«Ging extrem ab»

13. April 2017, 00:00

Zeitzeuge Unter den vielen Besuchern im Hallenstadion war auch der damals 19- jährige Luzerner Schlagzeuger Fredy Studer (Bild): «Ich hatte beide Arme in Gips, aber wollte unbedingt ans Konzert. Ich war bei einem Training mit dem BTV Luzern vom Reck gefallen und hatte beide Handgelenke gebrochen. Also suchte ich mir einen Platz in den oberen Rängen.

Im letzten Viertel des Konzertes bemerkte ich, wie unten ein Tumult losbrach. Die Polizei rückte von der Bühne her vor, weil Leute begannen, die Holz-Klappstühle zu zerschlagen. Die Polizisten waren uniformiert und trugen noch nicht heutige Kampfmontur. Von oben sah das fast aus wie die Schlacht bei Sempach: Zwei Heere rückten gegeneinander vor. Einmal waren die Polizisten im Vormarsch, dann die randalierenden Zuschauer, es war ein Hin und Her. Am Schluss des Konzerts war das Inventar kurz- und klein geschlagen.

Die Fotos, die am andern Tag in den Zeitungen veröffentlicht wurden, logen nicht. Es ging extrem ab. Da hatte sich etwas angestaut, das sich entladen musste. Es war meines Wissens das erste wirklich grosse Rockkonzert in der Schweiz. Ein paar Monate zuvor hatte ich im Marquee Club in London Jimi Hendrix gesehen. Das war musikalisch der Hammer. Aber auch die Stones haben mich begeistert. So viel ich weiss, war auch Gitarrist Christy Doran an diesem Konzert. Er hatte die Band The Mads, damals die ‹heisse Band› von Luzern, die viele Stones-Songs spielte. Meine Band hiess Les Unlikes. Wir waren die etwas Braveren, auch mit Stücken etwa von The Beatles.

1978 besuchte ich im St.-Jakob-Stadion ein weiteres Konzert der Rolling Stones. Drummer Charlie Watts hatte mich eingeladen, und ich genoss sogar Backstage-Zutritt. Das hätte ich mir 1967 nicht träumen lassen.» (pb)


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