«Die Studios haben nicht mehr so viel Macht»

KINO ⋅ Mit ihrer Komödie «Hail Caesar» machen sich Joel und Ethan Coen über Hollywood lustig. Im Gespräch verraten sie auch, wieso sie George Clooney gerne als Dummkopf zeigen.

22. Februar 2016, 00:00

Joel und Ethan Coen, ist «Hail Caesar» nun eher Satire oder Liebeserklärung?

Joel Coen: Sie ist eindeutig beides. Und eine gute Satire ist ja auch immer eine Art Liebeserklärung, oder?

In einer witzigen Szene trifft sich der Boss des Filmstudios mit den Repräsentanten verschiedener Konfessionen, um sich die Christus-Figur in «Hail Caesar» absegnen zu lassen. Wie sind Sie darauf gekommen?

Ethan Coen: Das war für uns einfach nur ein Vehikel, um ein paar alberne Witze zu machen. So nach dem Motto: Ein Protestant, ein Katholik und ein Rabbi gehen in eine Bar. Wir werden oft gefragt, ob es irgendetwas mit den Diskussionen zu tun hat, die wir als Kinder in unserem jüdischen Umfeld erlebt haben könnten. Aber so tiefgründig ist das nicht.

Das Studio-System Hollywoods, wie Sie es in Ihrem Film zeigen, existiert nicht mehr. Aber ähnliche ökonomische Zwänge schon, nicht wahr?

Joel Coen: Die Studios haben nicht mehr so viel Macht. Denn früher wurden Filme ausschliesslich von den Studios finanziert. Heute kommt das Geld aus den unterschiedlichsten Quellen. Man kann Filme sogar völlig unabhängig finanzieren. Und selbst wenn man für ein grosses Hollywood-Studio arbeitet, kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendjemand James Cameron erzählt, wie er seinen Film zu machen hat. Das war früher vollkommen anders. Da waren Regisseure oft Erfüllungsgehilfen. Das Gleiche gilt für die Filmstars, die heute ihre eigenen Interessen vertreten. Früher waren sie eher sehr hoch bezahlte Sklaven der Studios.

Wann hat Ihnen das letzte Mal ein Produzent in Ihren Film hineingeredet oder versucht, Druck auszuüben?

Ethan Coen: Wir sind mittlerweile einfach eine zu bekannte Marke. Wenn wir einen Film machen, versucht man nicht ansatzweise, Druck auf uns auszuüben. Sie wissen ja, was sie von uns bekommen.

(Tel-A-Vision, 02.02.2016)

Was halten Sie generell von der ganzen Debatte um die Oscar-Verleihung, die zu «weiss» sein soll?

Joel Coen: Man sollte sich bei diesem Thema nicht zu sehr auf die Oscars konzentrieren. Das ist ja auch nur eine Auszeichnung. Man sollte sich generell eher die gesamte Filmindustrie ansehen. Niemand hätte etwas gegen mehr Vielfalt. Und ich glaube, die Menschen, die in den Positionen sitzen, wo die Entscheidungen getroffen werden, sind vor allem am Geld interessiert. Und es ist ihnen letztendlich egal, wer dieses Geld einspielt.

Warum spielt George Clooney in Ihren Filmen immer den einfältigen Dummkopf?

Joel Coen: Er ist eben sehr komisch. Und er ist eben derjenige, der immer sofort zusagt, diese Rollen für uns zu spielen.

Ethan Coen: Ausserdem kann er sehr gut eine römische Uniform mit kurzem Leder-rock tragen.

Die Vorbilder Ihrer Charaktere in «Hail Caesar» scheinen Filmstars wie Esther Williams oder Gene Kelly zu sein.

Joel Coen: Das sind die offensichtlichen Referenzen. Aber die Figuren basieren nicht auf einzelnen Stars. Sie sind eher Hybride. Wir haben sie aus verschiedenen prominenten Stars zusammengebaut. Channing Tatum hat eine grosse Tanz-szene. Und natürlich haben wir dabei an Gene Kelly gedacht, weil der auch ein sehr athletischer Tänzer war, ganz anders als etwa Fred Astair.

Könnten Sie sich eine Satire über das aktuelle Hollywood vorstellen?

Joel Coen: Unsere Geschichten spielen tatsächlich meist nicht in der Gegenwart. Aus irgendeinem Grund mögen wir historische Filme. Warum das so ist, wissen wir selbst nicht ganz genau. Wir mögen diesen märchenhaften Aspekt, der entsteht, wenn man etwas in der Vergangenheit erzählt. Und dann ist noch der Aspekt, eine Welt wieder auferstehen zu lassen, die nicht mehr existiert. Das ist einfach ein grosser Teil von dem, was uns am Filmemachen riesigen Spass macht.

Haben Sie in «Hail Caesar» auch Hollywoods damalige Angst vor dem Kommunismus verarbeitet?

Joel Coen: Natürlich. Die war auch bereits in unserer Kindheit ständig präsent. Auch der ganze Vietnam-Krieg war ja ein Kampf gegen den Kommunismus.

Wie teilen Sie sich Ihre Arbeit auf, wenn Sie gemeinsam arbeiten?

Ethan Coen: Bei uns existieren keine Zuständigkeitsbereiche. Wir schreiben das Drehbuch zusammen, gehen jede einzelne Szene immer wieder durch. Und diese Arbeitsweise setzt sich bei den Dreharbeiten fort. Wir teilen nichts auf und machen alles gemeinsam. So können wir nun einmal am besten arbeiten.

Interview Christian Aust

Hinweis

«Hail Caesar» läuft in den Kinos Bourbaki (Luzern), Cinema 8 (Schöftland), Cinepol (Sins), Gotthard (Zug). Kritik auf der Kino-Seite vom letzten Mittwoch.

(Tel-A-Vision, 02.02.2016)




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