Bach zermahlt das Grauen dieser Welt

PASSION ⋅ «Grosses von Bach» bietet das Bach-Ensemble Luzern in dieser Saison. Und es löste den Anspruch gleich zum Auftakt mit der Johannes-Passion ein.

14. März 2017, 00:00

Wie in jeder Fastenzeit werden auch heuer vielenorts Bachs Passionen aufgeführt. So starteten am Sonntag in der Franziskanerkirche auch Chor und Orchester des Bach-Ensembles Luzern mit der Johannes-Passion in die neue Saison, die ausschliesslich grossen Werken von Johann Sebastian Bach gewidmet ist.

Für einen aus rund vier Dutzend Laiensängerinnen und -sängern gebildeten Chor ist das Werk eine grosse Herausforderung. Da sind die Chöre, welche schon der Länge wegen streng zu singen sind. Die Choräle sollen kontemplativ wirken, aber gut verständlich sein und obendrein nicht langweilig werden. Die Turba-Chöre, also die aufgebrachte Volksmenge und die Kriegsknechte, sollen ausdrucksstark und zuweilen aggressiv und fordernd sein.

Diese Breite von chorischem Schaffen in nur sechs Proben überzeugend zusammenzubringen, ist ein ambitioniertes Ziel, war aber, wie das Konzert bewies, gelungen. Viele Sänger des Ensembles bringen jahrelange Erfahrung mit, betreiben Stimmbildung und dürften dieses grossartige Werk nicht zum ersten Mal gesungen haben.

Jesus und Pilatus in Personalunion

Mit flottem Tempo zeigte Franz Schaffner im Eingangschor, in welchem Spannungsfeld diese Passion steht. Die immer wiederkehrenden Melodiebewegungen der Instrumente, die wie ein grosser Mühlstein das Grauen dieser Welt zu zermahlen scheinen, werden durch die zuversichtlichen Rufe des Chores «Herr» durchbrochen. In diesen Momenten wurde hörbar, dass die Sop­rane verjüngende Verstärkung brauchen könnten. Aber im weiteren Verlauf des Konzerts trat dieser Eindruck in den Hintergrund. Die weiteren Choreinsätze waren von ausgeglichener Schönheit bis hin zu ausdrucksstarker, ja ergreifender Prägnanz.

Tief bewegend waren denn auch die Volkschöre, die durch eine bestechende Artikulation überzeugten. Chor und Orchester waren klanglich vorbildlich abgestimmt, sodass auch das Orgelpositiv jederzeit gut hörbar war, ohne sich aufzudrängen.

Bei den Soli beeindruckte im Besonderen der Bass Peter Brechbühler, welcher zwar die etwas seltsame Aufgabe hatte, Jesus, Petrus und Pilatus in Personalunion zu verkörpern. Mit verschiedenen Klangfarben wurde er jeder einzelnen Figur gerecht. Auch Barbara Böhi, Sopran, und Barbara Erni, Alt, brillierten ergreifend in ihren je zwei betrachtenden Arien.

Der Tenor Hans-Jürg Rickenbacher bestach als Evangelist durch seine scharfe Diktion, auch wenn er streckenweise den Text etwas hastig rezitierte. Der versöhnliche Schlusschor «Ruht wohl» und der anschliessende Choral gingen dem dankbaren Publikum wahrlich zu Herzen.

Roger Daniel Tanner

kultur@luzernerzeitung.ch


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: