Der vielseitigste Schauspieler Hollywoods

GEBURTSTAG ⋅ Er glänzte als Rebell, Psychopath, Verführer, Bösewicht, Liebhaber, Fahnder – schlicht in jeder Rolle. Heute wird Jack Nicholson 80-jährig. Zuletzt war es ruhig um ihn. Doch der Schein könnte trügen.
22. April 2017, 00:00

Barbara Munker (DPA) und Arno Renggli

arno.renggli@luzernerzeitung.ch

Kennen Sie einen Film, in dem Jack Nicholson nicht brillant ist? Vermutlich nicht. Im Gegenteil ist es so, dass er sogar weniger hochklassige Filme aufwertet. Beispielsweise ist die Komödie «Die Wutprobe» von 2003 mit Adam Sandler nur wegen Nicholson wirklich lustig.

In den meisten Fällen aber hat Nicholson nicht nur überragendes Schauspieltalent gezeigt, sondern auch den richtigen Riecher für starke Filme. Ob Drama, Krimi, Horror, Superheldenstreifen oder eben Komödie: In jedem Genre trat er in Topproduktionen auf und veredelte diese durch sein Spiel.

Er kann es auch mit Zurückhaltung

Nun könnte man sagen: Mit diesem Grinsen kann man nur ein Weltstar werden. Tatsächlich hat Nicholson dieses einige Male flächendeckend eingesetzt – etwa in «Die Hexen von Eastwick» (1987) oder natürlich als Joker in «Batman» (1989). Aber in vielen anderen Filmen ist Nicholson viel ernster, zurückhaltender – und nicht weniger stark. Dazu gehören etwa Roman Polanskis Krimi «Chinatown» (1974), aber auch neuere Filme wie ­«About Schmidt» (2001), wo Nicholson einen frischgebackenen Witwer spielt. Oder als kaputter Polizist in «The ­Pledge» (2002), einer brillanten Verfilmung von Dürrenmatts «Das Versprechen».

Nimmt man die Oscars als Massstab, ist Jack Nicholson der beste Schauspieler Hollywoods. Zwölfmal ist er nominiert worden, dreimal holte er die Statue: 1975 für «Einer flog über das Kuckucksnest», «Zeit der Zärtlichkeit» (1984) und «Besser geht’s nicht» (1997).

In den letzten Jahren ist es ruhiger geworden um Nicholson. Sein letzter grosser Film war 2006 Martin Scorseses Gangsterepos «The Departed». 2010 stand er für die Liebeskomödie «How Do You Know?» mit Reese Witherspoon vor der Kamera, aber nur in einer kleinen Nebenrolle. Umso mehr horchten seine Fans auf, als im Februar Berichte über ein US-Remake von Maren Ades Hit-Komödie «Toni Erdmann» kursierten. Nicholson könnte die schräge Vaterrolle übernehmen, hiess es noch unbestätigt.

Auch sonst hat man Nicholson zuletzt selten öffentlich gesehen. 2013 präsentierte er an der Oscar-Verleihung die Anwärter in der Top-Sparte «Bester Film». Nicholson gab sein charmantes «Killer-Lächeln» zum Besten und flirtete ungeniert mit der damals 22-jährigen Oscar-Gewinnerin Jennifer Lawrence. Diese war sichtlich überrascht, als Nicholson in ein Live-Interview hineinplatzte und sie mit Komplimenten überfiel. «Sie sehen aus wie eine frühere Freundin von mir», schwärmte der Altstar. Und pirschte sich dann noch einmal – jetzt mit Sonnenbrille – an Lawrence heran. Die schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen. Das Video sorgte im Internet für viele Lacher.

Turbulentes Liebesleben und «Schwester» als Mutter

Jack Nicholson hat wenig ausgelassen. Er hat fünf Kinder von vier Frauen, auch die Ehe versuchte er einmal, 1962 bis 1968 mit der Schauspielerin Sandra Knight. Mit Anjelica Huston, Tochter von US-Regisseur John Huston, führte er 13 Jahre eine stürmische Beziehung. Sie zerbrach endgültig, als er 1989 die beste Freundin seiner Tochter Jennifer, das Model Rebecca Broussard, schwängerte. Mit Broussard war er dann fünf Jahre liiert und zeugte mit ihr noch ein zweites Kind.

Nicholson war 1937 als uneheliches Kind einer 18-jährigen Tänzerin in New Jersey zur Welt gekommen. Er wuchs bei ihren Eltern auf und erfuhr angeblich erst mit 37 Jahren, dass seine ältere «Schwester» June in Wahrheit seine Mutter war.

Eine seiner ersten Filmrollen verdankte er Trash-Meister Roger Corman im Gruselstreifen «Little Shop Of Horrors». Seinen Durchbruch feierte er als alkoholsüchtiger Rechtsanwalt George Hanson im Roadmovie «Easy Rider» (1969). Der Film mit Henry Fonda und Dennis Hopper als Motobiker auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer wurde zum Kult. Nicholson brachte er die erste Oscar-Nominierung ein. Dann kam 1975 der erste Oscar: Die Figur des aufmüpfigen Klinikpatienten McMurphy im vielfach preisgekrönten Film «Einer flog über das Kuckucksnest» ist legendär. Zu den vielen unvergesslichen Auftritten gehörte in der Folge auch derjenige als durchgedrehter Buchautor und Familienvater in «The Shining» (1980).

Nicht eitel, aber dennoch «der Schönste»

«Ich habe kaum einen Schauspieler mit weniger Eitelkeit erlebt», lobte Regisseur Rob Reiner («Harry und Sally»), der im Film «Das Beste kommt zuletzt» mit Nicholson gearbeitet hat. «Aber in Wirklichkeit halte ich mich natürlich für den schönsten Menschen der Welt», präzisierte Nicholson mit Augenzwinkern. In der nostalgischen Komödie spielt er einen todkranken Millionär, der im Spital mit seinem Bettnachbarn (Morgan Freeman) eine Liste mit all den Dingen verfasst, die sie vor ihrem Tod noch erleben wollen.

Er selbst habe keine derartige Liste, erzählte Nicholson damals. Die einzige Möglichkeit, der Angst vor dem Tod zu entkommen, bestehe darin, ganz im Hier und Jetzt zu leben. Mit seinem bisherigen Leben sei er zufrieden: «Ich würde alles wieder genau so machen.»

Hinweis

SFR 1 zeigt heute Abend um 23 Uhr den Film «Das Beste kommt zuletzt» mit Jack Nicholson und Morgan Freeman.


Leserkommentare

Anzeige: