordes, dpa

Migration ist beileibe kein neues Phänomen. Denn Menschen, die ihre ureigene Umgebung verlassen und anderswo Auskommen und Sicherheit suchen, gibt es wohl seit Anbeginn unserer Geschichte. So wanderte etwa ab dem 19. Jahrhundert armes Volk aus Irland in Massen in die Vereinigten Staaten aus.

Einen trotz dieses ernsten Hintergrunds zauberhaft nostalgischen Blick in die frühen 1950er-Jahre wirft Regisseur John Crowley in «Brooklyn». Die Romanze um eine junge Irin in Amerika wirkt vor allem, weil sie der Frage nachgeht, was Heimat bedeutet – und dabei trotz aller gezeigten Schmerzen des Neuanfangs eine optimistisch-liberale Antwort formuliert.

Saoirse Ronan: Alter Kino-Hase

In dem von Crowley nuanciert und liebevoll ausgestatteten Werk spielt Saoirse Ronan die Hauptrolle. Die in New York geborene Irin ist trotz ihrer 21 Jahre ein alter Kino-Hase: 2007 spielte sie im Drama «Atone­ment» neben Kira Knightley eine 13-Jährige, die das Leben ihrer Schwester und von deren Geliebtem zerstört. Ronan wurde dafür für einen Oscar nominiert. Auch jetzt vermag sie in «Brooklyn» – nach dem Drehbuch von Romancier Nick Hornby («About A Boy») – mit feinster Mimik komplexe Seelenzustände anzudeuten.

Sie verkörpert die junge Eilis Lacey, die im kleinstädtischen Nachkriegs-Irland in der Obhut ihrer Mutter und Schwester Rose ein bescheidenes Dasein als Ladenmädchen fristet. Auf Initiative der älteren Rose, die den gütigen Pfarrer Flood (Jim Broadbent) als Vermittler gewinnt, landet Eilis nach einer stürmischen Überfahrt jedoch im New Yorker Stadtteil Brooklyn.

Konflikt zwischen den Lebenswelten

Dort lebt eine irische Community – oft unter prekären Verhältnissen, wie eine anrührende Weihnachtsfeier im Gemeindehaus offenbart. Einquartiert in der Mädchenpension der skurrilen Mrs. Kehoe (Julie Walters), arbeitet die Neuangekommene schüchtern und ungeschickt in einem Warenhaus. Ihr Heimweh beichtet Eilis ihrer Schwester in Briefen.

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Nach und nach gelingt es der Provinzlerin, in der Metropole Fuss zu fassen. Sie bildet sich beruflich weiter und blüht auf, als sie den Italo-Amerikaner Tony (Emory Cohen) kennen lernt und heiratet. Doch dann reist Eilis aus traurigem Grund zurück nach Irland. Und das stille Herkunftsland gefällt ihr so gut wie seine Bewohner, darunter der wohlhabende Jim (Domhnall Gleeson), der um sie wirbt.

Der Konflikt, sich zwischen zwei Lebensentwürfen entscheiden zu müssen, bricht in der jungen Frau auf. Rat gibt es dabei von Pfarrer Flood. Als Eilis ihm einmal gesteht, dass sie sich von Herzen wünschte, ein irisches Mädchen in Irland zu sein, tröstet er sie mit den Worten: «Heimweh ist wie die meisten Krankheiten – es geht vorbei.» «Brooklyn» wird so zu einem sehr aktuellen Beitrag in der Frage nach Heimat.

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Hinweis

«Brooklyn» startet morgen in den Kinos Capitol (Luzern), Cinepol (Sins).


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