Geburtstag der Woche

Das moralische Gewissen der USA

12. September 2016, 00:00

Vietnamkrieg, Wall Street, Verschwörungstheorien etwa zum Kennedy-Mord, Gewalt: Mit seinen Filmen legt Oliver Stone den Finger in die Wunden Amerikas. Am Donnerstag wird der Regisseur 70 Jahre alt – kurz vor dem Start seines Films über Edward Snowden und seinem Besuch am Zurich Film Festival.

Stone hat sich schon immer viele Feinde gemacht. Und jetzt legt er sich erneut mit den Mächtigen in seinem Heimatland an. Schon während der Dreharbeiten zu seinem neuen Werk über den Whistleblower Edward Snowden habe es Probleme gegeben, sagte der US-Regisseur. «Wir sind nach Deutschland gegangen, weil wir uns in den USA nicht mehr entspannt fühlten. Wir wussten nicht, was der US-Auslandsgeheimdienst NSA machen würde.»

«Snowden» wird am 24. September am Zurich Film Festival gezeigt, ab 6. Oktober läuft er regulär in den Kinos. Der Film, für den sich Stone mehrfach in Moskau mit Snowden traf, ist typisch für den Oscar-Preisträger: politisch, kritisch, unbequem. Vorher prangerte er unter anderem in «Platoon» (1986) das brutale Vorgehen der GIs im Vietnamkrieg an, in «Natural Born Killers» (1994) thematisierte er die Haltung seiner Landsleute zur Gewalt, und in «Wall Street» (1987) nahm er die Machenschaften der Finanzwelt aufs Korn.

Lieber Kriegsdienst als Elite-Uni

Geboren wurde Stone 1946 als Sohn eines jüdischen Börsenmaklers. Gemeinsam mit dem späteren US-Präsidenten George W. Bush studierte er an der Elite-Universität Yale, die er schon nach einem Jahr wieder verliess, um an einer Schule in Vietnam Englisch und Geschichte zu unterrichten. Nach dem anschliessenden freiwilligen Kriegsdienst lernte Stone, zurück in New York, das Filmhandwerk bei Martin Scorsese und arbeitete als Taxifahrer.

Die in Vietnam erlebten Kriegsgräuel brachte der junge Filmemacher in «Platoon» auf die Leinwand. Später nahm er sich in «JFK» (1991) der Verschwörungstheorien um den Mord am damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy an und porträtierte Richard Nixon und dessen Verwicklung in den Watergate-Skandal in «Nixon» (1995).

Gegen Hillary, Trump und Pokémon

Stone bleibt politisch und laut wie eh und je. Zuletzt setzte er sich engagiert für den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders ein und sprach sich deutlich gegen Hillary Clinton und Donald Trump aus. «Seit ein paar Monaten bin ich verzweifelt, wenn ich mir unsere politische Landschaft anschaue», schrieb er in einem Text für die «Huffington Post». Ausserdem wetterte er gegen das Handyspiel «Pokémon Go» und bezeichnete es als «neues Level der Invasion» in die Privatsphäre.

Er habe viele erfolgreiche Filme gedreht und Preise gewonnen, aber auch «eine Menge verloren», sagte Stone einmal rückblickend. «Niederlagen sind ebenfalls Gewinne. Man lernt aus den Niederlagen mehr als aus den Erfolgen.»

Christina Horsten, dpa


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