«Das Saxofon ist ziemlich weiblich geprägt»

LUCERNE FESTIVAL ⋅ Asya Fateyeva (26) erhielt dieses Jahr den Echo-Klassik-Award als Nachwuchskünstlerin. Und gibt jetzt als Saxofonistin ihr Festival-Debüt.

07. September 2016, 00:00

Asya Fateyeva, Sie spielen am Donnerstag Ihr Debüt beim Lucerne Festival. Haben Sie schon andere Erfahrungen in der Musikwelt der Schweiz gesammelt, oder ist es Ihr erster Besuch?

Asya Fateyeva: Es ist für mich eine grosse Ehre, beim Lucerne Festival zu spielen. In Luzern war ich tatsächlich noch nie, aber Zürich und die Tonhalle kenne ich von früheren Konzerten.

Das Saxofon ist eher als männliches Jazzinstrument konnotiert. Sie sind eine junge Frau und spielen vorwiegend klassisches Repertoire. Erneuern Sie das Saxofonspiel?

Fateyeva: Die Verwendung des Saxofons als klassisches Instrument ist eigentlich nicht neu. Denn Adolphe Sax, der das Instrument 1846 patentieren liess, hat es ja als solches entwickelt. Zudem hat es eine grosse Militärmusik-Tradition. Dann gab es noch Elisa Hall: Eine der ersten prominenten Saxofonistinnen der USA, sie wurde 1853 geboren. Ihr und ihren Auftragswerken verdanken wir viele wichtige Stücke der Saxofonliteratur, zum Beispiel Debussys Rhapsodie für Saxofon und Orchester. Ich erfinde also kein neues Rad, ich fülle vielmehr eine Bildungslücke.

Ihr Programm in Luzern umfasst originale Saxofonliteratur sowie Arrangements von Prokofievs «Romeo und Julia» und Bizets «Carmen». Schreiben Sie diese Arrangements selber?

Fateyeva: Die Carmen-Fantasie hat Alexander Rosenblatt für das Saxofon arrangiert. Teilweise mache ich das aber auch selber. Wenn ich ein Arrangement verwende, konsultiere ich immer die Originalpartitur, um alles zu überprüfen oder zu optimieren. In der Musikgeschichte gibt es immer wieder Stücke mit variabler Besetzung – ich denke da an gewisse Werke von Bach oder sogar von Schumann, die sich wunderbar für das Saxofon eignen. Das Schöne an den Arrangements ist: So können wir Saxofonisten die paar Jahrhunderte nachholen, in denen es unser Instrument noch nicht gab!

Sie spielen in Ihrem Debüt Werke der Komponistinnen Paule Maurice und Fernande Decruck. Sind sie ein Beitrag zum Thema «Prima Donna», oder gehören sie zu Ihrem ständigen Repertoire?

Fateyeva: Auf jeden Fall gehören sie dazu! Und es gibt noch mehr Komponistinnen aus dem Frankreich des 20. Jahrhunderts. Sie sehen, die Geschichte des Saxofons ist ziemlich weiblich geprägt!

Das Saxofon wird wegen seiner Klangmöglichkeiten häufig in der neuen Musik verwendet. Ihr Luzerner Programm ist eher romantisch geprägt. Spielen Sie auch zeitgenössische Werke?

Fateyeva: Die Arbeit an neuem und neuestem Repertoire gehört natürlich auch dazu. In der Ausbildung werden alle Saxofone erlernt, das ist ja eine ziemlich grosse Instrumentenfamilie. Von Sopranino bis zum Kontrabasssaxofon ist der ganze Tonumfang abgedeckt. Wenn man also diese klanglichen Möglichkeiten schon hat, macht das die Kooperation mit Komponisten immer sehr spannend.

Katharina Thalmann

Hinweis

«Debut» von Asya Fateyeva (Saxofon) und Valeriya Myrosh (Klavier): Do, 8. September, 12.15 Uhr, Lukaskirche Luzern. www.lucernefestival.ch


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