Aktuelles Thema, bissig und sehr menschlich

KINO ⋅ «Médecin de campagne» handelt von akutem Ärztemangel und zwischenmenschlichen Beziehungen. «Intouchables»-Star François Cluzet sorgt für bissige Untertöne.

06. September 2016, 00:00

Die Trailer zu allen Filmen finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/kino

Volles Wartezimmer und Dienst rund um die Uhr: Jean-Pierre ist Landarzt. Seit 30 Jahren ist er für seine Patienten da, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Eines Tages wird er selber krank, die Diagnose lautet Gehirntumor. Er muss sich um eine Vertretung kümmern, was ihm sehr schwerfällt. Denn Jean-Pierre lebt seit seiner Trennung allein, sein Beruf ist sein Ein und Alles. Er hält sich für unersetzlich und macht deshalb seiner Nachfolgerin die Übernahme der Praxis nicht leicht.

Regisseur ist selber Arzt

Dr. Nathalie Delezia bewirbt sich um die Stelle: eine selbstbewusste Frau, aber ohne Erfahrung auf dem Land. Nach dem Motto «Landarzt kann man nicht erlernen» gewährt Jean-Pierre der attraktiven Medizinerin keine Vorschusslorbeeren. Doch sie hat Durchhaltevermögen.

Nach «Hippocrate» aus dem Jahr 2014 ist die Tragikomödie der zweite Film, in welchem der französische Regisseur Thomas Lilti das Thema Arzt in den Mittelpunkt rückt. Mit viel Realismus und Einfühlungsvermögen beschreibt er die Arbeit und die zwischenmenschlichen Beziehungen. Denn bis vor wenigen Jahren war Lilti selber Arzt. Das Thema Ärztemangel, das dem Film ebenfalls zu Grunde liegt, ist ja durchaus auch in der Schweiz bekannt.

Er habe lange Zeit in Frankreich Vertretungen übernommen, wie Lilti in einem Interview sagte. Er habe bescheidene Menschen kennen gelernt, die Begegnungen seien für ihn wichtig gewesen, denn die Beziehung zwischen Patient und Arzt beruhe auf Gegenseitigkeit. Es erstaunt daher nur wenig, dass der Film viel menschlichen Tiefgang hat.

Rededuelle

Für die Rolle des Landarztes holte Lilti den «Intouchables»-Star François Cluzet. Mit Marianne Denicourt («Sade») als Dr. Nathalie Delezia liefert dieser sich bissige Rededuelle. Doch gibt es zwischen Jean-Pierre und Nathalie nicht nur Konflikte: Aus der anfänglichen Ablehnung wird Zuneigung. Dennoch bleibt die Tragikomödie in erster Linie ein Film über den Beruf des Landarztes. In Frankreich er mehr als 1,5 Millionen Besucher in die Kinos gelockt. •••••

Sabine Glaubitz, dpa

Hinweis

«Médecin de campagne» startet am Donnerstag in den Kinos Bourbaki (Luzern) und Seehof (Zug).


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