Ein Superstar – ganz mühelos

HALLENSTADION ⋅ Die Tickets für das Konzert von Ed Sheeran am Sonntag gingen in Rekordzeit weg. Der sympathische Brite bespielte die ausverkaufte Halle aber trotzdem, wie wenn es ein kleines Pubkonzert wäre.

21. März 2017, 00:00

Das Kreischen war ohrenbetäubend, als die Scheinwerfer sich auf die kleine Bühne ganz vorne im Hallenstadion richteten. Dort rannte ein junger Mann auf die Plattform, hängte sich die Gitarre um und spielte los, «Castle On The Hill», eine Hitsingle, folkig, mitreissend, eingängig.

Hitparadenstürmer Ed Sheeran zog das 14000-köpfige Publikum vom ersten Ton an in seinen Bann. Der 26-jährige Brite ist ein Phänomen. Mit einer Mischung aus erdigem Folk und eher zahmem R’n’B und Rap, unscheinbar und ohne Tanzeinlagen, Sixpack oder durchgeprobte Bühnenshow, mit T-Shirt, Sneakers, verwuschelten Haaren ist er eine Ausnahme in der heutigen Popszene. Eine sehr erfreuliche.

Kindliche Freude an den Effektgeräten

Diesen Monat kam Sheerans drittes Album «Divide» heraus und landete in über zwanzig Ländern an der Spitze der Charts. Die scheinbare Mühelosigkeit, mit der Sheeran diese Erfolge erreicht, passte zu seinem Auftritt in Zürich. Sheeran bespielte das Hallenstadion mit einer Lockerheit, wie wenn es sich um ein kleines Pubkonzert handeln würde. Die Songs begleitete er selber auf einer akustischen Gitarre. Mit einem Loop-Gerät spielte er jeweils ein rhythmisches Grundgerüst und Background-Gesang ein. Mit fast kindlicher Freude bearbeitete er seine Effektgeräte, hibbelte auf der kleinen Bühne rum, wenn die Songs in einer von ihm geschaffenen tosenden Soundkulisse endeten und war wiederum still und besonnen, wenn er eine der Balladen sang.

Einzig die riesigen Bildschirme über der Bühne und die darauf laufenden, eigentlich unnötigen Animationen und die diversen Kuscheltiere und Rosen, die auf die Bühne geworfen wurden, erinnerten daran, dass hier ein Stadionkonzert gespielt wurde.

Denn auch eine Band hatte Sheeran nicht nötig, einzig ein Keyboard-Spieler wurde für wenige Songs dazugeholt. Den Rest bestritt Sheeran solo und immer guter Dinge, nie um eine kleine Erzählung verlegen. Ein Jahr habe er eine musikalische Pause eingelegt, erzählte er. «Am meisten habe ich genau dies vermisst. Auf der Bühne zu stehen vor so einem grossartigen Publikum.» Bei Sheeran wirkt solches ehrlich.

Claudia Peter

kultur@luzernerzeitung.ch


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