Eine universelle Trennungsgeschichte

LITERATUR ⋅ Elf Jahre mussten die Fans von Jonathan Safran Foer auf einen neuen Roman warten. In «Hier bin ich» lässt er eine Ehe am Alltag scheitern.

26. November 2016, 00:00

«Hier bin ich» – den Titel von Jonathan Safran Foers neuem Buch kann man als Statement lesen. Der gefeierte Autor von «Alles ist erleuchtet» (2002) und «Extrem laut und unglaublich nah» (2005) meldet sich nach elf Jahren zurück. Aber «Hier bin ich» taugt genauso gut als Motto seiner Hauptfigur Jacob Bloch, den Foer auf 688 Seiten nach seiner jüdischen Identität suchen und den Zerfall seiner Ehe erleben lässt.

Jacob, 42, Autor einer Fernsehshow, Vater dreier Söhne, verheiratet mit der Architektin Julia, 43 – Foer nimmt den Leser mit in das Leben einer gut situierten amerikanischen Familie mit jüdischen Wurzeln. Es könnte alles gut sein – aber das ist es nicht. Jacob tauscht Sex-SMS mit einer Kollegin aus, Julia findet das dafür angeschaffte Handy.

«Wie hatten sie es geschafft, sich die letzten sechzehn Jahre hindurch voneinander zu entfremden?» Um diese und andere Fragen kreisen Jacob und Julia fortan.

Mit Blick auf Foers eigene Biografie – 39, zwei Kinder, getrennt von seiner Frau – könnte man fragen, wie viel Jonathan in Jacob steckt. Aber Foer erzählt eine univer­selle Liebes- und Trennungsgeschichte, wie sie schon unzählige Menschen erlebt haben.

Autobiografische Parallelen mögen sich auch im zweiten Erzählstrang des Buches finden. Jacob ist, wie Foer, der Enkel eines Holocaust-Überlebenden. Gläubig ist er nicht, aber an den jüdischen Ritualen hängt er. Als ein Erdbeben den Nahen Osten erschüttert, steht Jacob plötzlich vor einer weiteren Lebensentscheidung.

Stellenweise ufert «Hier bin ich» mit der zweiten Geschichte etwas aus. Aber Foer gelingt es trotzdem, mit präzisen Beschreibungen seiner Figuren und überraschenden Ideen den Stoff zu bewältigen. (dpa)

Hinweis

Jonathan Safran Foer: «Hier bin ich», Kiwi, 688 Seiten, ca. 34 Fr.


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