Eine Uraufführung als grösste Wundertüte

13. März 2017, 00:00

Entdeckertag Alles wartete beim Familienkonzert des Luzerner Sinfonieorchesters im KKL-Konzertsaal gestern Vormittag auf die Uraufführung der «Ranft-Suite» von Christoph Blum, ein Gemeinschaftswerk des jungen Obwaldner Komponisten und mit Schülerinnen und Schülern aus Obwalden. Die Moderation von Schauspieler und Kabarettist Hanspeter Müller-Drossaart, der humorvoll zwischen seinem Obwaldnerdialekt und bewusst schweizerisch gefärbtem Hochdeutsch wechselte, stimmte auf die Obwaldner Novität ein.

Das Projekt sei inspiriert von Tod Machovers «Sinfonie für Luzern», die am Lucerne Festival 2015 aufgeführt wurde, so konnte man lesen. Aber eigentlich hatte es wenig damit zu tun, auch wenn das Prinzip, Naturklänge und Geräusche mit Instrumentalklängen eines Sinfonieorchesters zu verbinden, dasselbe sein mag.

Ode an Bruder Klaus mit geheimnisvoller Atmosphäre

Das Projekt steht in engem Zusammenhang mit dem 600-Jahr-Jubiläum von Bruder Klaus. Und in der Tat verbreitete der Beginn mit der hohen, ostinato ausgehaltenen Pianissimo-Streicher-Melodie, in die sich allmählich die Naturgeräusche und die Klänge der rund um den Saal auf dem ersten Balkon versammelten Kinder und anderer Instrumente des Luzerner Sinfonieorchesters mischten, eine geheimnisvolle Atmosphäre im Saal.

Diese konnte man sehr wohl mit dem asketischen Mann in der braunen Kutte in seiner finsteren Zelle verbinden. Dann aber vernahm man einen Klangteppich, in dem sich Klänge ab Tonband und Geräusche, welche die Kinder real auf dem Balkon erzeugten, untrennbar vermischten. Dabei hauten die Kinder zum Beispiel mit Plastikflaschen oder Stäben im Takt auf die Balkonbrüstung. In allem entwickelte die KKL-Akustik ihre unglaub­liche Qualität. Der fünfte Satz schliesslich endet wie der erste pianissimo und verdämmert mit einem einzigen gesungenen Lied in der Stille.

Die Fäden dieser Uraufführung zog der erst 22-jährige Grazer Gastdirigent Patrick Hahn, der kurzfristig für die erkrankte Elim Chan eingesprungen war. Und er tat dies so souverän, als hätte er sich schon länger mit dieser Neuerscheinung befasst.

Temperamentvoll und mit jugendlichem Feuer meisterte er auch das übrige Programm mit den beiden umrahmenden «Slawischen Tänzen» op. 72, Nr. 1 und Nr. 7, von Antonin Dvorák, Darius Milhauds Orchesterfantasie «Le boeuf sur le toit» und der «Oberon»-Ouvertüre von Carl Maria von Weber.

Wirkten in diesem Konzert manche Regungen der im Auditorium zahlreich anwesenden Kinder wie spontane launige Kommentare zur Klangkulisse der «Ranft-Suite», so gaben sich im «Prima Vista»-Konzert am Nachmittag jugendliche Konzertbesucher eher gelangweilt oder störten. Das Konzert hielt auch als solches nicht ganz das, was es versprach, weil es dem Etikett nur bedingt gerecht wurde.

Einen ersten Formtest ansprechend bestanden

Angesagt war zudem ein Einblick in eine Probe, und in der Tat präsentierten sich die Mitglieder des Luzerner Sinfonieorchesters, der Dirigent James Gaffigan und der Solist Oliver Schnyder in Alltagskleidung auf dem Podium. Aus allen fünf Klavierkonzerten Beethovens wurden einzelne Sätze ausnahmslos ganz durchgespielt, und sowohl das Orchester wie auch der Solist zeigten sich bereits in ansprechender Form. Die Feinarbeit, die jeweils in Proben passiert, wurde indes leider nicht gezeigt.

Immerhin war das Konzert eine gute Werbung für die kommenden drei Konzerte im Sommer, in denen in Fortsetzung der Beethoven-Aufführungen im Kammermusikformat auf dem Pilatus alle fünf Konzerte mit dem Sinfonieorchester und Oliver Schnyder als Solisten im KKL aufgeführt werden.

Fritz Schaub

kultur@luzernerzeitung.ch


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